EU-Kommissionschefin kritisiert Feierlichkeiten für Mladi?

08.09.2026 • 10:37 Uhr
EU-Kommissionschefin kritisiert Feierlichkeiten für Mladi?

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich “schockiert” über die Bilder von den großen Feierlichkeiten bei der Beerdigung des verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Belgrad geäußert. “Er war verantwortlich für Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Er starb, während er eine lebenslange Haftstrafe für den Völkermord von Srebrenica und andere Verbrechen verbüßte”, schrieb sie am Dienstag auf der Online-Plattform X.

Dass es offizielle Unterstützung für die Beerdigung gegeben habe und einige hochrangige serbische Beamte bei der Beerdigung anwesend gewesen seien, sei “zutiefst bedauerlich”, fügte von der Leyen hinzu. Dies widerspreche den Werten, die für Serbiens Weg in die EU nötig seien.

Hintergrund ist, dass Serbien EU-Beitrittskandidat ist. Die Verhandlungen stocken jedoch seit Jahren, weil der nationalistischen Regierung in Belgrad immer wieder Verstöße gegen Grundwerte der EU vorgeworfen werden. Zudem pflegt sie enge engere Beziehungen zu Russland und China, was in Brüssel und Berlin Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Beitrittsbemühungen aufgeworfen hat.

Des Völkermordes für schuldig befunden

Mladić war Ende August im Alter von 80 Jahren in der Haft gestorben. Der bosnisch-serbische General war vom Internationalen Strafgerichtshof der Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermordes für seine Rolle beim Massaker von Srebrenica 1995 für schuldig befunden worden. Dort waren etwa 8.000 muslimische Männer und Burschen getötet worden, nachdem bosnisch-serbische Truppen die von der UNO als Schutzzone ausgewiesene Siedlung eingenommen hatten. Er wurde zudem wegen der jahrelangen Belagerung von Sarajevo verurteilt, bei der etwa 10.000 Menschen getötet wurden. “Unsere Gedanken sind bei allen Opfern der Verbrechen, die in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens begangen wurden”, schrieb von der Leyen.

Mladićs Sarg wurde am Montag auf einem Friedhof bei Belgrad beigesetzt. Tausende Serben, darunter bewaffnete Soldaten in Tarnuniform und Priester der serbisch-orthodoxen Kirche, nahmen daran teil. Es war eine der größten öffentlichen Trauerfeiern in Serbien seit dem Fall des Kommunismus im Jahr 1990 und dem folgenden Zerfall Jugoslawiens.