Israel gedachte Opfern des Hamas-Überfalls vor drei Jahren
Israel hat am Mittwoch den dritten Jahrestag des Hamas-Überfalls begangen. Am Ort des Nova-Musikfestivals hielten die Anwesenden um 6.29 Uhr, der Uhrzeit des Beginns der Massaker, eine Schweigeminute ab. Ebenfalls um 6.29 Uhr entzündete der israelische Präsident Yitzhak Herzog in seiner Residenz in Jerusalem eine Kerze zur Erinnerung an die Toten und Verletzten. Auch in Wien wurde am Mittwochnachmittag an die Attacke vor drei Jahren erinnert.
“Drei Jahre seit diesem schrecklichen Morgen, drei Jahre Schmerz, Verlust und Erinnerung, die nicht ausgelöscht wird”, schrieb Herzog auf der Plattform X. Die israelische Armee setzte unterdessen ihre Angriffe im Gazastreifen fort. In mehreren Städten forderten Demonstranten eine staatliche Untersuchungskommission zu dem Überfall. Der Gedenktag fällt außerdem in die heiße Phase des Wahlkampfs: In drei Wochen wählen die Israelis erstmals seit dem Massaker wieder ein Parlament.
Regierungschef Benjamin Netanyahu unterstrichen, dass die Verantwortlichen für ihre Taten bestraft werden. “Wir werden den Auftrag erfüllen: Wir sind hier, und wir werden alle Mörder zur Rechenschaft ziehen”, verkündete der israelische Ministerpräsident laut einer Erklärung am Mittwoch. “An diesem Tag vereint sich das Volk in Gedenken an und in der Sehnsucht nach unseren Liebsten”, betonte Netanyahu.
Techno-Musik unterbricht Schweigen
Am Ort des von den radikalislamischen Kämpfern am 7. Oktober 2023 überfallenen Nova-Festivals neigten die Menschen während der Schweigeminute inmitten von Porträts ihrer getöteten Angehörigen und Freunde ihre Köpfe. Das Schweigen wurde jedoch von Techno-Musik unterbrochen, die mindestens einer der Anwesenden im Gedenken an die Opfer abspielen ließ.
Katia Zohar, deren 23-jährige Tochter vor drei Jahren bei dem Festival getötet wurde, berichtete am Ort des Geschehens “von der Minute, die unsere Leben für immer verändert hat”. Ihre Tochter Bar habe sie damals angerufen und sie gebeten, abgeholt zu werden, “weil Raketen in der Luft waren”. Später habe sie dann von der Straße aus angerufen und geschrien, “dass sie auf mich schießen”.
Anna Davitashvili spielte bei dem Gedenken an ihren getöteten 25-jährigen Sohn den letzten Techno-Track ab, der damals vor Beginn des Angriffs auf dem Festival ertönt war. “Ich fühle ihn hier. Es tut mir so fürchterlich leid, dass ich ihn nicht retten konnte”, sagte die Mutter mit Tränen in den Augen.
Mahnwache auch im Kibbuz Kfar Aza
Auch im Kibbuz Kfar Aza nahe der Grenze zu Gaza wurde eine stille Mahnwache abgehalten. Dort wurden Dutzende Menschen getötet und 19 Geiseln verschleppt. Viele von ihnen leben nach Angaben von Gemeindesprecher Zion Regev weiterhin außerhalb des Ortes. Dies sei ein sehr emotionaler und schwerer Tag für die Gemeinschaft, sagte er.
Bei den Massakern am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas und ihrer Verbündeten 1.221 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Allein beim Nova-Festival töteten sie mindestens 370 Menschen und nahmen 44 Geiseln.
Israel reagierte mit massiven Angriffen im Gazastreifen, bei denen nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 74.200 Menschen getötet wurden. Trotz einer im Oktober vergangenen Jahres vereinbarten Waffenruhe greift die israelische Armee weiterhin Ziele im Gazastreifen an. Auch im Gazastreifen erinnerten sich am Mittwoch die Palästinenser inmitten der Ruinen an ihr Leben vor dem Krieg.
Unterdessen gingen die israelischen Attacken im Gazastreifen weiter. An der Nova-Gedenkstätte hörten AFP-Journalisten laute Knallgeräusche, die aus dem Küstenstreifen stammten. Das Al-Shifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza teilte mit, dass bei nächtlichen israelischen Luftangriffen zwei Menschen getötet worden seien. In der Stadt Khan Younis im Süden des Palästinensergebiets wurden nach Angaben des Nasser-Hospitals ein Mann bei einem israelischen Angriff getötet und weitere verletzt.
Österreich steht laut Kanzler Stocker gegen Antisemitismus
Wie ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker auf X postete, steht Österreich “entschlossen gegen Antisemitismus und jede Form von Judenhass”. “Der Schutz jüdischen Lebens sei Teil unserer besonderen historischen Verantwortung. Gerade jetzt, da wir einen massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle verzeichnen, werden wir immer und überall gegen Antisemitismus und Antizionismus aufstehen”, schrieb der Kanzler.
Israel habe das Recht zur Selbstverteidigung und die Pflicht, seine Bevölkerung zu schützen. Daran dürfe es keinen Zweifel geben. “Wir werden in unserem Engagement nicht nachlassen: für das Durchbrechen der Gewaltspirale, für Frieden und Sicherheit in der Region und für die uneingeschränkte Verbindlichkeit des Völkerrechts. Hass und Terror dürfen niemals siegen. Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um künftige Generationen von Israelis und Palästinensern vor Trauma und Leid zu bewahren”, so Stocker auf der Plattform X weiter.
“Heute vor drei Jahren verübte die Hamas den größten Massenmord an Jüdinnen und Juden seit der Shoah”, postete NEOS-Außenministerin Beate Meinl-Reisinger auf Facebook. “Wir vergessen die Opfer des 7. Oktober nicht. Und wir schauen nicht weg, wenn Jüdinnen und Juden verfolgt, bedroht oder angegriffen werden”, schrieb die Ministerin, die konstatierte, dass Antisemitismus keinen Platz in unserer Gesellschaft habe. “Österreich trägt eine besondere Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen. Heute und jeden Tag”, so Meinl-Reisinger.
Außerdem betonten die Spitzen der EU und der deutsche Kanzler Merz ihre Solidarität mit Israel. “Die EU steht all jenen zur Seite, deren Leben sich durch diesen Tag für immer verändert hat”, schrieb EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf X. “Die unbeschreibliche Grausamkeit und der Terror des 7. Oktober dürfen sich niemals wiederholen”, betonte sie.
Gedenken der jüdischen österreichischen Hochschüler in Wien
In Wien verlasen jüdische Studierende und Mitglieder der jüdischen Gemeinde am Nachmittag bei einem Gedenken am Judenplatz die Namen der Opfer des Hamas-Massakers. Alle solidarischen Menschen seien dazu eingeladen, am gemeinsamen Erinnern teilzunehmen, teilten die beiden Organisatorinnen und Co-Präsidentinnen der Jüdischen österreichischen HochschülerInnen (JöH), Lia Guttmann und Milli Li Rabinovici, in einer Aussendung mit.
“Die schrecklichen Folgen des 7. Oktobers haben die Verbrechen dieses Tages gewissermaßen aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt. Das ist falsch, denn die Trauer und das Trauma, die dieser Tag für Jüdinnen und Juden bedeutet, sind noch immer allgegenwärtig. Jeder Name, den wir verlesen, erinnert an einen Menschen, an sein Leben und an den Verlust der betroffenen Familien und Angehörigen”, so Guttmann und Rabinovici.
Bereits am Vorabend des dritten Jahrestages wurde auch in Wien an den Terrorangriff erinnert. Israels Botschafter David Roet gedachte gemeinsam mit der jüdischen und israelischen Gemeinschaft im Wiener Stadttempel der Opfer des 7. Oktober, teilte die Botschaft mit.
Schutz jüdischer Einrichtungen im Fokus
Wie das Innenministerium am Mittwoch mitteilte, steht nicht erst seit der Attacke vor drei Jahren der Schutz jüdischer Objekte und Einrichtungen im Fokus der österreichischen Sicherheitsbehörden. Neben zahlreichen verdeckten Maßnahmen sei auch die Präsenz der Polizei bei jüdischen Einrichtungen erhöht worden. Alle Maßnahmen seien in enger Absprache mit der Israelitischen Religionsgesellschaft bzw. den Israelitischen Kultusgemeinden getroffen worden.
Neben dem dritten Jahrestag bringt der Oktober laut Ministerium auch verschiedene jüdische Feiertage mit sich. Es bestehe zwar eine allgemein erhöhte Bedrohungslage, aber keine konkrete Gefährdung. Neben der Sensibilisierung hinsichtlich einer möglichen Bedrohungslage jüdischer Einrichtungen stünden sowohl die Sicherheitsbehörden als auch der Verfassungsschutz zur Gefahrenabwehr im engen Austausch mit ausländischen Behörden, hieß es aus dem Ministerium.