Go West: Wiener Ausstellungsdoppel feiert Franz West

05.11.2026 • 12:31 Uhr
Go West: Wiener Ausstellungsdoppel feiert Franz West

“Go West” – das alte Motto der Pet Shop Boys dominiert derzeit die Wiener Museumslandschaft. Am Donnerstag wurden parallel zwei Ausstellungen zum Œuvre der Bildhauerlegende Franz West in der Albertina Modern und dem Wien Museum präsentiert, bevor am Freitag die Galerie Meyer Kainer mit einer kleinen Schau folgt. Anlass für den Zug gen West ist der nahende 80. Geburtstag des 2012 verstorbenen Künstlers im kommenden Februar.

“Dass wir hier gemeinsam stehen, ist nicht selbstverständlich”, hob Wien-Museum-Direktor Matti Bunzl die Ausnahmelage hervor. “Wir haben versucht, einen gemeinsamen Aufschlag zu machen”, umriss Albertina-Generaldirektor Ralph Gleis die Idee, zwei der großen Kunstinstitutionen der Stadt vor einen gemeinsamen Karren zu spannen. Und die beiden Aufschläge in den rund um den Karlsplatz positionierten Häusern können rundweg als Asse bezeichnet werden, um in der Tennissprache zu bleiben.

Revolution in der Albertina Modern

In der Albertina Modern widmet man sich unter dem Titel “Revolution der Skulptur” primär den Objekten des gebürtigen Wieners. Hier sind die überdimensionalen Arbeiten ebenso zu finden wie kleinere Stücke, zahlreiche Wandbilder neben Rauminstallationen. Nicht zuletzt durch die Übernahme der Essl-Sammlung hat die Albertina mannigfaltige Arbeiten des Künstlers in ihren Beständen.

“Wir zeigen die größte Retrospektive zu Franz West, die jemals stattgefunden hat”, zeigte sich Albertina-Modern-Chefin Angela Stief stolz angesichts der Fülle. Getreu dem Ausstellungstitel wird dabei nicht zuletzt der Humor des documenta- und Biennale-Teilnehmers deutlich, sondern auch dessen Verständnis eines erweiterten Skulpturenbegriffes.

Schließlich sind Wests oftmals aus Papiermaché gefertigte Objekte wie die legendären Lemuren-Köpfe weniger entrückte Kunstwerke, denn nahbar, im wörtlichen Sinne oftmals besitzbar, was sich nicht zuletzt an den prothesenartigen Passstücken zeigt, die vom Publikum kurz vor dem Ausgang angelegt werden können, um sich selbst in eine lebende Statue zu verwandeln. “Er führt das autonome Kunstwerk ad absurdum”, machte Stief den bewusst niederschwelligen Ansatz des Künstlers deutlich.

Frühwerk im Wien Museum

Im Wien Museum indes widmet man sich dem Frühwerk des späteren Meisters. “Wie wird man Franz West?”, sei hier der Leitgedanke gewesen, berichtete Kurator Vincent Weisl. Zu sehen sind hier Wests anfängliche Orientierung an Friedensreich Hundertwasser, seine Auseinandersetzung mit der Stadtgeschichte und den Wienern selbst. “Er ist sehr geprägt von der Stadt und den Leuten”, machte Weisl deutlich.

Entsprechend wird im Wien Museum die Genese des Buben mit jüdisch-intellektueller Mutter und einem als Kohlenhändler tätigen Vater nachgezeichnet, der sich über Kontakte mit der Wiener Gruppe und größeren Frustrationsphasen dem Künstlerdasein nähert. Nicht zuletzt Friedl Kubelka spielt hier eine zentrale Rolle, wobei auch Wegbegleiter wie Josef Bauer oder VALIE EXPORT ihren Anteil am Werden von Franz West haben.

Ganz ohne Großwerke kommt allerdings auch das Wien Museum nicht aus, wenn unter “Zitat” eine jener Skulpturen zu sehen ist, mit denen West den internationalen Durchbruch feierte und bereits im Museumseingang eine überdimensionale, blaue Gitterstruktur ohne Titel die Besuchenden empfängt. West-Fans sollten mithin fraglos in beide Ausstellungen pilgern – beim Besuch beider Häuser gibt es Ermäßigungen.

(S E R V I C E – “Franz West. Die Revolution der Skulptur” in der Albertina Modern von 6. November 2026 bis 29. März 2027. ; “Franz West und Wien” im Wien Museum von 6. November 2026 bis 2. Mai 2027. ; “Franz West” in der Galerie Meyer Kainer von 7. November bis 19. Dezember. )