Ein mäßig überzeugender “Vogelhändler” in Baden

Mit Carl Zellers Operette “Der Vogelhändler” hat die Bühne Baden am Freitagabend eine Jubiläumssaison begonnen: Die historische Spielstätte ist 120 Jahre alt. Der Abend stand unter keinem optimalen Stern, war witterungsbedingt schweißtreibend und zu lang geraten, bot allerdings eine respektable Ensembleleistung. Allerdings wummerten just am Premierenabend die Partyklänge der “Fete blanche” vom Kurpark in die Sommerarena. Für Publikum wie Mitwirkende eine Zumutung.
Eigentlich hätte Michael Lakner, bis 2025 künstlerischer Leiter der Bühne Baden, das Stück inszenieren sollen, er musste die Regie aber verletzungsbedingt zurücklegen. Sein Konzept haben der Choreograf Francesc Abos und Regieassistentin Barbara Spitzer weitergeführt, die Handlung spielt in Baden, neue Perspektiven wurden gesucht – nicht unbedingt immer mit glücklicher Hand. Die Idee etwa, zwei quasselnde Social-Media-Gesellschaftsreporterinnen einzubauen, deren Quintessenz lautet, dass die Operette ja doch geil sei, scheint mehr als entbehrlich.
Überzeugendes Ensemble
Geil war an dieser Produktion überhaupt eher wenig. In Baden wird die Operette auch weiterhin nicht neu erfunden. Das muss auch nicht sein. Immerhin überzeugt Clemens Kerschbaumer in der Titelpartie, Verena Tranker ist eine adrette, auch stimmlich sichere Christel von der Post. Oliver Baier liefert als Baronin Adelaide eine amüsante Kostümklamotte, Andreas Lichtenberger verleiht dem durchtriebenen Baron Weps sarkastische Facetten, Ricardo Wenzel Baudisch gibt den windigen Stanislaus, Natalia Ushakova als Fürstin ist die Diva Natalia Ushakova. Beppo Binder als Stadtrat zählt einmal mehr zu den verlässlichen Stützen des Ensembles.
Optisch sehr gelungen sind die wechselnden Kostüme (Friederike Friedrich). Die Bühne (Stephan Prattes) vermittelt mit Kunstrasen und Pflanzenimitaten ein artifizielles Bild von Natur, wie auch den Bühnenfiguren in ihrem anachronistischen Charme etwas Künstliches anhaftet. Das Regie-Duo war sichtlich bemüht, ihnen Leben und Komödiantik einzuhauchen.
Vor der Vorstellung tauschten Intendant Andreas Gergen und Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) auf offener Bühne freundliche Worte aus. Die beschlossene Auflösung des Orchesters der Bühne Baden, das an diesem Abend unter der Leitung von Michael Zehetner nicht aus dem Orchestergraben, sondern im Bühnenhintergrund solide musizierte, war dabei kein Thema.
(Von Ewald Baringer/APA)
(S E R V I C E – “Der Vogelhändler”, Operette von Carl Zeller in der Sommerarena Baden, Inszenierung: Francesc Abós, Barbara Spitzer; Musikalische Leitung: Michael Zehetner; Choreografie: Francesc Abós; Bühne: Stephan Prattes; Kostüme: Friederike Friedrich; Besetzung: Clemens Kerschbaumer (Adam), Verena Tranker (Christel), Natalia Ushakova (Fürstin Hohenfels), Oliver Baier (Baronin Adelaide), Andreas Lichtenberger (Baron Weps), Ricardo Frenzel Baudisch (Graf Stanislaus), Beppo Binder (Stadtrat Hofreiter); Vorstellungen bis 27. August; )