Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels an Dacia Maraini

Die Italienerin Dacia Maraini erhält heuer den Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln. Das wurde am Dienstagabend von Benedikt Föger, dem Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels, bei einem Mediengespräch bekannt gegeben. Die prominente Schriftstellerin wird am 22. November im Rahmen der Europäischen Literaturtage in Krems/Stein geehrt. Wenige Tage davor – am 13. November – feiert sie ihren 90. Geburtstag.
“Mit Dacia Maraini ehren wir 2026 eine Schriftstellerin, die der europäischen Idee durch ihr Leben und ihr Werk eine unverwechselbare Stimme gegeben hat. Geboren 1936 in Fiesole, erlebte sie als Kind Krieg, Verfolgung und Internierung in Japan, wohin ihre Familie vor dem italienischen Faschismus geflohen war. Diese Erfahrungen prägten ihr tiefes Verständnis für Freiheit, Menschenwürde und Verantwortung”, ließ Föger in einer Aussendung wissen. “In Romanen, Erzählungen, Gedichten und Theaterstücken hat sie jenen eine Stimme verliehen, die allzu oft übersehen werden: Frauen, Ausgegrenzten, Benachteiligten und den Opfern von Gewalt. Ihr großes politisches Engagement, vor allem für Frauenrechte und Gleichberechtigung, und die Thematisierung der unterschiedlichen Formen sexueller Gewalt sind in ihren Werken durch ihre außergewöhnliche Fähigkeit präsent, individuelles Schicksal und gesellschaftliche Fragen miteinander zu verbinden.”
“Maraini hat gezeigt, dass Literatur Brücken bauen kann”
Maraini sei mehr als eine herausragende Erzählerin, sondern auch eine unermüdliche Verteidigerin von Dialog, Bildung und kultureller Offenheit. “Gerade in einer Zeit neuer Spannungen in Europa steht ihr Werk für Humanität, Empathie und die Kraft des Gesprächs. Dacia Maraini hat gezeigt, dass Literatur Brücken bauen kann, wo Vorurteile Mauern errichten”, so Föger. Die Auszeichnung würdige daher “nicht nur eine große Autorin, sondern eine europäische Stimme des Respekts, der Freiheit und des friedlichen Miteinanders”.
Dacia Maraini wurde für ihr literarisches Schaffen unter anderem mit dem Premio Strega ausgezeichnet. Zu ihren zuletzt in deutscher Übersetzung im Folio Verlag erschienenen Büchern zählen “Tage im August” (im Original 1962 erschienen), “Die stumme Herzogin” (1990 im Original) sowie der Bericht über ihre Kindheit in einem japanischen Internierungslager “Ein halber Löffel Reis” (2023).
Der Ehrenpreis wird seit 1990 an Personen vergeben, “die sich in ihrem Werk und durch ihr Engagement für Toleranz in Bezug auf sprachliche sowie kulturelle Vielfalt in herausragender Art und Weise eingesetzt haben und somit einen Beitrag zu einem friedlichen Miteinander in Europa geleistet haben”. Der Preis wurde erstmals 1990 an Milo Dor vergeben. In den vergangenen Jahren ging die Auszeichnung an Doron Rabinovici, Elif Shafak, Ilija Trojanow, Francesca Melandri, A.L. Kennedy, Navid Kermani, Miljenko Jergović, Philippe Sands, David Grossman und Eva Menasse.