“Così fan tutte” in Klagenfurt stimmstark aber schrill

30.10.2026 • 11:18 Uhr
"Così fan tutte" in Klagenfurt stimmstark aber schrill

Schon das erste Bild bei der Ouvertüre von “Così fan tutte” macht klar, wohin es geht: In Paris mit seinen Straßencafés und Baguettes, der klischeebehafteten Stadt der Liebe, soll Mozarts zynisches Treueexperiment durchexerziert werden. Das starke Sängerensemble wurde am Donnerstag im Stadttheater Klagenfurt vom Premierenpublikum gefeiert, die Inszenierung hinterließ manche Besucherin ratlos.

Was soll das Graffiti “eat the rich” an der Hauswand? Und warum schweben riesige, psychedelisch-bunte Pilze vom Schnürboden herab? Die deutsche Regisseurin Nilufar K. Münzing und ihr Team (Bühne: Britta Lammers, Kostüme: Uta Gruber-Ballehr) schöpfen bei ihrer Interpretation dieser Opera buffa aus dem Vollen. Der Schriftzug “Liberté” leuchtet in großen Lettern über dem Bühnengeschehen, sodass allen klar sein muss: Hier geht es um eine libertäre Gesellschaft, in der Treue zwar gefordert, aber nicht gelebt wird. Angesichts der aktuellen politischen Geschehnisse in Frankreich wirkt diese Verortung allerdings aus der Zeit gefallen und wenig stimmig.

Gefühlschaos und Katzenjammer

Der Inhalt von “So machen’s alle” (Così fan tutte) ist schnell erzählt: Die zwei Freunde Guglielmo und Ferrando lassen sich auf eine Wette mit dem alten intriganten Don Alfonso ein und stellen die Treue ihrer Frauen Fiordiligi und Dorabella auf die Probe. Sie ziehen scheinbar in den Krieg, kehren aber verkleidet wieder zurück, um die jeweils andere der Schwestern zu verführen. Das Ganze endet in Gefühlschaos und Katzenjammer, auch die Männer gehen nicht siegreich aus diesem Kampf der Geschlechter hervor.

Als Hippies in Plateauschuhen und Winnetou-Verkleidung sorgen sie in Klagenfurt für einige Lacher im Publikum. Doch vor allem überzeugt die spielfreudige Sänger-Riege durch ihren fein differenzierten stimmlichen Ausdruck. Neben dem warmen Bariton des indischen Briten Darwin Prakash (Guglielmo) und dem hellen Tenor von Samuel Stopford (Ferrando) begeistern vor allem die drei Frauenrollen: Mezzosopran Lucia Tumminelli als lange standhafte Fiordiligi und Marina Baroni mit ihrem klingenden Sopran als Dorabella legen ein charmantes Doppel im Petticoat hin. Luisa Mordel ist die witzig-freche Bedienstete Despina, die dem verschlagenen Don Alfonso im Business-Anzug (Nikolay Borchev) bei seinem Täuschungsspiel hilft.

Das Kärntner Sinfonieorchester unter der musikalischen Leitung von Michael Hofstetter meistert die Herausforderungen souverän, arbeitet Dynamik und gelegentliche Pointen farbig heraus. Vor allem die nicht unheiklen Horneinsätze gelingen herausragend. Besonders originell ist das, wohl auch aus akustischen Gründen, in die Seitenloge gezwängte Cembalo für die Secco-Rezitative. Von da kommen dann auch ganz unübliche Töne wie etwa der kurz angespielte Jazz-Standard “Autumn Leaves”. Konsequent und detailreich durchchoreografiert agierte der Chor des Stadttheaters (Leitung: Günter Wallner) in dieser kurzweiligen, wenn auch mehr als dreistündigen Aufführung.

(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)

(S E R V I C E – Stadttheater Klagenfurt, “Così fan tutte”, Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart, Libretto von Lorenzo da Ponte, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln; Regie: Nilufar K. Münzing, musikalische Leitung: Michael Hofstetter, Bühne: Britta Lammers, Kostüme: Uta Gruber-Ballehr, Choreinstudierung: Günter Wallner; Lucia Tumminelli (Fiordiligi), Martina Baroni (Dorabella), Darwin Prakash (Guglielmo), Samuel Stopford (Ferrando), Luisa Mordel (Despina), Nikolay Borchev (Don Alfonso), Kärntner Sinfonieorchester, Chor des Stadttheaters Klagenfurt. Weitere Vorstellungen: 31. Oktober, 4., 10., 13., 20., 26., 28. November, 2., 5., 11., 18. Dezember 2026, 19.30 Uhr, )