Irans neuer Verteidigungsminister droht den USA
Der Iran bekommt einen mit der Raketenproduktion erfahrenen Funktionär als neuen Verteidigungsminister. Im Parlament stimmten 237 der 290 Abgeordneten für den Rüstungsexperten Mehrdad Akhlaqi Ketabchi, berichtete der staatliche Rundfunk. Der 68-Jährige folgt auf den früheren Minister Aziz Nasirzadeh, der am 28. Februar in Teheran bei dem US-israelischen Krieg gegen den Iran getötet wurde. Kurz nach seiner Bestätigung richtete der neue Ressortchef scharfe Drohungen an die USA.
Der US-Präsident solle sich darauf konzentrieren, seine Truppen sicher aus der Region abzuziehen, sagte Akhlaqi Ketabchi. “Wenn er eine einzige Bombe abwirft, wird er sehen, wie viele seiner Soldaten die Region in waagerechter Position verlassen müssen.” Der neue Minister reagierte damit auf einen CNN-Bericht, wonach die USA Angriffspläne gegen iranische Energie- und Atomanlagen entwickelt hätten. Diese könnten den Einsatz der größten nicht nuklearen Bombe im US-Arsenal beinhalten, auch bekannt als “Mutter aller Bomben”. Sollte der “amerikanische Feind” eine weitere Fehlkalkulation begehen, werde die Antwort “überraschend und umfassend” ausfallen, sagte Akhlaqi Ketabchi weiter.
Araqchi erneuert Hormuz-Angebot
Die Drohungen des neuen Ministers stehen im Kontrast zu diplomatischen Signalen aus Teheran. So bekräftigte Außenminister Abbas Araqchi am Sonntag das Angebot an die USA, die Straße von Hormuz wieder zu öffnen. Dies könne innerhalb von sieben Tagen geschehen, sagte er am Rande eines Treffens der Organisation für Islamische Zusammenarbeit in Bagdad. Die Führung in Teheran prüfe derzeit eine Antwort aus Washington.
Zu den iranischen Bedingungen gehören ein Ende der US-Blockade iranischer Häfen sowie der Sanktionen gegen die Ölexporte des Landes. Die USA fordern im Gegenzug eine deutliche Reduzierung der iranischen Uran-Anreicherung, um den seit acht Monaten andauernden Krieg zu beenden. Durch die strategisch wichtige Meerenge lief vor dem Konflikt etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit Öl und Flüssigerdgas.
Mit Sanktionen belegt
Die Ernennung Akhlaqi Ketabchis beendete eine monatelange Hängepartie an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Zuvor hatte ein General der Revolutionsgarden, Majid Ebn Al-Reza, das Amt in der Krisenzeit kommissarisch geführt. Der neue Verteidigungsminister ist iranischen Angaben zufolge ein erfahrener Experte aus der Rüstungsindustrie. Er leitete unter anderem die staatliche Luftfahrtindustrieorganisation (AIO), die an der Entwicklung und Produktion von Raketensystemen beteiligt ist. Präsident Masoud Pezeshkian hatte ihn Anfang Oktober offiziell nominiert.
Akhlaqi Ketabchi ist mit internationalen Sanktionen belegt. Die EU wirft ihm vor, an der Beschaffung verbotener Güter sowie an Technologien zur Unterstützung des iranischen Nuklearprogramms beteiligt gewesen zu sein. Auch die UNO und die USA hatten Sanktionen gegen ihn verhängt.
Die Modernisierung des Raketenprogramms hat für Teheran hohe Priorität. Seit Jahren setzt die iranische Staatsführung zur militärischen Abschreckung auf die Produktion ballistischer Raketen. Auch im Krieg gegen Israel und die USA erfolgten die iranischen Gegenangriffe auf Israel und US-Stützpunkte in der Region vor allem mit Raketen.