Fiona Sironic: Lesen in Klagenfurt, Schwimmen im Wörthersee

18.06.2026 • 05:30 Uhr
Fiona Sironic: Lesen in Klagenfurt, Schwimmen im Wörthersee

Im Vorjahr war Fiona Sironic die Sensation des Deutschen Buchpreises. Ihr Debütroman “Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft” schaffte es bis ins Finale, wo sie öffentlich mit den anderen zittern musste. Nun steht der nächste prominente öffentliche Auftritt der 1995 in Neuss geborenen und seit 2016 in Wien lebenden Autorin bevor: Auf Einladung von Laura de Weck nimmt sie am Wettlesen um den Bachmann-Preis teil.

“Ich verfolge die Tage der deutschsprachigen Literatur selbst schon lange. Deswegen musste ich auch gar nicht so lange überlegen, als ich angefragt wurde, und konnte mich einfach darüber freuen”, lässt sie wissen. “2017 war ich beim Klagenfurter Literaturkurs, der im letzten Jahr einmal aussetzen musste und jetzt, so schön, wieder stattfindet. Ich habe die Tage der deutschsprachigen Literatur aber auch vorher und nachher immer im Fernsehen verfolgt, oft mit Freund*innen und Brunch. In meinem Umfeld hat er den Stellenwert eines größeren Sportereignisses”, so Sironic zur APA.

Viel Lob für Romandebüt

“Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft” spielt in einer Zeit, in der die Klimakrise fortgeschritten ist, die Wälder brennen und die Arten sterben. Die Töchter wehren sich gegen Bevormundung durch “Mommyinfluencerinnen” und wollen der allgegenwärtigen digitalen Präsenz die Zerstörung der gespeicherten Daten entgegensetzen. Kontrastiert wird dies durch eine Gegenbewegung: Die beobachtende Erzählerin strebt die Dokumentation dessen an, was gerade dabei ist, unwiederbringlich verloren zu gehen. Große Themen also, laut Buchpreis-Jury “unruhig, einfallsreich, konfliktfreudig und komisch” umgesetzt.

Über den Text, mit dem sie beim Bachmann-Preis antritt, möchte sie nichts verraten und rät zu ein wenig Geduld: “Es ist ja nicht mehr lang hin!” Mehr weiß man über ihre Entscheidung, nach Wien zu ziehen. Sie habe ihr in Hildesheim begonnenes Studium des Literarischen Schreibens mit einem Sprachkunststudium an der Universität für Angewandte Kunst Wien ergänzen wollen, erzählt sie. “Ich bin froh, dass ich beides gemacht habe. Hildesheim war straffer strukturiert, in Wien gibt es mehr Raum für Experimente.” Der Austausch mit Lehrenden und Studierenden sei ebenso wichtig gewesen wie die dabei entstandenen Kontakte, von denen sie noch immer profitiere. Nach dem Abschluss 2019 hat sie noch ein Studium in Gender-Studies an der Universität Wien an- und mit einer Masterarbeit über “Potentiale queertheoretischer Perspektiven für das Medium Videospiel” abgeschlossen.

“Freue mich schon aufs Schwimmen im Wörthersee”

In Wien fühlt sie sich wohl. Hier hat sie 2021 mit der Arbeit an ihrem ersten Roman begonnen und schreibt aktuell an ihrem zweiten, “zu dem ich aber noch gar nicht viel mehr sagen kann, außer dass ich an ihm arbeite”. Kommende Woche geht es aber einmal für ein paar Tage nach Klagenfurt. “Ich hoffe, dass es nicht zu heiß wird, das vertrage ich nicht so gut. Ansonsten freue ich mich schon aufs Schwimmen im Wörthersee, aufs Lesen im Studio und auf die idealerweise gelöste Stimmung danach.”

Dass sie im ORF-Theater in eine Arena zu steigen hat, in der öffentlich über ihren Text gesprochen wird, und dabei unweigerlich auch eine Konkurrenzsituation zu den übrigen 13 Antretenden entsteht, nimmt sie gelassen: “Ich hatte beim Zuschauen immer den Eindruck, dass die Juror*innen stärker in Konkurrenz miteinander treten als die Autor*innen.”

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)