EU-Indien-Pakt könnte Industrie 650 Mio. Euro bringen

HEUTE • 09:30 Uhr

Das kürzlich vereinbarte Handelsabkommen zwischen der EU und Indien könnte für die österreichische Industrie einen Wachstumsschub bedeuten. Einer aktuellen Analyse der UniCredit Bank Austria zufolge würde der Wegfall von Zöllen und Handelsbarrieren die heimische Wertschöpfung aus dem Indien-Geschäft mittelfristig verdoppeln. Die Ökonomen rechnen mit einer zusätzlichen jährlichen Wertschöpfung von rund 650 Mio. Euro sowie 5.000 neuen Industriearbeitsplätzen.

Die EU und Indien haben sich am 27. Jänner 2026 auf den umfassenden Vertrag verständigt. Für Österreichs Exporteure ist Indien mit seinen 1,4 Milliarden Menschen ein Zukunftsmarkt mit enormem Potenzial.

Unterschied zwischen Umsatz und Wertschöpfung

Die Analyse unterscheidet präzise zwischen dem reinen Exportvolumen und der im Land verbleibenden Wertschöpfung. Im Jahr 2024 exportierte Österreich Waren im Wert von 1,3 Mrd. Euro auf den Subkontinent. Davon verblieben laut OECD-Daten rund 650 Mio. Euro als tatsächliche industrielle Wertschöpfung in Österreich.

Die Bank Austria hält aufgrund der österreichischen Stärkefelder eine Verdoppelung der Ausfuhren für ein realistisches Szenario. Dies würde bedeuten, dass zur bestehenden Wertschöpfung weitere 650 Mio. Euro hinzukommen.

Industrie-Hochburgen profitieren am stärksten

Regional betrachtet sind die Unterschiede groß. Oberösterreich ist nicht nur beim Exportvolumen (445 Mio. Euro) führend, sondern erzielt daraus aktuell auch die höchste Wertschöpfung mit 220 Mio. Euro. Durch das Abkommen könnte dieser Wert auf 450 Mio. Euro steigen.

Ähnlich stark profitiert die Steiermark: Die derzeitige Indien-Wertschöpfung von 120 Mio. Euro könnte sich auf 250 Mio. Euro mehr als verdoppeln. Auch Vorarlberg würde seinen Anteil an der Wertschöpfung von derzeit 70 Mio. auf 150 Mio. Euro deutlich ausbauen.

Zölle kosten Wirtschaft derzeit 160 Mio. Euro

Bisher bremsen hohe Einfuhrzölle den Warenverkehr. Die durchschnittliche Zollbelastung für österreichische Produkte liegt bei über 12 Prozent, was die heimische Wirtschaft 2024 rund 160 Mio. Euro kostete. “Der Wegfall dieser Belastungen wäre für viele heimische Industriebetriebe ein klarer Impuls, insbesondere in den technologieintensiven Branchen”, erklärte Robert Schwarz, Ökonom der Bank Austria. Besonders betroffen von den Hürden sind der Maschinenbau, die Elektronikbranche sowie die KFZ-Industrie.

5.000 neue Jobs erwartet

Der erwartete Exportboom dürfte sich direkt auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Derzeit hängen bereits rund 5.000 heimische Industriearbeitsplätze an der Nachfrage aus Indien. Bei einer Verdoppelung der Exporte rechnet Ökonom Schwarz mit einem ebensolchen Zuwachs an Jobs.

Den Löwenanteil der neuen Stellen würde Oberösterreich mit einem Plus von 1.800 Arbeitsplätzen verzeichnen, gefolgt von der Steiermark mit 1.000 neuen Jobs. In Vorarlberg, Niederösterreich und Tirol dürften jeweils rund 500 neue Stellen entstehen.