Internationale Robotik-Szene trifft sich diese Woche in Wien

Die Internationale Fachkonferenz für Robotik und Automatisierung (ICRA) bringt diese Woche mehr als 8.000 Expertinnen und Experten aus Forschung und Industrie nach Wien. Neben wissenschaftlichen Vorträgen präsentieren über 140 Unternehmen und Forschungsinstitute ihre neuesten Entwicklungen. Hersteller von humanoiden Robotern zeigen ihre neuesten Modelle. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert eine rasante Marktentwicklung in den kommenden Jahren.
Menschen nachempfundene Roboter werden laut Experteneinschätzung mittelfristig Teil der Arbeitswelt. “2035 könnten die im Einsatz befindlichen humanoiden Roboter in einem optimistischen Szenario auf bis zu 50 Millionen steigen”, sagte der Unternehmensberater Thomas Kirschstein von Roland Berger kürzlich zur APA.
China fährt Produktion hoch
Bei einem APA-Konferenzrundgang zeigte sich am Mittwoch, dass zahlreiche humanoide Roboter noch händisch von Menschen per Joystick gesteuert werden. Die großen chinesischen Hersteller Agibot und Unitree präsentierten bei der Fachkonferenz ihre Roboter, die autonom agieren können und mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Einsatz sind. In den USA und Europa wird derzeit noch an vielen Prototypen gearbeitet, in China wird die Massenproduktion bereits hochgefahren. Agibot produzierte bis Ende 2025 rund 5.000 humanoide Roboter, Ende März waren es bereits 10.000.
Durch Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik-Hardware könnten humanoide Systeme perspektivisch zu Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten, erwartet die Unternehmensberatung Roland Berger. “Derzeit sind noch keine produktiven humanoiden Roboter im Einsatz. Industrieunternehmen experimentieren mit isolierten Aufgaben, etwa in der Montage oder in der Logistik”, sagte Kirschstein. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die von einem teuren Hype rund um humanoide Roboter warnen.
Ein “State of the Art” humanoider Roboter aus China kostet derzeit circa 100.000 Euro. In den nächsten Jahren könnte der Preis für diese fortschrittlichen Modelle auf 20.000 bis 30.000 Euro sinken. “Einen “Business Case” für humanoide Roboter in Fabriken wird es unserer Einschätzung nach ab 2028 geben”, erwartet Kirschstein, Robotik-Experte von Roland Berger.
“Workmate”-Roboter aus Linz
In Europa gibt es rund 20 Start-ups im Bereich humanoider Roboter, etwa das Linzer Start-up Iono Robotics mit seinem “Workmate”. Das heimische Unternehmen bezieht einen Großteil der Komponenten aus China, der Roboter-Kopf und Sensorikanzug sind aber Eigenentwicklungen. Derzeit testet man den Einsatz, etwa mit heimischen Industrieunternehmen, hieß es zur APA.
Die von Montag bis Freitag laufende Robotik-Konferenz in Wien beschäftigt sich neben technologischen Entwicklungen auch mit der Frage, welche Rolle Robotik und Automatisierung künftig für Wirtschaft und Gesellschaft spielen werden. “Die Firmen, die gut automatisieren und innovativ sind, werden langfristig bestehen”, so der TU-Wien-Professor und ICRA-Kongressvorsitzende Markus Vincze in einer Aussendung. Für Europa werde “es immer wichtiger, Produktion, Know-how und technologische Entwicklung im eigenen Wirtschaftsraum zu halten. Klassische Industrieroboter – etwa von ABB, Fanuc oder Kuka – übernehmen klar definierte Aufgaben. In modernen Robotiksystemen wird aber Künstliche Intelligenz eingesetzt.
Humanoide Roboter und das Sicherheitsthema
“Gerade wenn Roboter mit Menschen zusammenarbeiten, braucht es zusätzliche Sicherheitsmechanismen”, so TU-Professor Vincze. Mit KI allein könne man “heute noch nicht garantieren, dass ein System immer innerhalb sicherer Grenzen agiert”.
Außerhalb von Industrieunternehmen soll Robotik später einmal auch Menschen im Alltag unterstützen. “Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren deutlich mehr Robotik im Alltag sehen werden”, erwartet Vincze. “Nicht als Science-Fiction, sondern als praktische Unterstützung im täglichen Leben.”
Vergangenes Wochenende sorgte bereits das “Festival der Roboter” am Wiener Karlsplatz mit rund 15.000 Besuchern für großes Interesse bei Familien und Schaulustigen.