Intensive Ermittlungen nach gestohlenem Hubschrauber

29.09.2026 • 11:58 Uhr
Intensive Ermittlungen nach gestohlenem Hubschrauber

Nach dem mysteriösen Diebstahl eines Hubschraubers beim Flugplatz in Mauterndorf im Lungau in der Nacht auf Montag laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Maschine des Typs Robinson R44 mit dem Kennzeichen OE-XHK, die einem Pongauer Gastronom gehört und von der Firma des Ex-Skisprungstars Thomas Morgenstern betrieben wurde, soll Medienberichten zufolge am Montag um 4.20 Uhr über der Insel Pag in Kroatien geortet worden sein. Die Polizei hat diese Angaben nicht bestätigt.

Das Landeskriminalamt Salzburg ist gemeinsam mit der Austro Control, dem Österreichischen Bundesheer und ausländischen Behörden auf der Suche nach dem Hubschrauber. Bisher wurde weder der Helikopter gefunden noch wurden die Täter gefasst. “Es wird intensiv ermittelt. Im Rahmen unserer Möglichkeiten schöpfen wir alles aus, sodass die Ermittlungen zum Erfolg führen”, sagte eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Salzburg am Dienstagvormittag zur APA.

Kurz nach 2.00 Uhr hat der Hubschrauber Österreich verlassen

Aus ermittlungstaktischen Gründen gibt die Polizei bereits vorliegende Informationen nicht bekannt, nur so viel: Der gestohlene Hubschrauber habe das Bundesgebiet kurz nach 2.00 Uhr verlassen. Im Laufe des Montags bestätigte die Polizei gegenüber der APA, dass die Maschine in Kroatien geortet worden sei. “Wo genau, wird aus ermittlungstaktischen Gründen nicht bekanntgegeben”, sagte am Dienstag die Polizeisprecherin. Es handle sich um hochsensible Daten, die man von der Flugraumüberwachung zur Verfügung habe.

Die Tatzeit sei konkretisiert worden, werde aber ebenfalls aus ermittlungstaktischen Gründen nicht öffentlich gemacht, erklärte die Sprecherin. Laut Medienberichten soll der Hubschrauber um 1.50 Uhr gestohlen worden sein. Ein Mitglied des Flugvereins hatte Startgeräusche gehört und den Piloten nicht erreicht. Als er nachschaute, stellte der Mann am Hangar Einbruchsspuren fest und alarmierte die Polizei.

Doppelte Menge an Treibstoff getankt, Transponder ausgeschaltet

Bisherigen Ermittlungen zufolge sind die unbekannten Täter über die Hintertüre eingebrochen und transportierten den Hubschrauber mit einem Rangierwagen aus dem Hangar. “Es wurden 365 Liter getankt, der Tank des Hubschraubers hat Platz für 170 Liter”, sagte der Eigentümer des Helikopters, Manuel Aster, Gastronom und Inhaber von Aster’s Mountainclub in Wagrain. Die Polizei bestätigte, dass bei der Tankstelle des Flugplatzes Mauterndorf die doppelte Menge des Treibstoffs für den Hubschrauber entnommen worden ist. Eine Videoüberwachung gebe es dort nicht.

“Die Täter müssen Professionelle gewesen sein, die das genau geplant haben”, sagte Aster. “Es wurden ein Ortungssystem ausgebaut, der Absturzsender entfernt und der Transponder ausgeschaltet.” Die Maschine sei nicht nachflugtauglich, und vom Flugplatz Mauterndorf aus dürfe man in der Nacht nicht fliegen.

Mit dem vollgetankten Helikopter kann man bei durchschnittlichen Bedingungen circa zweieinhalb Stunden fliegen, sagte ein Sprecher von Thomas Morgenstern am Dienstag zur APA. Die Firma von Morgenstern bietet mit dem Hubschrauber vom Flugplatz Mauterndorf Rundflüge an. Die Diebe haben wohl die mondhelle Nacht mit klarem Himmel gezielt für den Coup gewählt.

Eigentümer: “Das ist wie ein Krimi”

Informationen darüber, wo sich der Hubschrauber befindet, der im Neuzustand zwischen 700.000 und 800.000 Euro kostet, habe er derzeit nicht, sagte der Pongauer Eigentümer. “Wir wissen gar nichts. Wir wissen auch nicht, wer sich so etwas traut”, sagte Aster. “Die Maschine ist wie vom Erdboden verschwunden. Das ist wie ein Krimi für uns. Wie kann ein Helikopter durch halb Europa fliegen, und es fällt keinem auf – wo man heutzutage jede Drohne orten kann. Unsere Luftraumüberwachung hat da ein bisschen versagt.” Das einzige, was er bisher erfahren habe sei, dass der Hubschrauber über die Steiermark und Kärnten geflogen sei und Österreich dann in Richtung Süden verlassen habe.

Die Polizei habe der Austro Control um 2.15 Uhr gemeldet, dass der Hubschrauber gestohlen worden sei, sagte der Sprecher von Austro Control, Markus Pohanka, der APA. Die Austro Control könne über Sekundärradaranlagen Flugzeuge orten, wenn der Transponder eingeschaltet ist. Falls er ausgeschaltet ist, habe das Bundesheer die Möglichkeit, Flugzeuge mit Primärradar zu orten.

Radardaten werden ausgewertet

Derzeit würden gesicherte Radardaten, die vorliegen, untersucht, um herauszufinden, welcher weitere Flugweg mit dem Hubschrauber eingeschlagen wurde, sagte Pohanka. “Sämtliche Flugspuren werden jetzt detailliert ausgewertet. In Zusammenarbeit mit dem Bundesheer und der Polizei werden die Erkenntnisse zusammengetragen. Die Nachforschungen werden von uns unterstützt. Die Suche gestaltet sich schwierig, wenn Ortungssysteme deaktiviert sind.” Einen solchen Fall habe es in Österreich noch nicht gegeben.

Laut Polizei wurden Spuren gesichert, auch Tatortspuren, die mit Daten auch aus internationalen Datenbanken verglichen werden. “Primär stehen Befragungen im Vordergrund. Wir gehen davon aus, dass die Täter mit dem Flugplatz örtlich vertraut waren. Die Tat war sehr gut geplant”, sagte die Polizeisprecherin. Einvernommen werden auch Personen, die Zugang zum Flugplatz haben.