Zahl der Toten in Venezuela auf mehr als 1.700 gestiegen

29.06.2026 • 21:56 Uhr
Zahl der Toten in Venezuela auf mehr als 1.700 gestiegen

Die offizielle Zahl der Toten nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben in Venezuela ist auf 1.719 gestiegen. Wie der Präsident der Nationalversammlung Jorge Rodríguez mitteilte, wurden außerdem mehr als 5.000 Menschen verletzt. Die Totenzahl lag zuvor bei 1.450. Nach den Angaben des Bruders der geschäftsführenden Präsidentin Delcy Rodríguez sind nach den schweren Beben der Stärke 7,2 und 7,5 Mittwochabend 189 von insgesamt rund 800 beschädigten Gebäuden vollständig eingestürzt.

Seit den Beben habe es mehr als 600 Nachbeben gegeben, darunter am Montag eines der Stärke 4,2, das Alarm ausgelöst habe, sagte Rodríguez. Die US-Erdbebenwarte gab die Stärke der Erschütterung vor der Küste des Landes mit 4,6 an.

Rettungsarbeiten laufen weiter

Auch am fünften Tag nach den verheerenden Erdbeben geben die Such- und Rettungskräfte nicht auf. Doch unter den Angehörigen der Opfer wächst die Verzweiflung, da sie befürchten, nicht einmal die Leichen ihrer Angehörigen zurückzubekommen.

Einsatzkräfte aus Venezuela und zahlreichen anderen Staaten suchen unter eingestürzten Gebäuden nach vermuteten Zehntausenden Menschen, die nach einer Modellrechnung des USGS ums Leben gekommen sein könnten. Die Möglichkeit, Menschen nach 72 Stunden noch lebend zu finden, ist allerdings laut Experten extrem gering.

EU schickt Nothilfe und Experten

Ein elfköpfiges Expertenteam mit Beteiligung aus Österreich und dem Koordinierungszentrum für Notfallmaßnahmen der Kommission (ERCC) ist am Wochenende laut Angaben der EU-Kommission in Venezuela eingetroffen, um vor Ort zu unterstützen. Die EU gibt zudem fünf Millionen Euro an humanitärer Hilfe für die am stärksten vom Erdbeben betroffenen Gemeinden aus. Das Geld dient der Bereitstellung von Unterkünften und medizinischer Versorgung für die Katastrophenopfer.

Eine von der EU organisierte humanitäre Luftbrücke soll lebenswichtige Hilfsgüter in die betroffenen Gebiete transportieren. Ein Flug mit rund 50 Tonnen Notunterkünften, Wasser- und Sanitäranlagen sowie Lehrmaterialien soll Anfang dieser Woche von Kopenhagen aus starten. Darüber hinaus wurde der EU-Satellitendienst Copernicus im Notfallkartierungsmodus aktiviert. Dieser ermöglicht die Erfassung hochauflösender Bilder von Krisengebieten und wandelt Rohdaten in praktische Karten für Rettungsteams, NGOs und Katastrophenschutzbehörden um.

Venezuela seit Jahren in der Krise

Venezuela befand sich vor den Erdbeben ohnehin schon in einer schwierigen Lage. Seit Jahren leidet das Land unter politischen Spannungen, wirtschaftlichen Problemen und einer der größten Migrationskrisen der Welt. Im Jänner führte Washington einen Militäreinsatz im Land durch, bei dem der autoritäre Machthaber Nicolás Maduro gefangen genommen wurde. Die geschäftsführende Präsidentin Rodríguez war Vizepräsidentin in der Maduro-Regierung.