Dürre – Schäden für Bauern derzeit noch nicht abschätzbar

Die Dürreschäden der heimischen Landwirtschaft lassen sich laut dem Agrar-Spezialversicherer Hagelversicherung derzeit noch nicht finanziell beziffern. Man rechne mit Zahlen “Anfang nächster Woche”, hieß es von der Hagelversicherung auf APA-Anfrage. In Österreich seien rund 80 Prozent der Ackerbauern und 40 Prozent der Grünlandbetriebe gegen Dürre versichert. Die extreme Trockenheit in Österreich, die schon seit Monaten andauert, wird durch die Hitze weiter verschärft.
Nach wie vor fehlen seit Jahresbeginn laut GeoSphere Austria rund 30 Prozent auf ausgeglichene Niederschlagsverhältnisse. Damit war es in Österreich – zumindest seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts – in den ersten sieben Monaten eines Jahres nicht mehr so niederschlagsarm, hieß es kürzlich von dem staatlichen meteorologischen Dienst.
Unterstützung aus dem Katastrophenfonds gefordert
Angesichts der Ernte- und Dürreschäden werden die Rufe nach einem Maßnahmepaket für die Landwirtschaft lauter. Am Montag forderten die Milchbäuerinnen und Milchbauern des Vereins IG Milch Alarm eine Dürreausgleichzahlung von 300 Euro pro Kuh aus dem Katastrophenfonds. Laut Statistik Austria wurden Ende 2025 rund 1,8 Mio. Rinder in Österreich gehalten. Die Rekord-Trockenheit bringe die Viehwirtschaft in eine “äußerst prekäre Situation”, sagte Michael Wöckinger, Abteilungsleiter Tierhaltung in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, im Gespräch mit der APA. Viele Landwirte müssten bereits auf die Winterreserven zurückgreifen oder Vieh verkaufen, weil es an Futter – und teils auch an Wasser – mangelt. Der Preis für Kühe sinke, verkleinerte Bestände könnten auch noch in den nächsten Jahren negative Effekte nach sich ziehen.
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) versprach am Montag ein Dürre-Maßnahmepaket für die Bauern, noch ohne Details zu nennen. Die Landwirtschaftskammer drängt auf verschiedene Maßnahmen zur kurzfristigen Hilfe. Es brauche unter anderem eine bundesländerübergreifende Futtermittelbörse, eine Ausnahmeregelung für Biobetriebe, bei Nichtverfügbarkeit von Biofuttermitteln auch konventionelles Futter kaufen zu können, sowie eine Stundung der Agrarinvestitionskredite und der Sozialversicherungsbeiträge, so Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger zur APA. Es gehe um “ausgewogene, effiziente und vor allem auch politisch umsetzbare Unterstützungsmaßnahmen”.
Futtermangel wegen zu wenig Grünschnitt
Auch die Bio-Landwirtschaft drängt auf Unterstützung. “Was es jetzt braucht, ist unbürokratische Hilfe, nämlich rascher Zugang zu Futtermitteln, ohne lange Verwaltungswege”, sagte die Obfrau des Biobauernverbands Bio Austria, Barbara Riegler, auf Anfrage. Bund und Länder müssten eine Unterstützung aus dem Katastrophenfonds prüfen. Bei Bedarf könne man dies regional differenziert, so Riegler.
Der Milchverband Österreich als Interessensvertretung der Molkereien sieht ebenfalls “eine außerordentlich schwierige Situation” für die Milchbauern infolge der Dürre. Die Futterbestände seien geschrumpft und der Wasserbedarf der Rinder erhöht. “Auswirkungen am Milchmarkt sind bei einer ähnlichen Situation in mehreren produktionsstarken Milchländern der EU zu erwarten”, so Milchverband-Geschäftsführer Johann Költringer in einer Stellungnahme gegenüber der APA.
Details zur Getreideernte am Mittwoch
Wie stark die extreme Trockenheit heuer die Getreidebauern getroffen hat, wird am Mittwoch offiziell. Die Agrarmarkt Austria (AMA) gibt die geschätzte Getreide-Erntemenge (ohne Mais) bei einer Pressekonferenz bekannt. Landwirtschaftskammer-Chef Moosbrugger erwartete zuletzt eine Getreideernte wie in den Dürrejahren 2017 und 2018. Auch bei Mais, Zuckerrübe, Kartoffel, Soja, Sonnenblume und Kürbis gebe es deutliche Ernteausfälle aufgrund der extremen Trockenheit.