Das Publikum schrieb an Linzer “Romeo und Julia” mit

18.10.2026 • 10:30 Uhr
Das Publikum schrieb an Linzer "Romeo und Julia" mit

Das Linzer Schauspielhaus schwebt auf rosa Wolken, die Liebe regiert zu Beginn der Spielzeit. Schauspielchef David Bösch hat sich den diesbezüglichen Klassiker schlechthin vorgenommen: “Romeo und Julia” von William Shakespeare – und etlichen Linzerinnen und Linzern. Geworden ist daraus eine actionreiche und trotz aller Tragik leichtfüßige, höchst witzige Liebesgeschichte, die am Samstagabend Premiere hatte.

Bösch hat das Stück radikal entrümpelt, sogar die Lerche fliegt raus. Dass es nicht als gestelztes Drama daherkommt, sondern leicht von der Zunge und ins Ohr geht, ist zum einen der verwendeten Übersetzung von Thomas Brasch und ihrer kraftvollen Sprache zu verdanken, zum anderen dem Publikum. Dieses war nämlich im Vorfeld gebeten worden, private Liebesbriefe für die Produktion zur Verfügung zu stellen. Mehrere Hundert, an echte und fiktive Liebschaften ebenso wie an Katzen, sind eingetrudelt. Einige flossen in das Stück ein, die anderen sind im Foyer ausgestellt und man kann in der Pause darin schmökern.

Zeitloses Setting

Mit Totenkopfmasken schleichen sich Romeo und seine Freunde – der rotzfreche Mercutio (viel Applaus für Benedikt Steiner mit Vokuhila) und der kalmierende Benvolio (ebenfalls hervorragend: Jan Nikolaus Cerha) – auf das Kostümfest der verfeindeten Familie Capulet. Während seine Kumpels ihrem Talent frönen, Ärger aufzureißen, und sich mit dem grantigen Capulet-Wachhund Tybalt (Julian Sigl) anlegen, verliebt sich Romeo Hals über Kopf (unsterblich?) just in die Tochter des gegnerischen Hauses. Dass das nicht gutgehen kann, ist klar. Die nächste Eskalation der Familienfehde lässt nicht lange auf sich warten, Tybalt killt Mercutio, Romeo tötet Tybalt, wird verbannt und muss weg von seiner Julia. Die Handlung ist bekannt – schließlich endet die Lovestory mit zwei Suiziden, weil der riskante Plan von Pater Lorenzo (Horst Heiss), der das Glück von Romeo und Julia doch noch sichern soll, schiefgeht. Doch – Spoiler! – Liebe geht über den Tod hinaus.

Die Szenerie auf der Bühne von Volker Hintermeier ist zeitlos. Ausnahmen sind die Jahrgangsweine, mit denen sich der um Julia werbende Paris (Markus Ransmayr) beim erhofften Schwiegervater in spe einschleimt. Ab und zu durchbricht Bösch die vierte Wand zwischen Bühnen- und Publikumswelt, etwa wenn die Forderung zum Duell über das Handy der Souffleuse übermittelt wird oder wenn die jungen Wilden einen Anschiss kassieren, weil auf der nassen Bühne aus Sicherheitsgründen nicht gefochten werden darf, und stattdessen einen Wischmopp in die Hand gedrückt kriegen.

Gemma Vannuzzi mit starker Bühnenpräsenz

Der Balkon darf bleiben und fährt auf und ab, wie es auch die Hoffnungen der Jungverliebten auf ihr Glück tun. Lukas Spinka – für ihn ist es der Einstand im Landestheater – legt seinen Romeo als vom Schicksal Getriebenen an. Gemma Vannuzzi zeigt in ihrer ersten großen Hauptrolle im Schauspiel starke Bühnenpräsenz und gibt eine kraftvolle, entschlossene Julia, die sich gegen die Hochzeitspläne ihres dominanten Vaters (Sebastian Hufschmidt) zur Wehr setzt und nicht nur das Herz Romeos sondern auch jenes des Publikums erobert.

(Von Verena Leiss/APA)

(S E R V I C E – “Romeo und Julia” von William Shakespeare am Linzer Schauspielhaus. Inszenierung: David Bösch, Bühne: Volker Hintermeier, Kostüme: Moana Stemberger. Mit Lukas Spinka – Romeo, Gemma Vannuzzi – Julia, Benedikt Steiner – Mercutio, Jan Nikolaus Cerha – Benvolio, Markus Ransmayr – Paris, Katharina Hofmann – Amme, Lorena Emmi Mayer – Mutter Capulet, Sebastian Hufschmidt – Vater Capulet, Horst Heiss – Fürst/Pater Lorenzo, Julian Sigl – Tybalt. Weitere Vorstellungen am 22. und 29. Oktober sowie am 4., 5., 11., 19., 20. und 27. November. )