Grüne wollen nach Aus für Ardo-Werk ein “Zukunftsmodell”
Im Zusammenhang mit der Schließung des Werks des Iglo-Zulieferers Ardo in Groß-Enzersdorf haben Niederösterreichs Grüne am Freitag ein “Zukunftsmodell” samt Genossenschaft der rund 500 betroffenen Gemüsebetriebe und einem Standort-Neubau gefordert. Die Gewerkschaft PRO-GE nahm in einer Aussendung Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) in die Pflicht. Eine Online-Petition zum Erhalt von Marchfelder Tiefkühlgemüse hatte am Freitag bereits über 70.000 Unterstützer.
Involviert sein sollen neben den Bauern auch Raiffeisen, Agrana, der Handel und ecoplus, die Wirtschaftsagentur des Landes, schlug die Grünen-Landessprecherin und -Klubobfrau Helga Krismer in einer Aussendung vor. In einem ersten Schritt sollen sich die Gemüsebetriebe zu einer Genossenschaft zusammenschließen. “Gemeinsam mit der Raiffeisenlandesbank Wien-Niederösterreich bzw. Agrana wird eine schlagkräftige Trägergesellschaft geformt”, wurde in der Aussendung skizziert. Ecoplus sei ebenso gefragt. Die Wirtschaftsagentur sollte ein passendes Grundstück bereitstellen, “auf dem innerhalb eines guten Jahres ein modernes, energieeffizientes Werk errichtet wird”.
Appell an den Handel
Nicht zuletzt appellierten die Grünen auch an die Verantwortung des Handels. “Wenn Spar und Rewe dem belgischen Konzern (Ardo, Anm.) die rote Karte zeigen und stattdessen voll auf die heimische Produktion setzen, dann sind unsere Betriebe und die Arbeitsplätze auf der sicheren Seite”, sagte Krismer. Die Vorschläge wollen die Grünen auch in der Landtagssitzung am kommenden Donnerstag einbringen.
Der von Krismer angesprochene Nahrungsmittel- und Industriegüterkonzern Agrana hatte am Donnerstag das ehemalige Zuckerfabrik-Areal in Leopoldsdorf als Lösungsvariante ins Spiel gebracht. Flächen und weitere Infrastruktur könnten dort im Rahmen einer Gesamtlösung zur Verfügung gestellt werden. Agrana selbst will aber nicht in die Tiefkühlgemüse-Produktion einsteigen.
“Wer ‘Made in Europe’ sagt, muss auch ‘Made in Austria’ verteidigen, wenn Arbeitsplätze und Produktion tatsächlich auf dem Spiel stehen”, lautete die Forderung des PRO-GE-Bundesvorsitzenden Reinhold Binder an Hattmannsdorfer, der diese Woche eine stärkere europäische Ausrichtung öffentlicher Vergaben angekündigt hat. “Es ist zu wenig, Resilienz und Versorgungssicherheit zu beschwören und gleichzeitig zuzusehen, wenn heimische Produktionskapazitäten verschwinden”, befand der Gewerkschafter. Der Wirtschaftsminister müsse “aktiv werden und alle Möglichkeiten ausloten, um Arbeitsplätze und Lebensmittelproduktion in Österreich zu erhalten”. Begrüßt wurde eine Online-Petition mit der Forderung an Bund und Land, ein neues Werk oder einen Zusammenschluss der Bauern finanziell zu unterstützen. Diese hielt nach zwei Tagen bereits bei mehr als 70.000 Unterschriften.
Spar-Vorstand Kaser: Schließung “ein Schock”
Erfolgt ist die Schließungsankündigung von Ardo Ende September. Spar-Vorstand Markus Kaser räumte im Gespräch mit der “Kleinen Zeitung” (Freitagsausgabe) ein, davon überrumpelt gewesen zu sein, der Schritt sei “ein Schock”. Aber: Binnen zwei Tagen sei mit dem ebenfalls in Groß-Enzersdorf ansässigen Unternehmen Schneider’s Gemüseland vereinbart worden, “dass sie mehr für uns produzieren werden”, betonte Kaser. “Sie werden auch mehr Gemüsebauern ins Programm aufnehmen und müssen jetzt in die Erhöhung der Produktionskapazitäten investieren.”
Das Ardo-Tiefkühlgemüsewerk in Groß-Enzersdorf produziert etwa für Iglo und die Tiefkühl-Eigenmarken von Billa, Hofer und Spar. Von der für Ende August 2027 geplanten Schließung betroffen sind 190 Beschäftigte, für die ein Sozialplan erarbeitet wird. Hinzu kommen 50 Leiharbeitskräfte. Die belgische Gruppe hat 2025 in Niederösterreich eigenen Angaben zufolge die Erzeugnisse von rund 270 Bauern verarbeitet. Die Erzeugerorganisation Tiefkühlgemüse (ETG), die für Ardo produziert, hat 500 Mitgliedsbetriebe.