Großteil der Commerzialbank-Verfahren erledigt

Sechs Jahre nach der behördlichen Schließung der Commerzialbank Mattersburg in der Nacht auf 15. Juli 2020 ist ein Großteil der Verfahren bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) erledigt. Ermittelt wird noch gegen 16 Personen und neun Verbände – in der Hauptsache, aber auch nach dem Finanzstrafgesetz und zu Vorwürfen gegen Wirtschaftsprüfer der Bank, teilte eine Sprecherin auf APA-Anfrage mit.
Den Beschuldigten werden unter anderem gewerbsmäßig schwerer Betrug, Veruntreuung, Untreue, betrügerische Krida, Bilanzfälschung und Geldwäscherei vorgeworfen. Ausständig ist weiterhin die gerichtliche Freigabe von Beweismitteln, die bei Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern sichergestellt wurden.
Strafverfahren gegen Pucher abgebrochen
Es habe in der Causa bereits mehrere Schuldsprüche gegeben, hielt die WKStA fest. Die frühere Bankvorständin Franziska Klikovits musste im Sommer 2025 ihre Haftstrafe von sechs Jahren und vier Monaten antreten. Das Strafverfahren gegen Ex-Bankchef Martin Pucher wurde hingegen im November 2025 abgebrochen, weil er nach zwei Schlaganfällen nicht verhandlungsfähig war. Sollte sich sein Zustand verbessern, könnte das Verfahren fortgesetzt werden.
Mit Klikovits wurden drei Unternehmer verurteilt, deren eigentlich zahlungsunfähige Firmen durch Übergabe von Bargeld aus der Bank künstlich am Leben erhalten worden sein sollen. Zwei von ihnen erhielten drei Jahre und acht Monate Haft. Der dritte Firmenchef stand im vergangenen Mai erneut vor Gericht, weil sein Schuldspruch wegen betrügerischer Krida vom Obersten Gerichtshof (OGH) aufgehoben worden war. Seine Strafe wurde um sechs Monate auf zwei Jahre reduziert.
Selbstanzeige brachte Fall ins Rollen
Die jahrelangen Malversationen in der Bank waren am 14. Juli 2020 durch eine Selbstanzeige von Pucher und Klikovits ans Licht gekommen. Spareinlagen waren erfunden, Kredite fingiert und entnommenes Bargeld dürfte nicht nur in Unternehmen, sondern auch in Puchers SV Mattersburg geflossen sein. Die Commerzialbank war insolvent, ebenso der Sportverein, der seine Bundesliga-Lizenz zurückgab und unter neuem Namen noch einmal neu anfing. Ein Gutachten ergab später, dass die Bank spätestens seit 1999 zahlungsunfähig war.
Politisch hatte die Causa einen Untersuchungsausschuss und den Rücktritt des damaligen Landesrats Christian Illedits (SPÖ) zur Folge. Er hatte zu seinem 60. Geburtstag 2018 als Aufsichtsratspräsident der Fußballakademie Burgenland ein mit Widmung versehenes 100-Gramm-Goldblatt vom SV Mattersburg angenommen. Das Verfahren gegen ihn endete mit einer Diversion.