Hohe Nachfrage nach Gratis-Impfungen

04.09.2026 • 12:27 Uhr
Hohe Nachfrage nach Gratis-Impfungen

Die kostenlosen Impfangebote in Österreich werden gut angenommen. Das betonten Gesundheitsministerin Korinna Schumann und Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (beide SPÖ) bei einem Hintergrundgespräch am Freitag in Wien anlässlich der bevorstehenden Impfsaison. Bei der Gürtelrose-Impfung ist die Nachfrage allerdings so groß, dass es beim notwendigen zweiten Stich zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Die Influenza-Impfung steht bereits seit der Saison 2024/25 allen in Österreich lebenden Menschen kostenlos zur Verfügung. 2025 folgten kostenlose Impfungen gegen Pneumokokken und Gürtelrose für Menschen ab 60 Jahren sowie Risikogruppen. “Gesundheit darf keine Frage des Geldbörserls sein”, sagte Schumann. Ziel sei es deshalb, die öffentlichen Impfprogramme konsequent weiterzuentwickeln und die Versorgung möglichst unabhängig von Wohnort und Einkommen sicherzustellen.

Angespannte Situation bei Gürtelrose

Während bei Influenza und Pneumokokken in der kommenden Saison keine Engpässe erwartet werden, ist die Situation bei Gürtelrose angespannter. Rund 900.000 Dosen wurden für das öffentliche Impfprogramm beschafft, bis Ende August waren rund 647.400 Impfungen im e-Impfpass dokumentiert. Die hohe Nachfrage kann nun dazu führen, dass bei der notwendigen zweiten Dosis das empfohlene Intervall von sechs Monaten überschritten wird.

Darauf verwies auch Johannes Steinhart, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Es sei ärgerlich, wenn man Impfstoff für 40 Patientinnen und Patienten bestelle, letztlich aber nur eine ausreichende Menge für 20 Personen erhalte. Grundsätzlich begrüße die Ärztekammer die Ausweitung des Impfprogramms ausdrücklich, wünsche sich aber – trotz angespannter Budgetlage – zusätzlich eine kostenlose RSV-Impfung für Erwachsene. Die geplante Möglichkeit, künftig auch in Apotheken zu impfen, lehnte Steinhart weiterhin ab. “Da sind unsere Assistenten in den Praxen besser ausgebildet und die dürfen das nicht”, sagte der Ärztekammerpräsident.

Bewegung auf einem Weltmarkt

Gerhard Zotter, Geschäftsführer der Bundesbeschaffung GmbH (BBG), betonte, dass man sich bemühe, die notwendigen Chargen für die Gürtelrose-Impfung schnellstmöglich verfügbar zu machen. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass man sich bei der Beschaffung “auf einem Weltmarkt” bewege. Eine Expertin des Gesundheitsministeriums erklärte bei dem Hintergrundgespräch, dass die zweite Dosis auch erst bis zu zwei Jahren nach der ersten verabreicht werden könne, ohne dass die Impfserie neu begonnen werden müsse. Grundsätzlich solle die zweite Impfung aber “möglichst schnell” erfolgen.

“Wir lernen aus jeder Saison dazu”

“Ein öffentliches Impfprogramm dieser Größenordnung ist nie fertig entwickelt. Wir lernen deswegen aus jeder Saison dazu”, sagte Königsberger-Ludwig. Man habe es grundsätzlich geschafft, die Impfstoffe annähernd entsprechend der Bevölkerungsverteilung auf die Bundesländer zu verteilen. Die Staatssekretärin unterstrich zudem, dass die kostenlose Impfung nicht an die eigene Hausarztordination gebunden sei. Wer dort keinen Termin bekomme, könne sich auch in einer anderen teilnehmenden Einrichtung impfen lassen.

Trotz der Engpässe beim zweiten Stich begrüßte Peter McDonald, Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger, dass sich Risikogruppen nun kostenlos gegen Gürtelrose impfen lassen können und damit auch das Gesundheitssystem entlastet werden könne. Zuvor habe die Impfung rund 500 Euro gekostet, was für viele Menschen eine hohe finanzielle Barriere dargestellt habe.