Kein “Taxitransport” – Rettung und Pflege fordern Maßnahmen

09.10.2026 • 13:19 Uhr
Kein "Taxitransport" - Rettung und Pflege fordern Maßnahmen

Ein beträchtlicher Anteil der Rettungsfahrten ins Spital ist Experten zufolge nicht dringend notwendig – und belastet so die Notfallversorgung in Österreich. Am Freitag forderten daher der Bundesverband Rettungsdienst (BVRD) sowie der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) konkrete Maßnahmen der Politik. Beide pochen etwa auf eine bessere Ausbildung der Sanitäter und eine größere Abstimmung zwischen Rettungsdienst, Pflege und Notaufnahme.

Die Österreichische Gesundheitskasse rechne jährlich drei Millionen Rettungsfahrten ab, erklärte BVRD-Sprecher Florian Zahorka vor Journalisten. Das sei “eine unglaublich hohe Zahl, die international keinerlei Vergleichbarkeit” habe. Dabei würden ambulant behandelte Menschen in Notfallaufnahmen zudem “in der überwiegenden Zahl eine niedrige Dringlichkeit” aufweisen. Gleichzeitig sei der “Aufwand, um sie einzuschätzen, um sie zu beurteilen, in der Notaufnahme enorm hoch”.

Verschlechterungen in Pflegeheimen etwa würden häufig keinen Spitalstransport benötigen. Aus Sicht von ÖGKV-Sprecherin Elisabeth Potzmann kämen manche Patientinnen und Patienten durch die Belastung des Ortswechsels in die Ambulanzen mitunter “in einem schlechteren Zustand zurück, als wir sie weggeschickt haben”. Rettungseinsätze würden indes nicht nur wegen Hitze- oder Grippewellen steigen. “Wir sehen, dass es aufgrund der demografischen Entwicklung immer mehr Transporte geben muss”, so Clemens Kaltenberger vom BVRD. Aufgrund knapper werdender Ressourcen dürfe die Notfallversorgung nicht als “Taxitransport” missbraucht werden.

Rettungsdienst und Pflege wollen höher qualifiziertes Personal

“Das bestehende Ausbildungsmodell für Sanitäter muss weiterentwickelt werden”, forderte Kaltenberger im Einklang mit seinen Kollegen weiter. Ein Vorbild sei hier, so Elisabeth Potzmann, die Pflegeausbildung an der Fachhochschule. Studien würden zeigen, eine FH-Ausbildung führe “zu einer geringeren Sterblichkeit, zu kürzeren Aufenthalten”. Der ÖGKV-Pflegeexperte Matthias Hellmair bekräftigt zwar, einige Diagnosen seien in Kliniken besser aufgehoben. Wesentlich sei aber, dass Rettungskräfte bereits vor Ort “eine vorsichtige Triage erstellen können”. Insgesamt müsse die Durchlässigkeit zwischen den Gesundheitsberufen durch zusätzliche Qualifikationen größer werden. Auch die Telemedizin funktioniere nur mit ausreichender Kompetenz der Fachkräfte.

Das soll auch die Jobs im Gesundheitswesen attraktiver machen. “Je höher die Ausbildung der Sanitäter ist, desto höher ist die Verbleibdauer im System”, so Clemens Kaltenberger. Indes sieht sein Kollege Florian Zahorka verpasste Chancen beim Zivildienst. “Jahr für Jahr hätten wir die Chance, junge Menschen zu gewinnen”, so der BVRD-Vertreter. Aktuell würden aber “die wenigsten” Zivildiener langfristig im Beruf bleiben. Konkret ist aus seiner Sicht die Reform des Sanitätergesetzes zur Umsetzung der Forderungen wesentlich.

Notaufnahmen sollen digitaler werden

Außerdem soll die Kommunikation besser werden, wenn tatsächlich eine Übergabe ins Spital nötig ist. In vielen Fällen würde das Personal in den Notaufnahmen die Patienteninformationen erneut erheben, obwohl Sanitäter bereits ein Beschwerdebild erhoben hätten. Hier fehle es an “digitalen Schnittstellen”, die der BVRD nun einfordert: “Notaufnahmen und Rettungsdienst müssen verbindlich digital und qualitätsgesichert verbunden werden. Papierdokumentationen haben ein Ende zu finden.”