Gericht genehmigte nächtliche Kontrollen bei Radprofis

21.07.2026 • 14:34 Uhr

Die umstrittenen Dopingkontrollen in der Nacht von Tour-de-France-Titelverteidiger Tadej Pogacar und Jonas Vingegaard hat offenbar ein Gericht in Paris genehmigt. Wie die französische Sportzeitung “L’Equipe” berichtet, erhielt der Richter die Anfrage von der International Testing Agency (ITA). Es sei die erste Anwendung der 2015 in französisches Recht eingeführten Bestimmungen. Dopingkontrollen finden in der Regel zwischen 6.00 und 23.00 Uhr statt.

Nächtliche Dopingkontrollen sind seit 2016 zwar auch möglich, unterliegen aber strengeren Richtlinien. Demnach muss der Richter das Vorliegen “schwerwiegender und übereinstimmender Verdachtsmomente” prüfen, wonach der betreffende Radrennfahrer gegen Anti-Doping-Regeln verstoßen hat oder dies unmittelbar bevorsteht. Zudem muss der Richter feststellen, ob die “Gefahr eines Beweisverlusts” besteht.

ITA rechtfertigt Tests

Die Tests müssen dabei eine Verhältnismäßigkeit zwischen dem Eingriff in die Rechte des Athleten und den Zielen des Anti-Doping-Kampfes gewährleisten. Die ITA rechtfertigte indes ihr Vorgehen. Ihr sei bewusst, dass nächtliche Kontrollen die Ruhe und Erholung der Radrennfahrer beeinträchtigen können. “Die ITA trägt jedoch im Auftrag der UCI (Radsport-Weltverband) die Verantwortung dafür, die Wirksamkeit des Anti-Doping-Programms im Radsport sowie die Integrität der Radrennen zu gewährleisten”, teilte die ITA der Nachrichtenagentur AP mit.

Die Kontrollen sorgten für viel Diskussionsstoff. Gab es tatsächlich Verdachtsmomente oder Hinweise auf Dopingmissbrauch, die nächtliche Kontrollen rechtfertigen? Spekulationen im Tour-Tross machen die Runde. Von Wachstumshormon ist die Rede. Von Dopingmitteln, die innerhalb von drei Stunden abgebaut werden können. Urplötzlich rückt ein Thema wieder in den Vordergrund, das die Tour eigentlich hinter sich gelassen hatte. Den letzten Dopingfall bei der Frankreich-Rundfahrt gab es vor elf Jahren durch den Italiener Luca Paolini.

Ex-Doper hat Verständnis

Der frühere Doper und heutige Radsport-Manager Jonathan Vaughters hält nächtliche Kontrolle für absolut sinnvoll. “2-Uhr-nachts-Tests sind eine der effektivsten Methoden, um das Mikrodosieren von Peptiden (EPO, hGH) und Testosteron zu verhindern”, schrieb der frühere Teamkollege von Lance Armstrong auf dem Portal X. “Hätte die UCI uns 2001 um 2 Uhr nachts getestet? Wir wären alle suspendiert worden und hätten dem Sport 25 Jahre Drama erspart.”

Vaughters hatte einst Doping gestanden und sich anschließend in seiner Funktionärsrolle auch sehr dem Anti-Doping-Kampf gewidmet. “Es ist bedauerlich, dass Tadej (Pogacar) und Jonas (Vingegaard) für den Scheiß büßen müssen, den wir verbrochen haben. Allerdings würde ich ein paar schlaflose Nächte für etwas gewonnene Glaubwürdigkeit in Kauf nehmen. Ich sollte mich offen gesagt bei beiden entschuldigen”, schrieb Vaughters weiter.

Der belgische Radprofi Oliver Naesen, der bei der Tour de France nicht im Einsatz ist, berichtete unterdessen im Podcast der belgischen Zeitung “Het laatste Nieuws” über mögliche Hintergründe der nächtlichen Kontrollen. “Es gibt Dopingmittel, die nur etwa drei Stunden im Blutkreislauf verbleiben. Ich habe gehört, dass sie nach Wachstumshormon suchen. Das höre ich zum ersten Mal – die Jagd nach Wachstumshormon”, sagte Naesen.