Gusenbauer sah sich als Signa-Berater gut ausgelastet

15.04.2026 • 16:03 Uhr
Gusenbauer sah sich als Signa-Berater gut ausgelastet

Ex-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer war langjähriger Berater in der insolventen Signa-Immobiliengruppe und muss nun vor Gericht Millionenhonorare für seine Tätigkeit rechtfertigen. Konkret geht es um 5 Mio. Euro, die er und seine Beratungsfirma in den Jahren 2022 und 2023 von der Signa Holding erhielten. Der Masseverwalter der Holding bezweifelt, dass diesen Beträgen entsprechende Leistungen gegenüberstehen.

Gusenbauer war von 2008 bis 2023 im Signa-Beirat, einem Beratungsgremium mit vage definierten Aufgaben und ohne formale Stellung. Außerdem hatte seine eigene Firma einen Vertrag, um Geldgeber für die Signa-Gruppe zu finden. Gusenbauer verwies am Mittwoch vor Gericht darauf, dass er jedes Jahr Boni lukriert und daher wohl nicht nur aus seiner eigenen Sicht sondern auch aus Sicht des Unternehmens gute Arbeit geleistet habe. Hauptsächlich hob Gusenbauer Beratungsgespräche mit Signa-Gründer René Benko selber, mit dem dortigen Kommunikationschef Robert Leingruber und mit anderen Beiratsmitgliedern als seine Leistungen hervor. Dazu kamen Gespräche mit potenziellen Investoren, aber auch mit Bürgermeistern. Als konkreten Erfolg nannte Gusenbauer eine Investition von 200 Mio. Euro, die die Schoeller Gruppe 2023 tätigte und die er Anfang des Jahres eingefädelt habe.

Vertreter des Masseverwalters bezweifelten die Leistungen Gusenbauers und hoben insbesondere hervor, dass es wenig bis keine Belege für die von Gusenbauer geltend gemachten Tätigkeiten gebe. Auch seien viele Erfolge nicht in den von der Klage betroffenen Zeitraum gefallen. Immerhin erhielt Gusenbauer als Beirat jährlich 280.000 bis 300.000 Euro Renumeration plus Bonus, der anfangs gleich hoch, dann höher war. 2023, im Jahr in dem Signa Pleite ging, wurde das Fixum auf 500.000 Euro erhöht, der Bonus war gleich hoch.

Zu Beginn des Verfahrens zeigte sich die Rechtsvertretung Gusenbauers zwar grundsätzlich offen für einen Vergleich. Allerdings laufen derzeit noch “strukturierte Gespräche” über Forderungen an Gusenbauer mit der Signa Prime, erst wenn diese abgeschlossen seien, könne Gusenbauer Vorschläge machen, welche Leistungen er für die Holding erbringen könnte. Daher seien derzeit Vergleichsverhandlungen nicht zielführend.