Commerzbank arrangiert sich im Übernahmekampf mit Unicredit

06.08.2026 • 14:57 Uhr
Commerzbank arrangiert sich im Übernahmekampf mit Unicredit

Im Übernahmekampf mit der Bank-Austria-Mutter Unicredit arrangiert sich die Commerzbank mit dem Großaktionär. “Wir haben diesbezüglich Gespräche aufgenommen”, sagte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp am Donnerstag bei der Vorlage der Halbjahresbilanz. “Ich bin optimistisch, dass wir Schritt für Schritt eine gemeinsame Basis in Bezug auf die Unternehmensführung und auch das Geschäftsmodell finden können.”

Gespräche lägen im Interesse beider Banken, um Wert für Aktionäre, Kunden und Mitarbeiter zu schaffen. In die Gespräche sei der Bund als zweitgrößter Aktionär einbezogen. “Wir sind in enger Abstimmung.” UniCredit-Chef Andrea Orcel sieht aber einem Insider zufolge keinen Grund für direkte Verhandlungen mit Orlopp.

Orcel und die Commerzbank-Chefin seien zwar am Rande einer privaten Veranstaltung zu einem kurzen Austausch zusammengekommen, nachdem das Ergebnis des Übernahmeangebots für die Commerzbank festgestanden sei, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Sie hätten über das weitere Vorgehen nach der Übernahme der Kontrolle an der Commerzbank gesprochen. Das sei aber nicht etwa der Beginn von Verhandlungen gewesen, sagte der Insider. Das Übernahmeangebot sei abgeschlossen und die Ergebnisse eindeutig.

Die italienische Großbank Unicredit will die Commerzbank übernehmen und hatte sich daher Anfang Juli 48 Prozent an der Commerzbank gesichert. Orcel erwartet, dass die Führung des Frankfurter Geldhauses seiner Strategie folgt, die er im April vorgestellt hatte. Verhandeln will der Italiener nur mit der Bundesregierung – die auch zweitgrößte Aktionärin der Commerzbank ist – und den Arbeitnehmervertretern.

Tauziehen geht weiter

Durchregieren könne die Unicredit damit aber bisher nicht, betonte Orlopp. “Auch wenn die UniCredit über eine Mehrheit auf der nächsten Hauptversammlung verfügt, kann sie über wesentliche Strukturmaßnahmen nicht allein entscheiden”, erklärte die Commerzbank-Chefin. “Das ist ein klarer Gestaltungsauftrag für beide Seiten.” Dafür brauche es ein gemeinsames Verständnis des Geschäftsmodells und die Einbindung aller Beteiligten. Von Unicredit lag zunächst keine Stellungnahme zu Orlopps neuen Äußerungen vor.

Auch die deutsche Bundesregierung selbst sieht zunächst den Vorstand der Commerzbank am Zug. Ein Regierungssprecher hatte am Mittwoch bekräftigt, Commerzbank und UniCredit müssten jetzt besprechen, wie es weitergehe. Die Beschäftigten bräuchten eine sichere Perspektive. Gleichzeitig lehne die Bundesregierung weiterhin das “aggressive Vorgehen” der italienischen Bank ab.

An einer Machtübernahme durch die Mailänder Großbank führt wohl kein Weg mehr vorbei. Orlopp hatte lange um die Unabhängigkeit der Commerzbank gekämpft. Mehrere Anläufe zu Gesprächen mit Orcel hatten vorher keine Ergebnisse gebracht. Orlopp pocht unter anderem auf den Erhalt des umfangreichen Auslandsnetzes, mit dem die Bank ihre Mittelstandskunden beim Export in alle Welt begleitet. Orcel will dieses dagegen stark zusammenstreichen.

Starke Zahlen der Commerzbank

Im zweiten Quartal profitierte die Commerzbank auch von ihrer internationalen Aufstellung. So wuchs das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft um 16 Prozent auf 123 Milliarden Euro. “Maßgeblich hierfür waren Investitionen deutscher und internationaler Firmenkunden im Ausland”, erklärte das Institut.

Insgesamt erzielte die Commerzbank im ersten Halbjahr nach eigenen Angaben Rekordgewinne: Das operative Ergebnis stieg um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Halbjahresgewinn um 40 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro, was über den Erwartungen der Analysten lag. Der Quartalsgewinn verdoppelte sich beinahe und stieg auf 898 Millionen Euro. Damit sieht sich die Commerzbank auf Kurs, ihr Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro im Gesamtjahr zu erreichen. Die Commerzbank-Aktie notierte kaum verändert.