Grünwidl hofft auf Bedeutungsgewinn von Kirche und Religion

Wiens Erzbischof Josef Grünwidl rechnet damit, dass in den aktuellen Zeiten des Umbruchs wieder mehr Menschen im Glauben nach Orientierung suchen werden. “Ich persönlich bin überzeugt, dass Religion und Kirche wichtiger werden”, sagte er am Dienstagabend bei seinem ersten Sommerempfang in der neuen Funktion. Sein Programm sei eine Kirche, die mystischer sei und gleichzeitig die Türen und Fenster weit öffne und offen sei für arme, einsame und ausgegrenzte Menschen.
Die “heißen Eisen” seien weder der Zölibat noch die Frauenweihe, betonte Grünwidl. Es gehe darum, den Menschen “den Gott der Bibel” glaubwürdiger, überzeugender und verständlicher zu vermitteln und zu zeigen, wie das Leben mit der Kirche schöner und erfüllter sein und Geborgenheit bieten könne. Würden viele Getaufte ihren Glauben und ihre Beziehung zu Gott vertiefen, könnten viele der 1.000 Kirchen und 600 Gemeinden “Oasen des Glaubens und spirituelle Tankstellen” werden.
Grünwidl hob in dem Zusammenhang auch die von Papst Leo gelebte katholische Soziallehre hervor. Die Kirche dürfe sich nicht mit “Kirchenkram” beschäftigen, sondern müsse – wie der Papst mit seiner Enzyklika zu den Chancen und Gefahren der KI – als sensibler Beobachter gesellschaftliche Umbrüche begleiten. “Die Stimme des Evangeliums darf nicht fehlen, wo es um die Würde des Menschen und seine Rechte geht”, so Grünwidl, der Ende Jänner das Amt von Kardinal Christoph Schönborn übernommen hat.
Erhält Ende Juni das Rangabzeichen Pallium
Ende Juni wird ihm vom Papst das Rangabzeichen “Pallium” verliehen. Bei der Feier am Hochfest der Apostel Peter und Paul am 29. dieses Monats im Petersdom segnet Leo XIV. die schmalen Bänder aus Lammwolle, wie der Vatikan am Dienstag ankündigte und die Kathpress berichtete. Anschließend wird er sie den neuen Leitern von Kirchenprovinzen feierlich umlegen.
Das “Pallium”, ein mit sechs Kreuzen besticktes, etwa fünf Zentimeter breites Band aus weißer Lammwolle, dürfen nur Erzbischöfe tragen, die eine Kirchenprovinz leiten. In Österreich sind das die Erzbischöfe von Wien und Salzburg. Die Wiener Kirchenprovinz umfasst neben der Erzdiözese Wien auch die Diözesen Linz, St. Pölten und Eisenstadt. Dem Salzburger Erzbischof Franz Lackner war das “Pallium” 2014 verliehen worden.
Der Begriff “Pallium” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “Hülle”. Ursprünglich bezeichnet es ein mantelähnliches Obergewand der Römer. Seit dem sechsten Jahrhundert gehörte das “Pallium” zur Kleiderordnung der Päpste, die es dann auch bestimmten Bischöfen als Auszeichnung verliehen. Ab der Mitte des neunten Jahrhunderts waren die Erzbischöfe verpflichtet, sich das “Pallium” vom Papst zu erbitten. Erst danach durften sie ihr Amt als Metropolitanbischöfe ausüben.