Dutzende Tote nach Luftangriff im Sudan

11.10.2026 • 22:17 Uhr

Bei einem Luftangriff nahe der Grenze zu Ägypten sind im Sudan nach Angaben des Mediziner-Netzwerkes Sudan Doctors Network Dutzende Menschen getötet und zahlreiche verletzt worden. Ziel des Angriffs seien Goldabbaustätten gewesen, berichtete die Organisation. Demnach wurden mindestens 72 Arbeiter getötet. Eine andere Organisation, die Darfur Victims Advocacy, sprach von 200 Toten und etwa 120 Verletzten.

Den Angaben zufolge sollen ägyptische Militärflugzeuge das Abbaugebiet bombardiert haben, in dem Tausende nach Gold schürfen. Die Zahlen sowie die Vorwürfe gegen Ägypten lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Zwei Überlebende schilderten der Nachrichtenagentur AFP ihre Flucht aus der Mine. Der Arbeiter Abdelaziz Youssef sagte, gegen 20.00 Uhr am Samstagabend habe ein Kampfflugzeug fünf Mal auf die Mine gefeuert. “Viele Menschen wurden getötet”, sagte Youssef. “Aus Angst vor einem weiteren Angriff rannten wir den Berg hinauf.”

“Niemand weiß genau, wie viele getötet wurden”

Der Überlebende Sharaf Ali sagte, zum Zeitpunkt des Angriffs hätten tausende Menschen an dem abgelegenen Standort gearbeitet. “Nach dem Luftangriff liefen die Menschen auseinander”, berichtete Ali. Einige seien zum Goldmarkt Al-Ansary gelaufen, andere in die entgegengesetzte Richtung. “Deshalb weiß niemand genau, wie viele getötet wurden”, sagte Ali. Beide Überlebende sagten, sie hätten auf ihrer Flucht Leichen gesehen. Viele weitere Tote werden den Angaben zufolge unter den Trümmern der Mine vermutet.

In den sudanesischen sozialen Medien kursierten Bilder von Flugblättern, die von den ägyptischen Flugzeugen abgeworfen sein sollen. Darin war von einer Sicherheitskampagne gegen illegalen Goldabbau die Rede. Im Sudan herrscht seit dreieinhalb Jahren ein blutiger Bürgerkrieg. Das Gebiet, in dem es den Berichten zufolge Luftangriffe gab, gehört nicht zu den aktuellen Kampfgebieten.

Humanitäre Krise

Allerdings werfen Experten den Konfliktparteien vor, Einnahmen aus dem Verkauf von Bodenschätzen wie Gold zum Kauf von Waffen zu verwenden. In dem Konflikt bekriegen sich die Regierungsarmee SAF des sudanesischen De-facto-Machthabers Abdel Fattah al-Burhan und die Miliz RSF von Mohamed Hamdan Daglo. Der Krieg hat die nach UNO-Angaben schwerste humanitäre Krise weltweit mit mehr als elf Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen ausgelöst.

Im Juni hatte es schon einmal einen Angriff auf eine nicht lizenzierte Goldmine in der Region Jabal al-Uqaydat an der Grenze zu Ägypten gegeben. Dabei wurden 23 Arbeiter getötet. Der Angriff war ebenfalls Ägypten zugeschrieben worden. Die ägyptische Armee hatte damals mitgeteilt, sie habe einen “Großeinsatz” gegen illegalen Goldabbau auf ägyptischem Staatsgebiet ausgeführt. Von einem Angriff auf eine Mine sprach sie nicht.

Umstrittene Grenze

Die Grenze zwischen dem Sudan und Ägypten ist umstritten, beide Länder beanspruchen das rohstoffreiche Halaib-Dreieck für sich. Ägypten ist zugleich ein wichtiger Verbündeter der sudanesischen Armee von Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan, die seit mehr als drei Jahren gegen die RSF-Miliz seines ehemaligen Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo kämpft. In dem Krieg im drittgrößten Land Afrikas wurden bereits mehr als 200.000 Menschen getötet.