Hohe Strompreise – Wifo schlägt Strommarktreform vor

17.04.2026 • 05:00 Uhr
Hohe Strompreise - Wifo schlägt Strommarktreform vor

Laut Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo sind hohe Strompreise auch das Ergebnis des steigenden CO2-Preises. Denn obwohl erneuerbare Energien kaum laufende Kosten verursachen, würden die Kosten für CO2-Zertifikate fossiler Kraftwerke den einheitlichen Großhandelspreis in die Höhe treiben. Dabei sei der CO2-Preis klimapolitisch grundsätzlich sinnvoll, das Forschungsinstitut schlägt daher eine teilweise Entkoppelung von CO2- und Strompreisen vor.

“Hohe Strompreise sind für Österreich ein doppeltes Problem: Sie schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und erschweren die Dekarbonisierung”, so Bernhard Kasberger, Wifo-Ökonom und Professor an der Johannes Kepler Universität Linz. Die Elektrifizierung, also der Umstieg auf strombasierte Technologien, ist dann besonders lohnend, wenn Strom deutlich günstiger als Gas, Öl oder fossile Treibstoffe ist.

Entkoppelung soll Strompreis dämpfen

Das Wifo plädiert daher für eine Reform des europäischen Strommarktes: Konkret soll ein Schwellenwert festgelegt werden, etwa 100 Euro je Megawattstunde (MWh). Liegt der markträumende Preis darüber, sollen erneuerbare Kraftwerke nicht mehr den vollen Preis erhalten, sondern den Marktpreis abzüglich eines fixen Abschlags, der den CO2-Kostenanteil abbildet, beispielsweise in Höhe von 28 Euro/MWh. Fossile Kraftwerke erhalten weiterhin den vollen Marktpreis. Der Schwellenwert sollte so gewählt werden, dass erneuerbare Kraftwerke trotz des Abschlags profitabel bleiben. Die Höhe des Abschlags könnte fix oder an den aktuellen Preis für CO2-Zertifikate gekoppelt sein.

Die aus dem Abschlag generierten Mittel sollen an Stromverbraucherinnen und -verbraucher umverteilt werden. Zusatzgewinne, die oft auch als Übergewinne kritisiert werden, würden dadurch eingeschränkt. So sollen die Stromkosten sinken, ohne den CO2-Preisanreiz für fossile Kraftwerke aufzuheben oder die Strompreisbildung grundsätzlich umzugestalten. Der Vorschlag biete außerdem eine “regelbasierte Alternative” zu “Übergewinnsteuern” und Notfall-Preisdeckeln, heißt es in dem Working Paper.

Maßnahme könnte rund 530 Mio. Euro jährlich bringen

Die Maßnahme könnte entweder direkt in die Abrechnung des Stromgroßhandels eingebaut werden, was eine Anpassung der Marktregeln auf europäischer Ebene erfordern würde, oder über eine nachgelagerte Abgabe umgesetzt werden.

Die Maßnahme würde laut Wifo-Berechnung auf Basis von Daten aus 2025 für Österreich Einsparungen beim reinen Strompreis, also ohne Netzentgelte und Abgaben, in Höhe von 8,5 Prozent bringen. Konkret würden die durchschnittlichen Großhandelskosten von 104,4 Euro/MWh auf 95,5 Euro/MWh sinken. Bei einer Gesamtlast von 59,2 Terawattstunden (TWh) entspreche das einer jährlichen Umverteilung von 528 Mio. Euro. Dabei entfalle der Großteil auf Laufwasserkraftwerke (61 Prozent), gefolgt von Windkraft und Speicherwasserkraft. In Deutschland würde sich eine Reduktion von 4,7 Prozent ergeben, was insgesamt 2,04 Mrd. Euro bei 466 TWh Jahresverbrauch entspreche.

Ausnahmen sollen Investitionsanreize bewahren

Allerdings könnte die Entkoppelung auch den Anreiz schmälern, in erneuerbare Energie zu investieren. “Hohe Marktpreise in Knappheitsstunden sind Teil der erwarteten Erträge neuer erneuerbarer Anlagen. Werden diese Erträge reduziert, könnte das Investitionen bremsen”, schreiben die Wifo-Ökonomen. Sie schlagen daher Ausnahmen für neue Anlagen oder eine Absicherung über Contracts for Difference vor, bei denen der Staat einen festen Strompreis garantiert und Abweichungen zum Marktpreis in beide Richtungen ausgeglichen werden.