Chemieindustrie-KV – Zweistündige Warnstreiks starten
Nach der gescheiterten sechsten Kollektivvertragsverhandlungsrunde hat die Gewerkschaft zu zweistündigen Streiks in der Chemieindustrie im Zeitraum 26. bis 1. Juni aufgerufen. Am Dienstag legen Beschäftigte der chemischen Industrie am Chemiepark Linz für zwei Stunden ihre Arbeit nieder, wie der Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs (FCIO) mitteilte.
Laut Gewerkschaft werden “alle großen Betriebe” in den kommenden Tagen bestreikt. Der Großteil der Warnstreiks in der Chemischen Industrie werde von Mittwoch bis Freitag stattfinden, hieß es von der Gewerkschaft zur APA. Nachdem das Arbeitgeber-Angebot in Höhe einer Einmalzahlung von 250 Euro zum dritten Mal nicht erhöht wurde, rief die Gewerkschaft zum Arbeitskampf auf.
Gewerkschaft: Angebot der Arbeitgeber ist “eine Frechheit”
“Dieses Angebot ist eine Frechheit, die Beschäftigten sind zurecht wütend”, teilten die Verhandler auf Gewerkschaftsseite, Hubert Bunderla (PRO-GE) und Mario Mayrwäger (GPA), am Dienstag in einer Aussendung mit. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sähen in den Betrieben, dass sich die Auftragslage wieder verbessert habe, dass sich die Arbeit verdichte “und sollen trotzdem auf eine faire Erhöhung der Löhne und Gehälter verzichten”. Die Warnstreiks seien daher “mehr als berechtigt”. An die Arbeitgeber gerichtet ließen die Arbeitnehmervertreter weiters wissen: “Einer Nulllohnrunde werden wir nicht zustimmen.”
Die rund 230 Unternehmen der Chemischen Industrie mit mehr als 50.000 Beschäftigten sind in unterschiedlichen Bereichen aktiv, unter anderem in der Produktion von Pharmazeutika, Kunststoffen und Kunststoffwaren, Fasern, Lacken, Düngemitteln oder auch organischen und anorganischen Chemikalien.
Siebente KV-Verhandlungsrunde Anfang Juni
Die Chemieindustrie-Arbeitgeber sehen einen größer werdenden Wettbewerbsnachteil gegenüber Deutschland und “600 verlorene Arbeitsplätze alleine im vierten Quartal 2025”.
“Seit 2020 haben wir in Österreich kumuliert zwölf Prozent höher abgeschlossen als in Deutschland. Das sind jährlich 500 Millionen Euro Kostennachteil, die unsere Unternehmen mit sich schleppen”, so FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch in einer Aussendung. In der deutschen Chemieindustrie habe man für 2026 eine Nulllohnrunde vereinbart. Die Arbeiterkammer ortet hingegen “einen kräftigen Aufwärtstrend” in der chemischen Industrie in Österreich und verwies am Dienstag auf eine Konjunkturerhebung der Statistik Austria.
Die nächste KV-Verhandlungsrunde findet am 2. Juni statt. Der Kollektivvertrag sollte bereits seit 1. Mai gelten.