“Kein.Platz.Für.Joker”: Clowneskes Mash-up im Off Theater

04.11.2026 • 10:29 Uhr
"Kein.Platz.Für.Joker": Clowneskes Mash-up im Off Theater

Ein Bierzelt, ein Bürgermeisterkandidat, ein schleimiger Moderator und ein Opfer: Das sind die Ingredienzien von “Kein.Platz.Für.Joker” des bernhard.ensembles, das sein neues Mash-up am Dienstag im Off Theater zur Uraufführung brachte. Grundlage waren Todd Phillips’ vielfach ausgezeichneter Thriller “Joker” und Felix Mitterers 1977 uraufgeführtes und später für das Fernsehen verfilmtes Stück “Kein Platz für Idioten”. Eine logische Verschränkung, die jedoch nicht ganz aufging.

Anders als in “Was geschah, nachdem Babsie ihren Ken…?”, in dem Sophie Resch und Ernst Kurt Weigel Elfriede Jelineks “Nora”-Fortschreibung und Greta Gerwigs “Barbie”-Blockbuster in diesem Frühjahr zu einer lustvollen Befragung des Feminismus in Zeiten von Social Media verquickte, fehlt in “Kein.Platz.Für.Joker” nicht nur ein stringenter Handlungsbogen, sondern auch eine gewisse Gleichwertigkeit der Vorlagen. Zwar spricht man hier im Dialekt wie bei Mitterer und fokussiert auf die Parallelen der beiden Stoffe, am Ende bleibt es aber eine abstrahierte Interpretation des Hollywooderfolgs.

Trash-Trachten und Horrorclowns

Klar, die Ähnlichkeit im Personal ist durchaus gegeben: Da ist der machtgeile Politiker (Matthias Böhm), dem man den Vergleich mit Thomas Wayne aus “Joker” jedoch nicht abnimmt, eine toxische Mutter-Sohn-Beziehung und ein populärer Fernsehmoderator, der stets unter der Gürtellinie operiert. Doch wähnt man sich in dem zweistündigen, pausenlosen Abend stets mehr in der “Joker”-Geschichte, selbst wenn der Protagonist wie bei Mitterer Sebastian heißt.

Aber von Anfang an: Schon vor Beginn des Stückes, in dem das Publikum in den zum Bierzelt umfunktionierten Theatersaal strömt, suchen die Spielenden in ihren Trash-Trachten die Nähe zu den Menschen. Erzählen Witze und zeigen Zaubertricks. Schließlich mischen sie sich an den insgesamt neun Biertischen unters Volk, die Show kann beginnen. Zu Klängen der “Batman”-Signation entfaltet sich ein gruseliges Clown-Spektakel, in dem die spätere Gewalt gegen den Joker vorweggenommen wird. Doch dann entert Christian Kohlhofer in knackiger Lederhose als Moderator Dominik Heisl (haha) die mittig platzierte Bühne (“Wien-Neubau, geht’s eich guat?”) und ruft zur Kür von “Austria’s ärmster Sau” auf (“Der Babler-Andi hat heut keine Zeit gehabt”). Das Schenkelklopfen kann beginnen.

Zuverdienstverbot und Skihalle am Gürtel

Scheinbar aus dem Publikum fischt sich Kohlhofer das Personal des Abends: So betritt Sophie Resch als arrogante AMS-Beraterin die Bühne, um Andrzej Jaslikowski als Joker den Traum von einer Komikerkarriere zu nehmen. Dieser jobbt nebenbei in einem Bierzelt, was – no na net – zu einem Seitenhieb auf das seit Beginn des Jahres sämtliche Künstler quälende Zuverdienstverbot führt. Dann ist wieder der Bürgermeister dran: Matthias Böhm ist ein authentischer, Volksnähe imitierender Emporkömmling, der seine Sätze stets gegen Ende abbrechen lässt und statt der Hauptbücherei eine Skihalle am Gürtel errichten will.

Spät, aber doch kommt auch die Mutter ins Spiel: In beiden Stoffen hadert diese (mehr oder weniger derb) mit dem Umstand, dass der Sohn behindert (bei Mitterer) bzw. psychisch krank (in “Joker”) ist. Jula Zangger darf dazu ihr Dirndl bis auf die Unterwäsche ausziehen, sich in eine fiktive Badewanne legen, sehr viel furzen und dem Sohn entgegenschleudern: “Du host mei Leb’n ruiniert, du Oaschloch”.

“Angenehm waach”

Mittendrin stolpert Jaslikowski durch die Szenerie, schneidet hinter seiner Joker-Schminke Grimassen und fühlt sich in dieser Gesellschaft sichtlich fehl am Platz. Ihm zur Seite gestellt hat Regisseur Weigel Wesen namens Josie (Ylva Maj) und Jokes (Leonie Wahl), die meist stumm ihre Clown-Scherze treiben. Nach einer kollektiven Trauma-Beichte der Mitwirkenden, einem bewegenden Aufeinandertreffen Jokers mit seinem vermeintlichen Bruder Bruce Wayne (Brent Larsen) und dem zweifachen Singen einer deutschen Version von Pink Floyds “Comfortably Numb” (“I bin heut so angenehm waach”) kommt es, wie es kommen muss, und Sebastian/Joker greift zur Waffe.

Todd Phillips hätte mit dieser grotesken, austrifizierten Version seines Films sicherlich seine Freude. Felix Mitterer hingegen dürfte sich ein wenig wundern, was das alles wirklich mit seinem Stoff zu tun hat, in dem der zurückgebliebene Sebastian von seinen Eltern unterdrückt, von einem Freund der Familie ermächtigt und schließlich von der Gesellschaft verraten wird. Wer sich jedoch ohne allzu viel Kenntnis der beiden Stoffe einfach auf diese amüsant-derbe Horror-Clown-Show im Bierzelt einlässt, dürfte dennoch seine Freude haben. Herzlicher Applaus beendete den Abend.

(Von Sonja Harter/APA)

(S E R V I C E – “Kein.Platz.Für.Joker”, Mash up des bernhard.ensembles, inspiriert von Todd Phillips’ “Joker” und Felix Mitterers “Kein Platz für Idioten”. Konzept und Regie: Ernst Kurt Weigel, Ausstattung: Eva Grün und Alex Grüner, Kostüme: Julia Trybula. Performance: (u.a. Andrzej Jaslikowski, Christian Kohlhofer, Jula Zangger, Matthias Böhm und Sophie Resch. Weitere Termine: 6., 7., 10., 13., 14., 17., 21., 24., 27. und 28. November sowie im Jänner. Gastspiel im Gold & Pech Theater in Graz-Umgebung: 4., 5., 6., 12., 13., 18., 19. und 20. Dezember. )