Elektroschock-Handschuhe für ICE: US-Demokraten besorgt

Pläne für eine Anschaffung von Elektroschock-Handschuhen für die umstrittene US-Einwanderungsbehörde ICE haben bei US-Demokraten Empörung und Angst vor Missbrauch ausgelöst. “Als wäre es nicht genug, Menschen anzugreifen und auf offener Straße niederzuschießen”, kritisierte der demokratische Abgeordnete Maxwell Frost. “Jetzt kaufen sie für 20 Millionen Dollar eurer Steuergelder schmerzhafte Elektroschock-Handschuhe für ihre maskierten, gesetzlosen Schläger.”
“ICE muss gestoppt werden”, fügte Frost im Onlinedienst X hinzu. Die US-Einwanderungsbehörde soll im Auftrag von Präsident Donald Trump Millionen Migrantinnen und Migranten ohne gültige Papiere aufspüren und abschieben. Die Mitarbeiter gehen dabei häufig gewaltsam vor, allein im Juli erschossen sie einen Mexikaner und einen Kolumbianer in ihren Autos. Anfang des Jahres erschossen Einsatzkräfte bei Anti-ICE-Protesten im Bundesstaat Minnesota zwei US-Bürger.
Nun sollen die Trupps Handschuhe bekommen, die per Knopfdruck aktiviert werden können und beim Kontakt mit der Haut eines anderen Menschen Elektroschocks abgeben. Das US-Heimatschutzministerium plant Ausgaben von zehn bis 20 Millionen US-Dollar (etwa 8,65 bis 17,3 Millionen Euro) für die Handschuhe. Das Ministerium spricht von Ausrüstung zur “Ablenkung und Deeskalation”.
“Polizisten stärken und schützen”
Die Handschuhe laufen unter dem Namen G.L.O.V.E. (Generated Low Voltage Output Emitter), dem englischen Wort für Handschuh. Der Hersteller Compliant Technologies aus dem US-Bundesstaat Kentucky wirbt mit “hochmodernen nicht tödlichen Werkzeugen”, die Polizisten “stärken und schützen”.
Ein Elektroschock aus einem solchen Handschuh ist weniger stark als der eines Tasers. Das US-Heimatschutzministerium teilte mit, solche Anschaffungsentscheidungen würden “angemessen überprüft”, um sicherzustellen, dass die von ICE-Mitarbeitern genutzten Technologien im Einklang mit geltenden Standards stehen.
Der ehemalige ICE-Chef John Sandweg äußerte Bedenken. “Diese – zugegebenermaßen nicht tödliche – Technologie einzusetzen, in einer Zeit, in der wir nicht wirklich daran interessiert sind, die Beamten auch für die Nutzung dieser Technologie zu schulen, ist wirklich besorgniserregend”, sagte er im Interview mit dem US-Sender MS Now. Kritiker äußern immer wieder den Vorwurf, die ICE-Mitarbeiter würden ohne nennenswerte Ausbildung losgeschickt.
“Es braucht keine große Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie diese Technologie gegen eine Mutter eingesetzt wird, die auch nur den kleinsten Widerstand leistet, weil sie von ihren Kindern getrennt wird”, sagte Sandweg weiter. “Es ist zu einfach, sie gegen Einwohner zu missbrauchen, die keine Bedrohung darstellen.” Sandweg war 2013 und 2014 kurzzeitig ICE-Chef unter dem demokratischen Präsidenten Barack Obama.
“Gefährliches Werkzeug”
“ICE hat schon Rechtsbeobachter, Demonstranten und ganz normale Menschen ins Visier genommen, die auf dem Weg zur Arbeit waren oder ihr Kind zur Schule gebracht haben”, kritisierte auch die demokratische Abgeordnete Pramila Jayapal. Die Elektroschock-Handschuhe “schützen niemanden und geben ICE in Wirklichkeit ein weiteres gefährliches Werkzeug, um auf Bürger sowie Immigranten zu zielen”.
Allein im Juli nahmen ICE-Mitarbeiter in den USA laut US-Medien mehr als 51.000 Menschen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen die Einwanderungsregeln fest. Es waren die meisten Festnahmen in einem Monat seit Trumps Amtsantritt im Jänner 2025.
Neben den Schüssen auf offener Straße sind Zahlen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge seit Januar vergangenen Jahres 52 Menschen in ICE-Gewahrsam ums Leben gekommen, sieben davon waren Suizide. Viele Todesfälle waren demnach auf eine unzureichende medizinische Versorgung zurückzuführen.
Bürgerrechtsorganisation reichte mehr als 50 Beschwerden gegen ICE ein
Die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union hat nach eigenen Angaben mehr als 50 Beschwerden bei der US-Regierung gegen die Einwanderungsbehörde eingereicht. Die Organisation vertritt demnach Menschen und Familien aus 17 US-Bundesstaaten sowie der Hauptstadt Washington, die mutmaßlich von ICE-Mitarbeitern verletzt wurden.
Bereits Mitte Juli hatte ICE für Aufsehen gesorgt, als ein Plan zur Anschaffung von Bodycams bekanntgegeben wurde. Auch hierfür wurde ein Budget von zehn bis 20 Millionen US-Dollar eingeplant. Zwar sollen die Kameras, die am Körper der Einsatzkräfte befestigt werden, ihre Vorgehensweisen bei Einsätzen dokumentieren. Kritiker stellten allerdings infrage, ob das Heimatschutzministerium in für Bundesbeamte brisanten Fällen tatsächlich das Videomaterial veröffentlichen würde.