Drama um Antonelli, Verstappen: Leclerc-Sieg in Silverstone
Nach einer dramatischen Schlussphase beim Großen Preis von Großbritannien hat Ferrari-Pilot Charles Leclerc seinen ersten Saisonsieg in der Formel 1 gefeiert. Der Monegasse profitierte am Sonntag in Silverstone wenige Runden vor Rennende von Problemen am Mercedes des bis dahin zweitplatzierten WM-Führenden Kimi Antonelli, der mit frischeren Reifen den Sieg vor Augen hatte. Die Lokalmatadoren George Russell (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari) komplettierten das Podium.
Max Verstappen verspielte einen Podestplatz auf Platz drei liegend vier Runden vor der Zielflagge mit einem Ausritt ins Kiesbett. Der Niederländer verlor seinen Red-Bull-Boliden in einer Hochgeschwindigkeitspassage und schied aus. “Dieses Auto, unglaublich”, funkte der Vierfach-Champion unzufrieden. Das Rennen wurde daher hinter dem Safety Car beendet. Antonelli, Sieger des Sprints am Samstag, schleppte seinen “Silberpfeil” als Neunter ins Ziel, kassierte wegen mehrerer Ausritte aber eine Fünf-Sekunden-Strafe und erhielt deshalb als 16. keine Punkte.
Russell holte in WM wieder auf
In der WM-Wertung verpasste es der Mercedes-Shootingstar damit, seine Führung auszubauen. Spielberg-Sieger Russell, der im Rennen zwischendurch mit einem schleichenden Plattfuß weit zurückgeworfen worden war und sich über sein erstes Podium beim Heimrennen freute, verkürzte seinen Rückstand auf 25 Punkte – so viele gibt es für einen Rennsieg. Der Engländer fuhr nach dem Verstappen-Crash anders als Hamilton nicht in die Box, da das Rennen nicht mehr freigegeben wurde, verhinderte er damit den ersten Ferrari-Doppelsieg in Silverstone seit 2002. Hamilton liegt 32 Zähler, Leclerc als Gesamtvierter nun 71 hinter Antonelli.
“Endlich! Dieser Sieg fühlt sich besonders gut an, auch wenn ich auf ein normaleres Ende gehofft hätte”, funkte Leclerc nach der Zieldurchfahrt erleichtert. Es war sein erster Sieg seit Oktober 2024 in Austin, sein erster in Silverstone und der 250. für die Scuderia in der Formel 1. “Harte Arbeit zahlt sich aus.” Der Monegasse war von Startplatz zwei ins Rennen gegangen, führte den Grand Prix lange Zeit an und jubelte am Ende über seinen neunten GP-Triumph seiner Karriere. “Das ist ein tolles Resultat für ihn und sein Team”, gratulierte Hamilton seinem Kollegen.
Mercedes wurde einmal mehr die Zuverlässigkeit des Boliden zum Verhängnis. Teamchef Toto Wolff sprach von einem “Deja-vu”, nachdem Russell in Kanada als Führender und Antonelli in Barcelona jeweils mit technischen Problemen ausgefallen waren. “Es war der dritte Ausfall, ohne den wir ein Rennen hätten gewinnen können. So kannst du nicht um die WM fahren, wenn du 75 Punkte so leichtfertig liegenlässt”, sagte der Wiener im ORF. Der Schaden könnte entstanden sein, als Antonelli über einen hohen Kerb fuhr. “Es ist irgendwas vorne gebrochen, das darf nicht sein. Er ist nicht anders gefahren als sonst.”
Horner kehrte zurück
Vor dem Start hatte Christian Horner die Blicke im Paddock auf sich gezogen. Erstmals seit seinem Red-Bull-Aus vor fast genau einem Jahr zeigte sich der Ex-Teamchef wieder im Fahrerlager. “Ich bin jedes Jahr seit 1993 hier”, erklärte der Brite, der laufend mit einer baldigen Rückkehr in die Königsklasse in Verbindung gebracht wird, seine Anwesenheit. Den Klassiker in Silverstone beehrten wie üblich viele Zuschauer, mit insgesamt 564.000 Besuchern am ganzen Wochenende vermeldete die Formel 1 einen Allzeit-Besucherrekord.
Auch viele Prominente, darunter die englischen Fußballer Phil Foden und Jack Grealish, Schauspieler Hugh Grant und Queen-Gitarrist Brian May, waren in Silverstone zugegen. Sie alle sahen, wie die F1-Piloten vor dem Rennen mit Lego-Autos aus 28.000 Legosteinen über die Strecke fuhren. Wenig später jubelte ein Großteil der Fans, weil Pole-Setter Antonelli auf dem Weg zur ersten Kurve von den beiden Ferraris überholt wurde.
Hamilton mit Fehlstart
Einen verpatzten Start erlebte Oscar Piastri, der mit seinem McLaren wegen eines Flügelschadens ans Ende des Feldes gespült wurde. Für Spannung in der Startphase sorgte vor allem eine Untersuchung gegen Hamilton wegen eines möglichen Fehlstarts – der Silverstone-Rekordsieger (9) kassierte eine Fünf-Sekunden-Strafe. Leclerc führte das Rennen mit Respektabstand an, während Antonelli bis zur elften von 52 Runden hinter Hamilton feststeckte.
In der 22. Runde sorgte ein gelber Sonnenschirm für ein virtuelles Safety Car, wegen der Kürze aber ohne Auswirkungen auf das Renngeschehen. Hamilton wurde kurz darauf an die Box geholt und wegen seiner Strafe von Russell überholt. Die beiden Lokalmatadoren lieferten sich in der Folge einen packenden Jojo-Fight mit mehreren Überholmanövern um den letzten Podestplatz, in den auch ein mit seinen Reifen kämpfender Verstappen involviert war. Ein schleichender Plattfuß warf Russell aber zurück.
Drama vor dem Rennende
An der Spitze wechselte Antonelli seine Reifen bedeutend später als Leclerc, weshalb es in der Schlussphase eine Aufholjagd des Italieners gab. Da Nico Hülkenberg in der 39. Runde mit seinem Audi ausrollte, gab es erneut ein virtuelles Safety Car. Zehn Runden vor Rennende entfaltete sich das Antonelli-Drama: Der Mercedes-Shootingstar meldete Probleme an der Radaufhängung seines Boliden, musste zweimal an die Box und rettete sich noch ins Ziel. Die Zeitstrafe gegen sich verstand der WM-Leader nicht, zumal er seiner Meinung nach nicht abkürzte und Zeit gewann. Verstappen warf sein zweites Podium in Serie nach Spielberg indes kurz vor Schluss weg.