Gewaltstrukturen: “Dreschen” beim steirischen herbst

02.10.2026 • 09:51 Uhr
Gewaltstrukturen: "Dreschen" beim steirischen herbst

Patriarchale Gewaltstrukturen als lieb gewonnenes Volksgut, das es zu erhalten gilt: angesichts anhaltend erschreckender Statistiken über häusliche Gewalt und Femizide ein ständig aktuelles Thema. Die Rabtaldirndln haben zu diesem Thema für den steirischen herbst unter dem Titel “Dreschen – ein Brauchtum” eine anschauliche Performance geschmiedet.

In einer kompakten, dramaturgisch aber doch etwas beliebigen Reihenfolge werden unter anderem sich selbst bloßstellende Herrenwitze in die Runde geworfen, die figürlichen Elemente von Volkstänzen genüsslich auf ihren archaischen Geschlechterrollenkern inklusive fossiler Abläufe des Anbandelns zerpflückt, wird den psychologischen Wurzeln brachialer Gewalt nachgespürt.

Perspektivenwechsel

Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier wechseln dabei immer wieder die Perspektive, schlüpfen alternativ in die Haut von Opfer, Täter, Beobachter und Beobachterin. Komödie und bissige Satire gehen Hand in Hand. Im Mittelteil entfernt sich das Geschehen aus dem ländlichen Kontext und kulminiert in einem klassischen Geschlechterdialog mit Spuren gegenwartsmodischer Muster in einer toxischen Zweierbeziehung. Mit den Worten “So, jetzt reicht’s mir, jetzt bin ich wieder eine Frau”, schlüpft die Protagonistin am Ende des Dialogs aus ihrer männlichen Rolle.

Der Abend erweist sich – auch dank abwechslungsreicher musikalischer und choreografischer Einschübe – als kurzweilig, geht aber kaum unter die Haut und bleibt letztlich unter den Möglichkeiten, die das Thema angesichts herrschender politischer Strömungen bietet.

(Von Andreas Stangl/APA)

(S E R V I C E – “Dreschen: Ein Brauchtum”. Regie: Ed. Hauswirth. Mit Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond, Gudrun Maier. Weitere Termine: 2., 3., 4., 9., 10., 11., 16., 17. und 18. Oktober, jeweils 19 Uhr, Hoftheater Hainersdorf. )