Discord setzt nach Suizid Livestreams in Brasilien aus

Der Onlinedienst Discord hat Livestreams und Videoanrufe in Brasilien ausgesetzt, nachdem ein Mädchen während einer solchen Übertragung mutmaßlich zum Suizid angestiftet worden war. Das US-Unternehmen komme damit einer Anordnung der Nationalen Datenschutzbehörde Brasiliens (ANPD) nach, teilte der Discord-Mitgründer Stanislav Vishnevskiy am Montag in einem Blog-Eintrag mit. “Bildschirmfreigabe und Videoanrufe” seien für brasilianische Nutzer “ab sofort nicht mehr verfügbar”.
Fünf Jugendliche sind im Zusammenhang mit dem Tod des 13-jährigen Mädchens festgenommen worden, den ein Polizeibeamter als eine “Horrorshow im echten Leben” beschrieb. Über 45 Minuten hinweg hatten die Jugendlichen das Mädchen mutmaßlich dazu angestiftet, ein Tier zu töten, wie ein Vertreter der Geheimdiensteinheit Ciberlab des Justizministeriums bekanntgab. Als das Mädchen dazu nicht in der Lage war, hätten die mutmaßlichen Täter es ermutigt, sich selbst zu töten.
Vishnevskiy betonte in seinem Blog-Eintrag, Discord sei nicht die einzige an dem Vorfall beteiligte Plattform gewesen. Vielmehr sei die “koordinierte sadistische Schadenskampagne” über mehrere Plattformen hinweg ausgeführt worden. “Wir arbeiten mit Hochdruck daran, den Zugang zu diesen wichtigen Funktionen so schnell wie möglich wiederherzustellen”, fügte der Discord-Gründer hinzu.
Onlinedienst “enttäuscht”
Die ANPD hatte das Unternehmen vergangene Woche angewiesen, Livestreams auf seiner Plattform auszusetzen, da es versäumt habe, Schutzmaßnahmen zum Schutz von Kindern einzuführen. “Livestreams wurden wiederholt genutzt, um Gewalt, Belästigung sowie die Anstiftung zu Selbstverletzung und Suizid zu erleichtern”, hieß es in der Anordnung der brasilianischen Behörde. Discord zeigte sich “enttäuscht” über die Anweisung und wies die “Darstellung” der Plattform durch die Behörde zurück.
Rosângela da Silva, die Ehefrau des linksgerichteten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva, forderte, Discord abzuschalten. Sie rief die Justiz auf, “dieses schreckliche Netzwerk aus dem Internet zu entfernen”. Discord verfügt nach eigenen Angaben über weltweit mehr als 90 Millionen täglich aktive Nutzer.