Dürre – Futterbestände durch Trockenheit bedroht

05.08.2026 • 11:56 Uhr

Die andauernde Trockenheit ist längst bei den landwirtschaftlichen Betrieben angekommen und sorgt auch für Probleme bei der Viehwirtschaft: Futter kann nicht wie geplant geerntet werden, die Wiesen sind teilweise verdorrt, auf den Tiroler Almen herrscht Wasserknappheit. Tirols Landwirtschaftskammerpräsident Josef Hechenberger (ÖVP) sah dadurch “die Futterbestände der Viehbauern bedroht”, wie er gegenüber der APA am Mittwoch erklärte.

Die Trockenheit und der dadurch bedingte teils frühere Almabtrieb würden dazu führen, dass die Futtervorräte über den Winter vielfach nicht ausreichen könnten. In manchen Bundesländern – wie in der Steiermark, Kärnten und Oberösterreich – müssen teilweise jetzt schon die Winterreserven verfüttert werden.

Wie viele Almen in Tirol genau betroffen waren, konnte Hechenberger nicht sagen, er habe jedoch 20 Anrufe innerhalb einer Woche von Almen aus ganz Tirol mit Problemen diesbezüglich erhalten. Viele Almen mussten mit Wasser beliefert werden oder würden den Almabtrieb fünf bis sechs Wochen vorziehen, wie auch die Tirol-Ausgabe der “Kronen Zeitung” und der ORF Tirol berichteten. Betroffen sei vor allem der Kitzbüheler Raum, das Karwendel und Osttirol. Wenn das Futter nicht ausreiche, gebe es drei Möglichkeiten: “Futter zukaufen, aber das ist nur bedingt verfügbar und sehr teuer, die Tiere zur Vermarktung bringen oder Schlachtung.”

Prekäre Situation

Indes stellte sich die Situation im Tiroler Obst- und Gemüseanbau besser dar. “Da ist die Trockenheit in dieser Ausprägung nicht spürbar”, meinte Hechenberger gegenüber dem ORF. Es sei bereits vielerorts in Bewässerungsanlagen investiert worden, wenngleich auch dort Regen dringend gebraucht werde.

Die landwirtschaftliche Produktion sei aufgrund verschiedener, globaler Krisenherde – Stichwort Klimawandel und Energiepreise – in Bedrängnis, blickte Tirols Landwirtschaftskammerpräsident sorgenvoll in die Zukunft. Die Situation mit der Trockenheit sei prekär. Wie die Situation weitergehe, sei schwer abzuschätzen, sagte der Tiroler Landwirtschaftskammerpräsident – “das hängt vom Regen ab.”

Kooperation in Kärnten gefragt

Auch in Kärnten sind zahlreiche Betriebe bereits gezwungen, Winterfutter zu verfüttern oder die Tiere vorzeitig von den Almen zu holen, weil auf den Weiden kein Futter vorhanden ist, hieß es am Mittwoch von der Landwirtschaftskammer Kärnten. Nun müsse alles daran gesetzt werden, zusätzliches Grundfutter zu gewinnen: Eine Möglichkeit sei die Zusammenarbeit zwischen viehlosen Ackerbaubetrieben und viehhaltenden Betrieben, die über die Außenstellen der Landwirtschaftskammer zusammengeführt würden. Gerade nun sei Zusammenhalt wichtig: “Dort, wo Ackerbaubetriebe Flächen oder Zwischenfrüchte für die Futternutzung zur Verfügung stellen können, sollten sie es tun”, appellierte Landwirtschaftskammer-Präsident Siegfried Huber.

Während die Getreideernte in Kärnten trotz eines sehr trockenen Frühjahrs noch einigermaßen gerettet werden konnte, sei die Situation im Grünland und bei den Herbstkulturen – wie Mais, Soja oder Kartoffeln – besorgniserregend. Der menschengemachte Klimawandel bedrohe zunehmend die Existenz bäuerlicher Betriebe, so die Landwirtschaftskammer: “Während in den 1980er-Jahren nur etwa alle zehn Jahre eine Dürre auftrat, erleben wir heute fast jedes zweite Jahr große Dürreereignisse.” Besonders betroffen seien Mittel-, Süd- und Unterkärnten, wo sich bereits deutliche Dürreschäden abzeichnen würden.

Hilferuf aus Oberösterreich

In Oberösterreich verzeichnet man im trockensten Halbjahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen Ertragsausfälle von bis zu 50 Prozent im Grünland, bei Herbstkulturen wie Mais und Soja komme es vielerorts bereits zu massiven Mindererträgen bis hin zu Totalausfällen, rechnet Landwirtschaftskammerpräsident Franz Waldenberger vor. Viele Tierhalter müssen Futter zukaufen oder Tiere verkaufen, “weil sich das Futter für den Winter schlicht nicht mehr ausgeht”. Hinzu komme der Anstieg bei Energie- und Betriebsmittelkosten, so Waldenberger. Er appelliert an die Politik: “Wir brauchen jetzt rasch spürbare nationale Hilfen entweder in Form von Entlastungen im Bereich der Sozialversicherung oder durch Direktzahlungen an die betroffenen Betriebe.”

Futtervermittlung in der Steiermark angelaufen

In der Steiermark ist die Futtervermittlung angelaufen und Betriebe, die bereits Not mit der Versorgung ihrer Tiere haben, erhalten nun Futterlieferungen, teilte die Landwirtschaftskammer Steiermark am Mittwoch mit. Die noch nie da gewesene Trockenheit und langandauernde Hitze bringe die heimischen Rinderbauern in eine dramatische Situation. Wiesen und Weiden seien zu einem erheblichen Teil verdorrt, die Ernteeinbußen bei Futter wie Heu und Silagen liegen je nach Standort bei bis zu 80 Prozent. Viele Rinderbetriebe sowie Höfe, die Pferde, Schafe, Ziegen und andere raufutterverzehrende Tiere halten, müssen offenbar jetzt schon ihre Wintervorräte verfüttern. “Die Situation ist sehr ernst. Es geht nicht nur um Ertragseinbußen, sondern um die Existenz der bäuerlichen Familienbetriebe und um die Versorgungssicherheit des Landes”, so der steirische Landwirtschaftskammerpräsident Andreas Steinegger.

Seit Wochen liefen in der Kammer gemeinsam mit den Partnern Maschinenring Steiermark, Obersteirischer Maschinenring und Bio Austria Steiermark die Vorbereitungen für die Futtervermittlung. “Die ersten Grundfutterlieferungen sind bereits auf den Betrieben mit Futtermangel angekommen – sie laufen seit einigen Tagen”, sagte Steinegger, Initiator dieser Futtermitteloffensive. Er dankte besonders jenen bäuerlichen Futtervermittlern, die in Nachbarschaftshilfe den Berufskolleginnen und Berufskollegen unkompliziert bei der Futterbeschaffung helfen.