Intendantin macht sich Sorgen um steirischer herbst-Zukunft

15.09.2026 • 13:35 Uhr
Intendantin macht sich Sorgen um steirischer herbst-Zukunft

“Red Flags” im Sinn von Warnsignalen in Gesellschaft und Umwelt lautet das Motto der diesjährigen Ausgabe des steirischen herbst. Derartige Warnsignale ortet Intendantin Ekaterina Degot auch im Hinblick auf das Grazer Kunstfestival. “Ich mache mir Sorgen um den steirischen herbst”, sagte Degot, deren Intendanz Ende 2027 ausläuft, am Dienstag bei der Präsentation des Festivalprogramms im aktuellen “herbst”-Hauptquartier in einem ehemaligen Gasthaus am Grazer Griesplatz.

Der steirische herbst gehöre “nicht nur Graz, den sogenannten Eigentümern und dem Grazer Publikum”, sondern sei vor allem “ein sehr wichtiges internationales Festival” Sie sehe die Gefahr der Provinzialisierung des “herbst”. Sie fürchte, sie könnte dereinst nicht nur die erste, sondern auch die letzte ausländische Intendantin des Festivals gewesen sein, ergänzte die aus Russland stammende Kunsthistorikerin und Kuratorin.

Kosmopolitischer Stadtteil

Den Umstand, dass der steirische herbst während ihrer Intendanz bereits zum zweiten Mal seine Zelte auf dem Griesplatz aufschlägt, brachte sie mit dem “kosmopolitischen Charakter” des Grazer Innenstadtbezirks in Zusammenhang. “Graz fühlt sich hier mehr nach London an als Geidorf oder St. Peter.”

Zur Einleitung der folgenden, überblicksmäßigen Programmpräsentation umriss Degot noch einmal das Festivalmotto “Red Flags”, ein Begriff, der seinen Ursprung in der Datingszene hat, mittlerweile aber als Sinnbild für Warnsignale aller Art sei, die oftmals von den Menschen als böses Omen wahrgenommen werden und zu einer “Paralysierung des Denkens” führen. Dadurch erhielten rechte politische Strömungen die Möglichkeit, Denkfreiheit für sich zu reklamieren. Mit dem heurigen Festival setze man sich mit dieser Problematik auseinander und wolle “peu à peu” Denkmöglichkeiten erweitern.

Eröffnung am 24. September

Der steirische herbst wird heuer am 24. September mit einer Rede Degots, einer Performance auf dem Karmeliterplatz sowie mit der internationalen Premiere der Tanzperformance “Angelic Conversations” des britisch-polnischen Choreografen Alex Baczyński-Jenkins in der Helmut-List-Halle eröffnet und dauert bis 18. Oktober. Die Hauptausstellung ist von 26. September bis 15. November im Haus Griesplatz 34 zu sehen. Im Rahmen des Partnerprogramms gibt es steiermarkweit weitere 29 Ausstellungen zu besuchen. Neben zahlreichen Performances und Theateraufführungen – viele davon Eigenproduktionen des Festivals – gibt es wie jedes Jahr das “Herbstkabarett”, ein erweitertes Vermittlungsprogramm und das in das Festival eingebettete ORF-Musikprotokoll, das heuer unter dem Titel “Supernova” von 3. bis 11. Oktober stattfindet. Ö1 widmet dem steirischen herbst einen Podcast.

(S E R V I C E – )