EU-Klimaziele kosten Österreichs Autozulieferer Milliarden

Die österreichische Autozulieferindustrie zählt zu den großen Verlierern der EU-Klimaziele. Selbst die derzeit diskutierte Abschwächung der EU-Ziele würde hierzulande zu Einbußen in Höhe von 13 Mrd. Euro führen, geht aus einer Studie des deutschen Fraunhofer-Instituts hervor. Selbst weitere Zugeständnisse für Verbrennungsmotoren würden die Einbußen nicht verhindern. Aber zumindest gebe es mehr Raum für industriepolitische und wettbewerbsfördernde Maßnahmen, so das Institut.
Geht es nach der aktuellen EU-Gesetzgebung, dürfen ab 2035 ausschließlich batteriebetriebene Fahrzeuge neu zugelassen werden. Für Hersteller von Komponenten für den Antriebsstrang wäre dies die maximale Belastung. Aber selbst das derzeit in Brüssel diskutierte Szenario mit einer CO2-Reduktion um 90 Prozent würde die heimische Zulieferindustrie massiv belasten. Denn damit läge der Anteil der konventionellen und Plug-in-Fahrzeuge im Jahr 2035 bei rund 10 Prozent und 2040 bei rund 5 Prozent. Mit einem Wertschöpfungsverlust von 13 Mrd. Euro komme dann die heimische Zulieferindustrie auf Einbußen von 94 Prozent. Deutschlands Zulieferer wären mit einem Rückgang um 64 Prozent betroffen, Frankreich mit 73 Prozent und Italien mit 90 Prozent.
“Für einen Standort, an dem jeder zwölfte Arbeitsplatz direkt oder indirekt von der Fahrzeugindustrie abhängt, hätte das weitreichenden Folgen für Beschäftigung, Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand”, kommentierte Harald Gottsche, CEO des BMW Werkes Steyr, die Studie. “Wir brauchen jetzt technologieoffene Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und einen klaren Fokus auf Wettbewerbsfähigkeit.”
Anrechnung von umweltfreundlichen Materialien und Treibstoffen
Die hohen Wertschöpfungseinbußen für die heimische Zulieferindustrie können nur abgeschwächt werden, wenn das derzeit diskutierte Modell umgesetzt und dabei erneuerbare Kraftstoffe und CO2-reduzierte Materialien eingerechnet werden, geht aus der Studie hervor.
“Wenn Österreichs Autoindustrie unter den derzeitigen europäischen Rahmenbedingungen stärker unter Druck gerät als jene in anderen europäischen Ländern, dann ist Wegschauen keine Option”, sagte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). “Wer Arbeitsplätze sichern will, muss jetzt für echte Technologieoffenheit und für den Industriestandort Europa einstehen.”
Energiekosten und Bürokratie als Hemmnisse
Allerdings sieht das Fraunhofer-Institut noch weitere Möglichkeiten, das Krisenszenario für die heimische Zulieferindustrie abzuwenden: So könnte die Wertschöpfung in Europa bis zum Jahr 2030 um 45 Mrd. Euro gesteigert werden, “wenn gezielte Maßnahmen zur Generierung von Innovationen beim Antriebsstrang sowie dessen Produktion verfolgt werden”. Dies verlange jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen, Investitionssicherheit und einen koordinierten Hochlauf der Wertschöpfungsketten bei Materialien bzw. Kraftstoffen.
Noch mehr brächten der Studie zufolge bessere Standortbedingungen wie wettbewerbsfähige Energiekosten und Bürokratieabbau. Bis zum Jahr 2030 könnte die Wertschöpfung um rund 90 Mrd. Euro und bis zum Jahr 2035 um rund 200 Mrd. Euro gesteigert werden.
“Gerade für einen hochindustrialisierten Standort wie Österreich braucht es Rahmenbedingungen, die Wertschöpfung, Innovation und Beschäftigung sichern”, merkte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), dazu an. “Industriepolitische Entscheidungen müssen Investitionen ermöglichen und den Standort langfristig stärken – nicht einzelne Technologien bevorzugen oder ausschließen”.
Mobilität im Wandel
Allerdings könne der Wandel in der Mobilität damit nicht aufgehalten werden: “Zukünftig werden Software Defined Vehicles, automatisiertes Fahren, digitale Plattformen und die daraus entstehenden Datenökonomien erhebliche Wertschöpfungsquellen darstellen, während klassische Antriebsstrangbestandteile an Bedeutung verlieren”, heißt es dazu in der Studie.
Trotz der vorhersehbaren Veränderung in der Mobilität hat sich das Institut zwei weitere Szenarien angesehen: Beim Szenario 3 sinkt der Anteil von konventionellen sowie von Hybrid-Fahrzeugen im Jahr 2030 auf rund 30 Prozent und 2040 auf rund 20 Prozent. Damit würden die Verluste verzögert, aber nicht strukturell verhindert, geht aus der Studie hervor. Sollte der Anteil konventioneller und Plug-in Hybridfahrzeuge im Jahr 2030 bei rund 65 Prozent und 2040 bei rund 40 Prozent liegen, sei es für die Zulieferindustrie für konventionelle Fahrzeuge der relativ günstigste Weg.