Ermittlung gegen fünf Personen nach Teileinsturz von Gericht

Nach dem Teileinsturz des Gerichtsgebäudes in Südtirols Landeshauptstadt Bozen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen fünf Personen wegen des Verdachts auf fahrlässigen Einsturz von Bauwerken bekanntgegeben. Um wen es sich bei den Verdächtigten handelt, wurde nicht bekanntgegeben. Die Beschuldigten hätten die in ihrem Besitz befindlichen Unterlagen zu den Arbeiten jedoch bereits freiwillig übergeben, berichteten Südtiroler Medien am Dienstag.
Darüber hinaus informierte die Anklagebehörde, dass weitere technische Untersuchungen zur Ursachenklärung des Einsturzes “im Gange” seien. Ebenso wurde ein technischer Sachverständiger “mit einem ersten Gutachtenauftrag” betraut und der vom Einsturz betroffene mittlere Gebäudeteil beschlagnahmt.
An den Überresten des Gebäudes waren zudem Sensoren angebracht worden, die Auskunft über den Materialverschleiß geben würden. Ein Gerüst werde den restlichen Justizpalast künftig stabilisieren.
Übersiedlung steht bevor
Vorab war bereits die zeitnahe Übersiedlung des Landesgerichts und der Staatsanwaltschaft beschlossen worden. Ab 17. August werde die Staatsanwaltschaft in Räumlichkeiten der Fruitservice GmbH in die Südtiroler Straße 50 ziehen. Die Staatsanwaltschaft hingegen übersiedele in ein Gebäude in der Rittner Straße 13, welches dem Raiffeisenverband Südtirol gehöre. “Das Land verfügt derzeit über keine freien eigenen Immobilien, die rund 8.000 Quadratmeter Bürofläche bereitstellen könnten. Die Anmietung dieser Räumlichkeiten ist daher eine konkrete Notwendigkeit”, erklärte der zuständige Landesrat Christian Bianchi (Forza Italia) die Gründe für die Anmietung. Beide Mietverträge liefen laut Rai über sechs Jahre. Dafür würden insgesamt 17,8 Millionen Euro an Mietkosten anfallen.
Teil des Gebäudes eingestürzt
Mindestens ein Viertel des Justizpalasts war am 16. Juli kurz nach 6.20 Uhr plötzlich in sich zusammengefallen. Der aus vier Stockwerken bestehende mittlere Gebäudeteil mit Verhandlungssälen stürzte ein. Im Bereich hinter den Säulengängen des Landesgerichts klaffte ein Loch, Steine und Gebäudeteile lagen am Platz. Glück im Unglück: Im Gebäude befanden sich “nur” sechs Mitarbeiter einer Reinigungsfirma, von denen eine Frau von einem herabstürzenden Gebäudeteil getroffen und leicht verletzt wurde. Gerichtspersonal bzw. Mitarbeiter waren zu der Uhrzeit nicht zugegen. Rund 150 arbeiten normalerweise im Gerichtsgebäude.