Hörhilfe-Pioniere stellen erstes unsichtbares Implantat vor

Das von den österreichischen Hörimplantat-Entwicklern Ingeborg Hochmair-Desoyer und Erwin Hochmair gegründete Medizintechnik-Unternehmen MED-EL hat am Dienstagnachmittag das erste Cochlea-Implantat vorgestellt, das vollständig unter der Haut sitzt. Das System namens “TICI UNICO” ist für Personen mit hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit gedacht. Da es keine externen Komponenten benötigt, ermögliche es Hören auch in der Nacht und bringe den Betroffenen mehr Freiheiten.
Bei dem System handle es sich um das erste seiner Art weltweit, hieß es bei der Präsentation. Bisherige Cochlea-Implantate waren immer mit einem außen auf der Haut getragenen Audioprozessor ausgestattet, der den Schall dort aufnimmt und die akustischen in elektrische Informationen umwandelt. In der Folge werden diese Signale an das unter der Haut liegende Implantat und weiter an die an der Hörschnecke (Cochlea) liegende Elektrode übertragen. Von dort gelangen die Signale über den derart stimulierten Hörnerv zum Gehirn, das die akustische Information dann verarbeitet.
Tests auch in Österreich
Seinen Ausgangspunkt nahm die Technologie in der Arbeit von Ingeborg Hochmair-Desoyer von der Technischen Universität (TU) Wien und Erwin Hochmair von der Universität Innsbruck, die das mikroelektronische Mehrkanal-Cochlea-Implantat entwickelt haben. Dieses wurde erstmals 1977 einem Patienten in Wien eingesetzt und seither beständig weiterentwickelt. Das für seine wissenschaftlichen Leistungen vielfach ausgezeichnete Ehepaar gründete im Jahr 1990 das Unternehmen MED-EL in Innsbruck, das sich zu einem international führenden Anbieter von Hörimplantatsystemen entwickelt hat. Bis dato tragen Hunderttausende Menschen weltweit ein derartiges Gerät.
Rund 40 Patientinnen und Patienten weltweit seien mittlerweile mit der “unsichtbaren” Implantat-Variante ausgestattet, erklärte Ingeborg Hochmair-Desoyer. Fünf Betroffene tragen das System schon länger im Rahmen einer klinischen Studie, die am AKH Wien und der Medizinischen Universität Wien läuft. Das mittlerweile zugelassene Produkt wurde am Dienstag auch erstmals außerhalb einer Studie in Wien und St. Pölten operativ eingesetzt, heißt es in einer Aussendung der Meduni und des AKH.
15 Jahre Entwicklungsarbeit
Die Idee, ein Implantat zu entwickeln, das von außen nicht sichtbar ist, trage sie bereits seit nahezu 50 Jahren in sich, sagte Hochmair-Desoyer. Geeignete Batterien oder Mikrofone waren aber lange nicht verfügbar. Ein System komplett ohne außen liegende Teile sei jedenfalls nicht nur ein ästhetisches Thema, es bringe Betroffenen auch psychologisch viel, zeigte sich die Forscherin und Firmengründerin überzeugt.
Alle Komponenten erfolgreich unter die Haut zu bringen, sei ein Unterfangen gewesen, das rund 15 Jahre gedauert hat. Die größte Herausforderung war das dafür eigens entwickelte Mikrofon, das für die klanglichen Veränderungen, die unter der Haut entstehen, optimiert werden musste. Einzig für das Laden brauche es nun ein externes Gerät, währenddessen können Trägerinnen und Träger weiter hören, wurde betont. Es gebe keine Einschränkungen für Aktivitäten, in denen das System nicht getragen werden kann – inklusive Schwimmen. Für viele Betroffene sei der größte Vorteil, dass das Implantat auch in der Nacht genutzt werden kann. Aus den bisherigen Studien wisse man, dass Patientinnen und Patienten das Klangerlebnis vergleichbar gut einschätzen, wie bei herkömmlichen Cochlea-Implantaten, sagte Hochmair-Desoyer.
(S E R V I C E – )