Design Week mit Kühlraumschau und Trauerkränzen

Seile werden zu überdimensionalen Objekten, die zum Sitzen einladen, Trauerkränze neu gedacht und Unisex-Schmückstücke von technischen Objekten inspiriert: Das bieten drei Kooperationen von Designern mit Handwerksbetrieben auf den “Passionswegen” im Rahmen der Vienna Design Week. Das Festival findet heuer zum 20. Mal statt, als Zentrale dient ein ikonisches Bürohochhaus in Wien-Hietzing.
“Wir wissen, und wir müssen uns bewusst machen, dass Design um uns herum ist”, betonte Direktor Gabriel Roland am Donnerstag gegenüber der APA. “Es betrifft unser Leben. Wenn man sich mehr damit auseinandersetzen will, was das bedeutet und wie Designerinnen und Designer unser Leben prägen – man muss es nicht notwendigerweise gut finden, aber man sollte sich damit auseinandersetzen – dann ist das eine sehr gute Gelegenheit, zur Design Week zu kommen.”
Die bis 1976 errichtete einstige Versicherungszentrale am Hietzinger Kai 101 wurde von Harry Glück geplant. Dort lädt man ab Freitag zehn Tage lang gratis zu Ausstellungen, Installationen und Veranstaltungen. So wird etwa anschaulich, dass ein Sessel mehr als nur ein Objekt zum Sitzen ist: Die präsentierten Varianten verdeutlichen, wie viel selbst bei einem der meist designten Produkte noch an Kreativität möglich ist.
Licht in Miami-Vice-Farben verleiht einer Bank 80er-Flair: “Wir gestalten Möbel für den öffentlichen Raum, haben uns aber gedacht, trotzdem ein bisschen Wohnzimmeratmosphäre zu vermitteln”, erläuterte Julia Pfeiffer von miramondo. Am Samstag verwandelt sich der Präsentationskobel in einen Club mit Drinks.
Festival nutzt auch Kühlräume
Das Festival nützt nicht nur die ehemaligen Büros, sondern auch etwa die Mensa mit Pop-Up-Café, die Schnellzulassungsstelle und die einstigen Kühlräume. In letzteren zeigt ein Kollektiv Objekte zwischen Kunst und Design.
Das Spektrum der Schau ist breit und reicht von Leuchten, die Vintage-Glasware mit modernem Design verbinden, über die Küche “als Labor der artenübergreifenden Beziehung zwischen Mensch und Mikrobe” (eine Installation) und einem skulpturalen Tisch in immersiver Inszenierung bis zu 3D-Architektur. Nachhaltigkeit spielt eine große Rolle. “Global Feathers” etwa sammelt bei der Fleischverarbeitung anfallende Hühnerfedern und verarbeitet sie zu Textilien, Papier und Lifestyleobjekten.
Zum Hietzinger Friedhof und Hörstationen
Die Design Week führt aber auch in Betriebe: So möchte der Industriedesigner Christophe de la Fontaine Schmuckkunst abseits gängiger Klischees einem erweiterten Publikum zugänglich machen. Dafür arbeitet er mit den Juwelieren A.E. Köchert in der City zusammen. Man darf ihnen zusehen.
Ein anderer Weg führt zum Hietzinger Friedhof, wo sich das Rotterdamer Designstudio Groovido mit Blumen Weisz mit Bestattungskultur beschäftigt. Eine Besonderheit der Wiener Kranztradition liegt in der Konstruktion, erfährt man dort. Die Trauergebinde werden hier auf einem wiederverwertbaren Metallgerüst aufgebaut. Groovido nimmt mit den Floristen diese sonst unsichtbare Struktur zum Ausgangspunkt für eine Neugestaltung.
Gast ist heuer Luxemburg. Einen Überblick über die Designszene des Landes vermittelt die Hörstationenschau “Two-O-Eight”, benannt nach der historischen Mittelwellenfrequenz von Radio Luxembourg.
Workshops und Expedition zur Kegelbahn
Workshops bietet die Design Week ebenso an wie interaktive Erlebniswelten für Familien, Führungen durch die Zentrale, aber auch zu Orten wie der Klimt Villa, und am letzten Sonntag eine Expedition “durch die Räume hinter den Räumen”, bei der man auch einen Blick auf die Kegelbahn im Keller werfen darf.
(S E R V I C E – )