“Kamera an Bord”: Ausstellung historischer Fotos in Wien

20.08.2026 • 13:04 Uhr
"Kamera an Bord": Ausstellung historischer Fotos in Wien

“Österreich lag am Meer.” Was die Fotohistorikerin Monika Faber am Donnerstag bei der Presseführung zur Ausstellung “Kamera an Bord” sagte, belegt die bis 27. November laufende Schau im Wiener Photoinstitut Bonartes auf eindrucksvolle Weise. Die österreichische Kriegsmarine kreuzte auf den Weltmeeren – nicht ausschließlich zu kriegerischen Zwecken. “Es gab viele Berührungspunkte zu anderen Aufgaben”, so Faber. Neben Kanonen dominieren Expeditionen und Exotica die Sujets.

Der Untertitel der Ausstellung, die am Donnerstagabend eröffnet wird, zeigt die zeitliche und geografische Bandbreite der Exponate: “Zwischen Arktis und Südsee 1855-1917”. Ein von Bonartes erworbenes Mappenwerk von 1855 dokumentiert erstmals das Treiben an Bord mittels Fotografie. Franz May, ein junger Fotograf der k.k. Staatsdruckerei, begleitete die erste Ausfahrt des 23-jährigen Erzherzogs Ferdinand Maximilian (des späteren Kaisers von Mexiko) als Flottenkommandant – eine Mischung aus Schiffsparade der Kriegsmarine und überaus kostspieliger “Grand Tour” eines Adeligen. Die Fotos zeigen etwa den später durch die Seeschlacht bei Lissa berühmt – und denkmalwürdig – gewordenen Admiral Tegetthoff in der wenig glorreichen Umgebung eines Schiffsbesatzungsalltags.

Stereofotografie als frühes, immersives Seherlebnis

Die von Monika Faber und Martin Keckeis kuratierte, in enger Zusammenarbeit mit Bildarchiv und Grafiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek entstandene und von einer Publikation begleitete kleine Schau bietet viele Aspekte und zahlreiche Geschichten. Zu sehen ist etwa ein historischer Apparat, der auf Jahrmärkten gegen Münzeinwurf dank zweier in Augenabstand aufgenommener Fotos einen 3-D-Eindruck vermittelte. Faber: “Diese Stereofotos waren wahnsinnig beliebt, weil sie ein immersives Erlebnis geboten haben.” Über 30.000 Stereomotive unterschiedlichster Provenienz soll das Studio Oscar Kramer in Wien um 1860 vorrätig gehabt haben – das betuchtere Publikum hatte entsprechende Betrachtungsgeräte bei sich zu Hause. Auch die Vorbereitungsreise für die Polarexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht wurde in Stereo dokumentiert.

Aber auch reiche Reisende hatten bereits eine “Kamera an Bord”. Die Geschichten, die rund um die Fotos der Hochzeits- bzw. Weltreise von Rudolf und Ella Festetics (die 1893 als erste Frau in den USA das Kapitänspatent erwarb) erzählt werden können, sind so abenteuerlich wie unterhaltsam – von der baldigen Scheidung des Paares bis zu den Fake News, die der nach Wien zurückgekehrte Graf verbreitete, um seinen Reisebericht besser verkaufen zu können. “Chez les Cannibales”, hieß der, doch Beweisfotos einer Essenseinladung bei den Kannibalen konnte der Weltreisende dann doch nicht beibringen.

(S E R V I C E – “Kamera an Bord. Zwischen Arktis und Südsee 1855-1917”, Ausstellung im Photoinstitut Bonartes, Wien 1, Seilerstätte 22, 21. August bis 27. November, nach Voranmeldung unter 01/236 02 93-40, Publikation als Band Nr. 25 in der Reihe “Beiträge zur Geschichte der Fotografie in Österreich” bei der FOTOHOF EDITION, 196 Seiten, ISBN 978-3-903595-18-7, )