Goldoni als schrille Verwechslungskomödie in Klagenfurt

09.10.2026 • 11:20 Uhr
Goldoni als schrille Verwechslungskomödie in Klagenfurt

Mit Tempo, Witz und einem Schuss Nachdenklichkeit setzen Regisseur Ronny Jakubaschk und Dramaturg Hans Mrak Carlo Goldonis Commedia-dell’arte-Klassiker “Der Diener zweier Herren” im Stadttheater Klagenfurt in Szene. Drei eingefügte Gedichte von Christine Nöstlinger und die Übersetzung von H. C. Artmann machten die Premiere am Donnerstag zu einem wienerischen Fest für das Schauspiel-Ensemble.

Allen voran bringen Alexander Jagsch als schusseliger Titelheld Truffaldino und Doris Hindinger als resolut-aufmüpfige Zofe Smeraldina die Doppelbödigkeit des Stückes differenziert zur Geltung. Denn darin geht es nicht nur um eine simple Verwechslungsgeschichte, sondern auch um drei starke Frauen, die sich klug und leidenschaftlich behaupten können.

Verwickelte Geschichte

Als Clarice und Silvio in Venedig ihre Verlobung feiern, taucht plötzlich der tot geglaubte Federigo auf, mit dem Clarice zuvor verlobt war. Doch dieser Federigo ist in Wirklichkeit dessen Schwester Beatrice in Männerkleidern, die von Clarices Vater Pantalone Geld eintreiben will, das ihrem Bruder zugestanden hätte. Außerdem versucht sie, ihren Geliebten Florindo zu finden, der ihren Bruder getötet hat. Zufällig landen Florindo und Beatrice in derselben Locanda, wo sich Truffaldino aus Geldnot beiden unabhängig voneinander als Diener anbietet. “Die Geschichte verwickelt sich”, wie der zwischen seinen zwei “Herren” hin- und hergerissene Truffaldino einmal atemlos klagt.

Durch den Dialog mit dem Publikum bricht Alexander Jagsch die sogenannte vierte Wand auf, wenn er am Bühnenrand als hungriger Truffaldino in den Zuschauerraum hinunterruft: “Hat jemand ein kleines Risotto dabei? Oder Kasnudeln?” Und wenig später fragt er einen Zuseher in den ersten Reihen nach Beruf und Namen. Dieser “Thomas” zieht sich dann als fiktiver zweiter Diener durch die weitere Handlung. Die wird durch viel Türengeknalle in dem dreifach ineinander geschachtelten Haus beherrscht (Bühnenbild: Pascal Seibicke), durch schrill überzeichnende Kostüme (Cornelius Reitmayr) und die teils slapstickartige Choreografie.

Vitalität trifft auf Schlawinertum

Dominik Warta als schlaksiger, verwirrter Pantalone hat viel zu tun, um Silvio, den entthronten Verlobten seiner Tochter (Vincent Lyssewski) und Beatrice als ihr toter Bruder Federigo (reizend verzweifelt: Raphaela Möst) auseinanderzuhalten. Thomas Frank ist als Florindo ein bis zur Karikatur wütender Berserker, Arthur Klemt der gestresste Wirt Brighella. Bettina Schwarz (Clarice) und Rudi Widerhofer (Dottore Lombardi) vervollständigen ein Ensemble, dem es gelingt, italienische Vitalität in österreichisches Schlawinertum zu übersetzen.

Trotz einiger origineller Ideen, dichtem Sprachwitz und dem spielfreudigen Ensemble weist die zweieinhalbstündige Stückfassung Längen auf. Und das, obwohl sie auf der (knappen) Bearbeitung durch den langjährigen Stadttheater- und Komödienspiele Porcia-Intendant Herbert Wochinz basiert. Die Idee mit den Nöstlinger-Gedichten über die “ganz oaman leit” hätte ihm aber vielleicht auch gefallen.

(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)

(S E R V I C E – “Der Diener zweier Herren”, Lustspiel in drei Akten von Carlo Goldoni. Aus dem Italienischen von H. C. Artmann, Bearbeitung von Herbert Wochinz, Fassung für das Stadttheater Klagenfurt mit drei Gedichten von Christine Nöstlinger von Hans Mrak und Ronny Jakubaschk; mit Ronny Jakubaschk (Regie), Pascal Seibicke (Bühne), Cornelius Reitmayr (Kostüme), Hans Mrak (Dramaturgie), Dominik Warta (Pantalone), Bettina Schwarz (Clarice), Doris Hindinger (Smeraldina), Rudi Widerhofer (Dottore Lombardi), Vincent Lyssewski (Silvio), Raphaela Möst (Beatrice), Thomas Frank (Florindo), Arthur Klemt (Brighella), Alexander Jagsch (Truffaldino), u. a.; weitere Vorstellungen: 10., 14., 20., 23., 28., 30. Oktober, 5., 8., 21. November, 4. Dezember, 19.30 Uhr, )