Das Kino ist wieder da: US-Filmindustrie zufrieden

Die US-Filmindustrie ist wieder da: Hollywood hat den erfolgreichsten Kinosommer seit der Pandemie hinter sich und damit Sorgen über die Zukunft der Filmpaläste eindrucksvoll beiseitegewischt. Mit einem Einspielergebnis von 4,6 Milliarden Dollar (3,96 Mrd. Euro) in den USA und Kanada von Mai bis Ende August lag der Umsatz 26 Prozent über dem Vorjahressommer, wie das Marktforschungsunternehmen Rentrak am Freitag mitteilte.
Die positive Dynamik des Sommers könne sogar bis zum Jahresende anhalten, wenn mit “Avengers: Doomsday” und “Dune: Part Three” zwei mit Spannung erwartete Filme in die Kinos kommen, sagte Paul Dergarabedian, Leiter für Markttrends bei Rentrak. Er prognostizierte, dass die Kinoeinnahmen auf dem heimischen Markt in diesem Jahr die Marke von zehn Milliarden Dollar erreichen könnten – ein Wert, der seit 2019 nicht mehr überschritten wurde.
Angetrieben wurde der Erfolg von einer Mischung aus Blockbustern wie “Spider-Man: Brand New Day”, originären Stoffen wie “The Odyssey” und Fortsetzungen wie Pixars “Toy Story 5”. Vor allem die breite Mischung an Filmen sorgt dafür, dass sich die unterschiedlichen Zielgruppen angesprochen fühlen. Horrorfilme wie “Backrooms” und “Obsession” lockten die fürs Kino verloren geglaubte Generation Z in Scharen an, während Titel wie “Michael” oder “Der Teufel trägt Prada 2” vor allem Frauen ins Kino zogen. “Wir sehen buchstäblich alle Altersgruppen und Bevölkerungsschichten in den Kinos”, sagte Jim Orr, Präsident für den Kinovertrieb in Nordamerika bei Universal Pictures.
Erholung nach Corona und Streik
Die Filmindustrie scheint sich damit endgültig von den Verwerfungen der Corona-Pandemie und den Streiks der Autoren und Schauspieler im Jahr 2023 erholt zu haben. “Die Auswirkungen der Streiks auf die Studios waren nachhaltiger, als die Leute dachten”, sagte Michael O’Leary vom Kinoverband Cinema United. “Im vergangenen Jahr haben die Studios wieder zu ihrer alten Form zurückgefunden.”
Zudem zeigten die Studios wieder mehr Mut zu originären Stoffen, anstatt sich nur auf bekannte Marken und Fortsetzungen zu verlassen. Ein Beispiel für ein solches Wagnis ist Christopher Nolans Epos “The Odyssey”, das auch das Interesse an Vorführungen im 70-Millimeter-Format neu entfachte und der Kinokette IMAX einen Rekordsommer bescherte. “Der Erfolg von ‘The Odyssey’ hat die Wahrnehmung dessen, was mit IMAX funktionieren kann, bei fast allen Beteiligten verändert”, sagte IMAX-Chef Richard Gelfond. Medienberichten zufolge spielte der Film, der auf Homers weltberühmtem Werk über die Irrfahrt des griechischen Kriegshelden Odysseus basiert, 1,5 Milliarden Dollar ein (1,29 Mrd. Euro).
Rückkehr der jungen Zuschauer
Besonders ermutigend für die Branche ist zudem die Rückkehr der jungen Zuschauer. Die Generation Z, eine Altersgruppe, von der Filmmanager einst befürchteten, sie an Streamingdienste und soziale Medien verloren zu haben, strömte wieder in die Kinos. “Viele Leute hatten die Gen Z abgeschrieben, und sie kommt in rekordverdächtigen Zahlen zurück”, sagte Tim Richards, Chef der europäischen Kinokette Vue. Analyst Paul Dergarabedian fasste die Stimmung zusammen: “Das Kino ist wieder da.”