Houthi: Sechs Schiffe zur Umkehr gezwungen

Die vom Iran unterstützte Houthi-Miliz hat nach eigenen Angaben sechs Schiffe im Rahmen ihrer verkündeten “Blockade” innerhalb von 24 Stunden zur Umkehr gezwungen. Das berichtete die von der Miliz kontrollierte Nachrichtenagentur Saba unter Berufung auf deren Militärkreise. Zwei mit saudi-arabischem Rohöl beladene Tanker drehten im Roten Meer um. Sie nahmen am Dienstag Kurs auf den Suezkanal statt auf die Meerenge von Bab el-Mandab, um die jemenitische Küste zu meiden.
Die beiden Schiffe waren auf dem Weg nach China und Indien. US-Präsident Donald Trump kündigte eine Reaktion an, sollten die Houthi ihre Drohung einer Seeblockade gegen die Handelsschifffahrt im Roten Meer wahr machen. “Wenn es passiert, werden wir uns um die Sache kümmern”, sagte Trump am späten Vormittag (US-Ortszeit) während eines Treffens mit Libanons Präsident Joseph Aoun im Weißen Haus. Einzelheiten nannte er zunächst nicht.
Drohung vom Montag
Die Houthi hatten am Montag die Blockade gegen Saudi-Arabien verkündet und damit eine mögliche neue Front im Krieg der USA und Israels gegen den Iran eröffnet. In einem E-Mail an Reedereien warnte die Miliz davor, saudi-arabische Häfen anzulaufen. Ein solches Vorgehen könnte dazu führen, dass die Schiffe überall angegriffen würden. Für Saudi-Arabien gelte ab sofort ein “Verbot der Schifffahrt”, sagte Houthi-Militärsprecher Jahja Sari. Er sagte dabei nicht, in welchen Gewässern das Verbot gelten soll.
Schifffahrtsdaten des Anbieters LSEG zufolge kehrten daraufhin die Tanker “Xin Long Yang” und “Rodos” um. Insidern zufolge war der saudi-arabische Hafen Janbu am Roten Meer jedoch weiterhin in Betrieb. Dieser ist seit der Blockade der Straße von Hormuz zum wichtigsten alternativen Ölexport-Knotenpunkt der Region geworden.
Die deutsche Containerreederei Hapag-Lloyd sieht durch die jüngsten Warnungen der Houthi keine unmittelbaren Folgen für den eigenen Betrieb. Das Rote Meer habe für den Netzbetrieb derzeit nur eine begrenzte Bedeutung, teilte das Hamburger Unternehmen auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit. Der weit überwiegende Teil der Dienste werde weiterhin um das Kap der Guten Hoffnung geführt. Der Schutz von Seeleuten, Schiffen und Ladung habe höchste Priorität. Wie viele internationale Reedereien meidet Hapag-Lloyd seit dem Jahreswechsel 2023/2024 weitgehend das Rote Meer und den Suezkanal.
Ölangebot könnte sich verringern
Die Ölpreise stiegen angesichts der jüngsten Angriffe um gut zwei Prozent. Eine vollständige Sperrung der Meerenge Bab al-Mandab am südlichen Ende des Roten Meeres könnte das weltweite Ölangebot um sieben Prozent verringern, da ein Großteil der saudi-arabischen Exporte die Region nicht mehr verlassen könnte. Dies würde den durch den Krieg am Persischen Golf verursachten Ausfall von zehn Prozent der Öllieferungen weiter verschärfen.
Die Houthi kontrollieren im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Von hier aus können sie mit ihrem Arsenal aus Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern auch Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab angreifen, die zusammen mit der Straße von Hormuz zu den wichtigsten Seewegen weltweit zählt.
Wegen der faktischen Blockade der Straße von Hormuz exportiert Saudi-Arabien einen großen Teil seines Öls derzeit über eine Pipeline aus dem Osten zum Hafen Janbu am Roten Meer. Seit 2023 hatten die Houthi mit Angriffen im Roten Meer – seinerzeit im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg – den Welthandel bereits massiv beeinträchtigt.