Jubel für Verdis “Aida” im Stadttheater Klagenfurt

Das Kärntner Sinfonieorchester und sängerisch wie schauspielerisch starke Sängerinnen und Sänger machten am Donnerstag das ägyptische Königinnen-Drama “Aida” zum gefeierten Saisonauftakt am Stadttheater Klagenfurt. Regisseur Aron Stiehl ließ sich neben dezent choreografierten Massenszenen auch ein parodistisches Diktatoren-Ballett und Querverweise auf das Kriegsgetöse der Gegenwart einfallen.
Das Kärntner Sinfonieorchester unter Chefdirigent Chin-Chao Lin war bei der Premiere gut disponiert, vor allem die Bläser-Solisten überzeugten. Als die Trompeten-Fanfaren vom Balkon des Stadttheaters den Triumphmarsch schmettern, ist der Krieg zwischen den Ägyptern und den verfeindeten Äthiopiern entschieden. Der siegreiche Feldherr Radamès soll als Lohn die Pharaonentochter Amneris heiraten. Doch die ahnt bereits, dass der heimlich ihre äthiopische Sklavin Aida liebt.
Ruzana Grigorian als facettenreiche Aida
Eindrucksvoll verkörpert Ruzana Grigorian mit ihrem ausgewogenen Mezzosopran Amneris’ Zerrissenheit zwischen Liebe und Eifersucht, und gibt die verzweifelte, flammende Rivalin von Anna Princeva als facettenreiche Aida, die besonders mit ihren lyrischen Partien bezaubert. Der russischen Sopranistin steht der ukrainische Tenor Vasyl Solodkyy als Radamès zur Seite, der nach anfänglichen Schwächen vor allem nach der Pause überzeugen kann.
Souverän auch die weiteren Sänger: Mit seinem sonoren Bariton gefällt Tommi Hakala als Amonasro, Aidas Vater und gefangener König von Äthiopien; Bass Giorgi Chelidze als mächtiger Oberpriester Ramfis und Gheorghe Severin als (zu zarter) König von Ägypten vervollständigen das Ensemble, das wohl auch in einer monumentalen Freiluftinszenierung bestehen könnte.
Mystische Atmosphäre
Im hoch aufragenden Bühnenbild von Thomas Stingl erzeugen antike Versatzstücke und viel Bühnennebel eine mystische Atmosphäre, die Kostüme von Emmanuela Cossar kombinieren diverse Uniformen, Cocktailkleider und erdfarbene Fetzen (der besiegten Äthiopier) miteinander. Zu sehen gibt es in den Tableaus der vier Akte vor allem bei den Massenszenen viel, für die neben Chor und Extrachor auch jede Menge Statisterie die Bühne füllt.
In blutrotem Licht verschwindet das Geschehen, als sich eine transparente Videoleinwand davor entrollt, auf der historische Filmaufnahmen aus dem Weltkrieg gezeigt werden. Etwas platt, aber klar: Das Kriegsgeschrei (“Guerra! Guerra!”) tönt quer durch die Jahrhunderte. Gebrochen wird der Ernst von Aron Stiehl durch eine schrill inszenierte Balletteinlage (Sabine Arthold) mit Diktatoren von Stalin bis Mussolini. Und ein kindlicher Donald Trump baut im Hintergrund an einem immer wieder zusammenstürzenden Kartenhaus.
(Von Karin Waldner-Petutschnig/APA)
(S E R V I C E – “Aida”, Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi, Libretto von Antonio Ghislanzoni nach einem Szenario von Francois Auguste Ferdinand Mariette, in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Mit: Chin-Chao Lin (musikalische Leitung), Aron Stiehl (Regie), Thomas Stingl (Bühne), Emmanuela Cossar (Kostüme), Sabine Arthold (Choreographie), Günter Wallner (Choreinstudierung), Anna Princeva (Aida), Vasyl Solodkyy (Radamès), Ruzana Grigorian (Amneris), Tommi Hakala (Amonasro), Giorgi Chelidze (Ramfis), Gheorghe Severin (König von Ägypten), u.a., Kärntner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor des Stadttheaters Klagenfurt, Statisterie des Stadttheaters Klagenfurt, weitere Vorstellungen: 20., 23., 26., 29. September, 2., 9., 15., 21. Oktober, 7., 11., 14. November 2026, jeweils 19.30 Uhr, )