Kampfflugzeuge schießen Drohne über Litauen ab

15.09.2026 • 08:28 Uhr
Kampfflugzeuge schießen Drohne über Litauen ab

Kampfflugzeuge der NATO haben über Litauen nach Regierungsangaben eine Drohne abgeschossen. Das unbemannte Flugobjekt sei am Dienstag kurz nach Mitternacht von italienischen Eurofightern vom Himmel geholt worden, teilte das Verteidigungsministerium in Vilnius mit. Eine russische Fregatte hat unterdessen in internationalen Gewässern vor der dänischen Küste nach Angaben aus Kopenhagen zwei Leuchtkugeln auf einen dänischen Militärhubschrauber abgefeuert.

Die Geschosse hätten den Helikopter am Montag knapp verfehlt, teilte das Militär des NATO-Landes mit. Der Hubschrauber sei auf einem Routineeinsatz gewesen, um die russische Fregatte zu fotografieren. Bei der Leuchtmunition handle es sich um Pyrotechnik, die auf See üblicherweise als Warnsignal genutzt werde, hieß es in der Mitteilung weiter. Wegen des Vorfalls will Dänemark den russischen Botschafter einbestellen. Dies kündigte Verteidigungsminister Jeppe Bruus im dänischen Sender TV2 an. Eine russische Stellungnahme zunächst nicht vor.

Litauens Präsident dankt Einsatzkräften

“Ich danke den Einsatzkräften der Allianz für ihre schnelle Reaktion”, schrieb Präsident Gitanas Nauseda auf der Plattform X. “Angesichts der zunehmenden Aggression Russlands gegen die Ukraine ist diese Bereitschaft für unsere Region von entscheidender Bedeutung. Gemeinsam mit unseren NATO-Verbündeten wird Litauen seinen Luftraum verteidigen.” Es war Berichten zufolge das erste Mal, dass eine Drohne über Litauen abgeschossen wurde. Die Behörden hatte die Bevölkerung mehrerer Regionen des baltischen Landes zuvor über eine mögliche Bedrohung aus der Luft alarmiert. Genauere Angaben zur Herkunft und Typ der abgeschossenen Drohne gab es zunächst nicht.

Nach Angaben des Leiters des nationalen Krisenmanagementzentrums, Vilmantas Vitkauskas, wurde die Drohne über einem ländlichen Gebiet nahe dem Dorf Pratkunai abgeschossen, das rund 50 Kilometer südöstlich der zweitgrößten Stadt Kaunas liegt. Nach ersten Erkenntnissen flog die Drohne wahrscheinlich von Belarus nach Litauen ein, wie er im litauischen Rundfunk sagte. Informationen über Opfer oder Schäden gebe es bisher nicht. Im Abschussgebiet seien Trümmerteile einer Drohne gefunden worden, die nun untersucht werden.

Exponierte Lage an NATO-Ostflanke

Litauen grenzt an die russische Ostsee-Exklave Kaliningrad sowie an Russlands Verbündeten Belarus. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine fühlt sich das Land in besonderem Maße bedroht. Litauens Militärgeheimdienst liegen nach Regierungsangaben Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten erwägen könnte.

Die deutsche Bundeswehr baut derzeit eine deutsche Panzerbrigade in Litauen auf. Der gefechtsbereite und eigenständig handlungsfähige Kampfverband mit 4.800 Soldaten soll bis 2027 einsatzfähig sein.

NATO überwacht baltischen Luftraum

Im Zuge des Ukraine-Krieges hat es bereits mehrere Vorfälle mit Drohnen in Litauen und den beiden anderen Baltenstaaten Estland und Lettland gegeben. Bei ukrainischen Angriffen waren wiederholt fehlgeleitete unbemannte Flugkörper, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte, in den Luftraum eingedrungen und abgestürzt. In Litauen waren in der Vergangenheit auch Drohnen russischen Fabrikats aus Belarus eingeflogen.

Größere NATO-Staaten übernehmen im Baltikum abwechselnd die Luftraumüberwachung der Mitgliedsstaaten Estland, Litauen und Lettland, die keine eigenen Kampfjets besitzen. Die italienischen Kampfjets sind auf dem Militärflughafen Siauliai (Litauen) stationiert. Sie hatten zuletzt bereits im August eine aus Belarus in den Luftraum des benachbarten Lettlands eingeflogene Drohne abgeschossen. Auch in Estland wurde schon eine Drohne von NATO-Kampfjets vom Himmel geholt.