Kein Abend zum Vergessen: Premiere von “Nincshof” in Güssing

16.10.2026 • 09:00 Uhr
Kein Abend zum Vergessen: Premiere von "Nincshof" in Güssing

Den “Oblivisten” wird das wohl nicht gefallen: “Nincshof”, ihr Dorf, das vergessen werden soll, hat mit der Uraufführung im Kulturzentrum Güssing am Donnerstag den Sprung auf die Theaterbühne geschafft. Und dort funktioniert der gleichnamige Roman von Johanna Sebauer erstaunlich gut. Mit Witz und Charme erzählt Christoph Krutzler in seiner ersten Eigenproduktion für die Kulturzentren Burgenland von Legenden, Aufständen und Irrziegen – alles in allem kein Abend zum Vergessen.

Der Beginn geriet mit der alten Nincshoferin Erna Rohdiebl (Johanna Mertinz), auf der Bühne badend im nicht vorhandenen und nur durch Plätschergeräusche angedeuteten Pool, noch etwas holprig, danach legte die Inszenierung von Lisa-Maria Cerha jedoch schnell an Tempo zu. Ausgerechnet Rohdiebl soll den drei “Oblivisten” dabei helfen, dass das Dorf vergessen wird, damit die Bewohner endlich in Freiheit und Ruhe leben können, so wie sie es der Legende nach schon einmal getan haben, vor der Entdeckung des Ortes im Schilf des Neusiedler Sees.

Krutzler führt die “Oblivisten” als Bürgermeister an

Um das zu erreichen, müssen Ortsschilder entfernt, Radtouristen vergrault und vor allem “die Neuen” – Ex-Dokumentarfilmerin Isa Bachgasser (Mona Kospach) und Neo-Irrziegenwirt Silvano Mezzaroni (Gerald Votava) – unter Kontrolle gebracht werden, finden die “Oblivisten”. Einer von ihnen ist der Bürgermeister, den Krutzler selbst als launischen Anführer verkörpert. Mit ihm kämpfen der schweigsame Sipp Sepp (Ferry Janoska) und der herrlich komische Valentin Salmerak (Skye MacDonald), der im Bühnenstück zum bemerkenswert auffälligen Beschatter mutiert.

In der Bühnenadaption von Fabian Pfleger reiht sich eine Skurrilität an die nächste, gepaart mit Situationskomik und der musikalischen Umrahmung des Sipp Sepp, der von Janoska ein Bandoneon, eine Art Ziehharmonika, in die Hand bekommt. Auch die unerwarteten Gesangseinlagen der Nincshofer passen da irgendwie hinein, wie sowieso alles in Nincshof im Bereich des Möglichen erscheint. Dass das eigenwillige Dorf ausgerechnet im Burgenland zu finden – oder eben nicht zu finden – ist, dürfte kein Zufall sein. Denn das östlichste Bundesland sei insgesamt “eine einzige Merkwürdigkeit und ein einziges Rätsel”, schreibt Sebauer in ihrem Debütroman.

Nach der Uraufführung in Güssing stehen weitere Vorstellungen in Mattersburg, Oberschützen und Eisenstadt auf dem Programm. Mit dem Vergessen wird es für die “Oblivisten” also vorerst nichts.

(Von Theresa Puchegger/APA)

(S E R V I C E – “Nincshof” von Johanna Sebauer. Künstlerische Leitung: Christoph Krutzler, Regie: Lisa-Maria Cerha, Bühnenfassung: Fabian Pfleger, Musik: Ferry Janoska. Weitere Aufführungen bis 6. November.)