Eisenbahner eröffneten Herbstlohnrunde
Die Eisenbahner und nicht wie traditionell die Metaller haben am Montagnachmittag die Herbstlohnrunde eröffnet, weil sich die Sozialpartner im Vorjahr auf einen zweijährigen “Krisenabschluss” für die Metallbranche geeinigt haben. Der Eisenbahn-Kollektivvertrag gilt für 55.000 Beschäftigte in insgesamt 98 österreichischen Eisenbahnunternehmen. Im Vorfeld hat die Gewerkschaft vida eine Inflationsabgeltung und ein Reallohnplus gefordert.
“Wer etwas leistet, muss anständig bezahlt werden”, sagte vida-Chef Roman Hebenstreit im Vorfeld der Bahn-KV-Verhandlungen. vida-Fachbereichsvorsitzender Gerhard Tauchner fordert am Montag im Ö1-“Morgenjournal” im Hinblick auf die KV-Runde längere Ruhezeiten in der Bahnbranche. “Die Bahn fährt Rekorde ein und die Bahnbranche boomt”, ergänzte Tauchner am Abend in einer Stellungnahme. “Das muss sich auch bei den Gehältern der Beschäftigten zeigen.” Darüber hinaus brauche es klare Wettbewerbsbedingungen und gleiche Regeln für alle Bahnen.
Konstruktive Gespräche
Bei den Verhandlungen stehe vor allem das komplexe Rahmenrecht bei den Eisenbahnunternehmen im Mittelpunkt, teilte der WKO-Fachverband Schienenbahnen mit. Änderungen müssten daher monetär bewertet werden. Zudem belasten die stark gestiegenen Strom- und Energiepreise die Unternehmen entsprechend. “Der Abschluss muss für die Unternehmen wirtschaftlich tragbar sein”, so Thomas Scheiber, Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite. Man wolle einen “maßvollen Abschluss”, sagte er zuvor im ORF-Radio. Sowohl Arbeitgeber als auch Gewerkschaft betonten, dass beide Seiten konstruktiv in die Gespräche gegangen sind.
Auch wenn die Metallbranche heuer nicht verhandelt, kann der Metaller-Zweijahresabschluss für den Wifo-Ökonom Benjamin Bittschi ein Signal für die Herbstlohnrunde sein. Die KV-Löhne in der Metallindustrie steigen 2026/27 um 2,1 Prozent, die Ist-Löhne um 1,9 Prozent – bei einer durchschnittlichen Inflation der vergangenen zwölf Monate (September 2025 bis August 2026) von 3,3 Prozent.
KV-Verhandlungen im Herbst auch für Bewachung, Bus, Handel und Lkw
Neben den Eisenbahnern beginnt die vida demnächst auch in den Branchen Handel (Arbeiter), Bus, Lkw und Bewachung mit der Herbstlohnrunde. Als Basis für das Feilschen um mehr Lohn und Gehalt gilt im heurigen Herbst die rollierende Inflation der vergangenen zwölf Monate von über drei Prozent. Bei den Handelsarbeitern lagen die KV-Abschlüsse in den vergangenen zwei Jahren unter der rollierenden Inflation. “Diese Krisenabschlüsse haben die Lebensmittel nicht billiger, aber die Beschäftigten ärmer gemacht”, kritisierte Hebenstreit zuletzt.
In vielen Branchen, die im Herbst einen neuen Kollektivvertrag verhandeln, konnte das Lohnplus seit 2019 laut Momentum Institut nicht mit der Teuerung mithalten. Am stärksten würden die Löhne der Teuerung bei den Eisenbahnern hinterherhinken mit einem Kaufkraftverlust von 1,8 Prozent, gefolgt von der IT mit 1,6 Prozent und dem Handel mit 1,3 Prozent, geht aus Berechnungen des gewerkschaftsnahen Instituts hervor. Handwerk und Gewerbe hätten nur einen leichten Realeinkommensverlust von 0,3 Prozent verzeichnet. Ein leichtes Reallohnplus habe es in der Güterbeförderung (Lkw, Kleintransporte) mit 0,3 Prozent gegeben.