“Elisabeth II.” von Thomas Bernhard begeisterte in Gmunden

04.07.2026 • 10:56 Uhr
"Elisabeth II." von Thomas Bernhard begeisterte in Gmunden

Es geht um Machtgefälle, Provokation oder um Angst vor dem Tod – und wie gewohnt um das Befreiende an ausufernden, poetischen Schimpftiraden: der pure Thomas Bernhard. Mit dessen vorletztem Stück “Elisabeth II – Keine Komödie” zeigten die Salzkammergut Festwochen in Gmunden am Freitag eine eindrucksvolle Premiere, vor allem aber grandiose Schauspielleistungen – stehender Applaus und langer Bravo-Jubel inklusive.

Eine karg-schwarze, minimalistische Bühne konzentrierte die Aufmerksamkeit auf die vier Darsteller. Allen voran fesselte die Hauptfigur des Herrenstein (Sven-Eric Bechtolf) mit seinen misanthropischen Monologen den Zuseher über das gesamte Stück hinweg. Flankiert war er von seinem Diener Richard (Christian Higer) und der Haushaltshilfe Fräulein Zallinger (Gunda Schanderer) sowie gegen Ende vom Nachbarn (Lutz Zeidler).

Alter, kranker Mann

Der 87-jährige Herrenstein erwartet Gäste, die sich vom Balkon seines Salons am Opernring den Besuch der englischen Königin Elisabeth in Wien ansehen wollen. Ursprünglich hatte er nur seinen Neffen eingeladen. Dass jetzt zwanzig, dreißig, vierzig Bekannte kommen sollen, bedrückt den Hausherrn im Speziellen. Doch im Laufe des Vormittags fasst Herrenstein alle Widrigkeiten, Ängste und Böswilligkeiten des Daseins als alter, kranker Mann in Sprache, die an kaum etwas ein gutes Haar lässt.

Zum dritten Mal kooperiert die Gmundner Sommerproduktion mit dem Landestheater Linz. Für die Inszenierung zeichnet Schauspieldirektor David Bösch verantwortlich, der mit seiner Regie über weite Strecken die Schauspieler agieren lässt und behutsam vor allem das Machtgefüge zwischen den handelnden Personen auslotet. Denn die Böswilligkeiten des Waffenhändlers Herrenstein beziehen sich nicht nur sprachlich auf Gott und die Welt, sondern entladen sich auch physisch am Diener Richard als wichtigste Bezugsperson und an Fräulein Zallinger als psychologische Ungeheuerlichkeiten.

Wesentliches aus dem Thomas-Bernhard-Repertoire

Thomas Bernhard hat “Elisabeth II – Keine Komödie” 1987 geschrieben und konnte die Uraufführung selbst nicht mehr sehen. Es gilt als eine Art Vermächtnis und enthält vieles von dem, was er in früheren Werken verwendet hatte. Das Publikum begegnet etwa wieder dem Ohrensessel, aber natürlich auch den provokativen, nie ganz aus der Luft gegriffenen Tiraden auf vieles, was manchem lieb und teuer ist. Dass in dieser Aufführung mehrfach das Salzkammergut mit seinen berühmten Orten durch den Bernhard-typischen Kakao gezogen wird, amüsierte das Sommerpublikum am Traunsee. Doch auch das Theater selbst, die Künstler oder klassische Komponisten bekommen Herrensteins polemisches Unbehagen zu spüren.

Trotz des Titels bringen sowohl der Text als auch die Inszenierung viel Witz mit. Die Aufführung bewegt sich zwischen absurd-groteskem, manchmal auch feinsinnigem Humor und existenzieller Tragödie mit überraschendem Ende. Vor allem das Schauspiel von Hauptdarsteller Sven-Eric Bechtolf riss das Publikum mit. Der diesjährige Höhepunkt des Thomas-Bernhard-Schwerpunktes der Salzkammergut Festwochen, dessen Schauspiel heuer zum letzten Mal unter der Leitung von Karin Bergmann steht, wird ab Herbst am Linzer Landestheater in den Spielplan aufgenommen. Karin Bergmann dagegen ist bekanntlich zu einem anderen Festival gewechselt. In wenigen Tagen beginnen die ersten Salzburger Festspiele mit ihr als Intendantin.

(Von Bernhard Steinmaurer/APA)

(S E R V I C E – “Elisabeth II. – Keine Komödie” von Thomas Bernhard, Inszenierung: David Bösch, Bühnenbild: Patrick Bannwart, Kostüme: Bianca Stummer, mit Sven-Eric Bechtolf, Christian Higer, Gunda Schanderer, Lutz Zeidler. Weitere Vorstellungen am Stadttheater Gmunden am 4. und 5. Juli um 19.30 Uhr, Premiere im Landestheater Linz am 11. Oktober. )