Fatih Akins “Geister” eröffneten Festival von San Sebastián

18.09.2026 • 22:22 Uhr
Fatih Akins "Geister" eröffneten Festival von San Sebastián

Mit der Weltpremiere von Fatih Akins neuem Film “Geister” startete am Freitagabend auf dem 74. Internationalen Filmfestival von San Sebastián offiziell das Rennen um die Goldene Muschel. Das Festival, auf dem wieder zahlreiche Hollywood-Stars wie Brad Pitt, Naomi Watts, Penélope Cruz oder Rami Malek erwartet werden, gehört mit Cannes, Venedig und Berlin zu den wichtigsten der Welt.

Der deutsch-türkische Regisseur, der 2004 mit “Gegen die Wand” den Goldenen Bären bei der Berlinale gewann, erzählt in “Geister” (Kinostart: 5. November) die Geschichte zweier junger Menschen, deren Liebe den Tod überdauert.

Farasha und Faris sind 20 Jahre alt, als sie sich auf einer Matura-Abschlussfeier kennenlernen. Noch in derselben Nacht stirbt Farasha. Doch sie weigert sich, sich von Faris zu verabschieden. 40 Nächte lang kann sie ihn in seinen Träumen besuchen. Dort setzt sich ihre Liebesgeschichte fort, wobei zunehmend die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen.

Film als “Heilungsprozess”

Für den Regisseur war es ein sehr persönliches Projekt, mit dem er selber viel darüber lernte, wie man mit Trauer und dem Tod eines nahen Menschen umgehen kann. Konkret spielte Akin dabei auf seinen vor fünf Jahren verstorbenen Vater an. “Dieser Film ist ein Heilungsprozess. Kino kann ein heilender Prozess sein, nicht nur Unterhaltung”, erklärte der Regisseur in San Sebastián.

Die visuelle Qualität des in Schwarz-Weiß gehaltenen Films, der vor allem für Aufmerksamkeit unter jungen Zuschauern sorgen dürfte, steht außer Frage. Dennoch erscheint das eigentlich für Fatih Akin eher untypische Werk streckenweise überladen und dramaturgisch wenig geschlossen.

Goldene Muschel wird am 26. September vergeben

Ob sich die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Liebe, Trauer, Tod und Loslassen tatsächlich bei der Jury unter Vorsitz des US-amerikanischen Filmemachers Ira Sachs behaupten kann, bleibt abzuwarten. Heuer bewerben sich 17 Festivalbeiträge interessanter Newcomer und renommierter Regisseure wie Mike Leigh, Pablo Larraín, Nicole Garcia oder Hans Petter Moland um die Goldene Muschel, die am 26. September in der nordspanischen Küstenstadt vergeben wird.

Werner Herzog und Paul Thomas Anderson ausgezeichnet

Werner Herzog und Paul Thomas Anderson haben ihre Preise unterdessen bereits erhalten. Auf der feierlichen Eröffnungsgala im Kursaal wurde der deutsche Kult-Regisseur mit dem Festivalehrenpreis für seine Filmkarriere gewürdigt. Der 84-jährige Münchner gehört zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Kinos. In seiner fast 60-jährigen Karriere drehte er rund 80 Filme, unter anderem “Aguirre, der Zorn Gottes” und “Fitzcarraldo” mit Klaus Kinski.

In San Sebastián stellte Herzog seinen neuen Spielfilm “Bucking Fastards” mit Orlando Bloom vor, der ihm auch den “Donostia”-Ehrenpreis überreichte. Der Film erzählt die ungewöhnliche Geschichte von Zwillingsschwestern, deren außergewöhnliche Verbindung sie dazu bringt, gleichzeitig zu sprechen, denselben Mann zu lieben und dieselben Träume zu teilen. In den Hauptrollen sind Rooney Mara, Kate Mara, Orlando Bloom und Domhnall Gleeson zu sehen.

Herzog erklärte, stolz zu sein, nun zu jener Gruppe großer Schauspieler und Regisseuren zu gehören, die den Preis bereits erhalten haben. Er wolle den Preis aber nicht zum Anlass nehmen, auf seine Vergangenheit zurückzublicken. “Ich lebe im Jetzt und Heute und habe noch viele Projekte vor mir”, versicherte der 84-jährige Filmemacher. Er habe zwar bereits den nächsten Film fast fertig und arbeite an zwei Büchern, aber man müsse auch ein Leben außerhalb des Kinos führen – etwa einkaufen, kochen oder Freunde treffen. “Ich bin kein Workaholic”, so Herzog.

Auf der feierlichen Eröffnungsfeier wurde auch Paul Thomas Andersons “One Battle After Another” mit Leonardo DiCaprio vom internationalen Filmkritikerverband FIPRESCI mit dem FIPRESCI Grand Prix als besten Film des Jahres ausgezeichnet. Die Politikkomödie erhielt bei der letzten Oscarverleihung unter anderem die Preise als bester Film und für die beste Regie.

Am Samstag wird nach Werner Herzog auch die britisch-australische Schauspielerin Naomi Watts mit dem Premio Donostia für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. Der Hollywoodstar aus Filmen wie “The Impossible” oder “21 Grams” stellt in San Sebastián zudem ihren neuen Film “The Housewife” vor, dem Spielfilmdebüt des kanadischen Regisseurs Ben Shirinian.

(SERVICE – )