KHM-Generaldirektor Fine von Entlastung “nicht überrascht”

Der von den Vorwürfen des Mobbings und Bossings entlastete Generaldirektor des Museumsverbandes des Kunsthistorischen Museums (KHM) Jonathan Fine hat sich vom Ergebnis des entsprechenden Gutachtens “nicht überrascht” gezeigt. Dies sagte Fine am Donnerstag in Innsbruck zur APA. Zahlreiche von Ex-Schloss-Ambras-Direktorin Veronika Sandbichler aufgestellte Vorwürfe hätten sich “nicht aufrechterhalten lassen.” Er sehe dies aber als “keinen Freibrief, sondern als Verpflichtung.”
Er habe “gewusst, wie ich gehandelt habe”, die rechtliche Beurteilung habe nunmehr seine “Wahrnehmung bestätigt”, meinte Fine am Rande eines Medientermins zu der Sommerausstellung “Das Blut der Medusa – die Korallen von Schloss Ambras”. Gleichzeitig betonte der Generaldirektor, dass es ihm “leid tue”, dass es mit Sandbichler “diese Richtung genommen hat”: “Es tut mir leid, dass sie der Verlauf menschlich und beruflich schmerzt.” Die langjährige Direktorin habe im Zuge von inhaltlichen Auseinandersetzungen das “Dienstverhältnis beenden wollen”, rekapitulierte Fine den Ursprung der Causa, die in den vergangenen Monaten gehörig Schlagzeilen machte. Sandbichler habe dann “drei Jahresgehälter wollen” und als sie diese “nicht bekommen hat”, habe sie “diese mediale Geschichte losgetreten”.
Das Ergebnis der unabhängigen Beurteilung der Causa sehe er jedenfalls nicht als “Freibrief, sondern als Verpflichtung”. Zum einen, dass man “besser in der Kommunikation” werden müsse. Zum anderen gehe es in Ambras – wie auch generell – ganz einfach um das Leben folgender drei Begriffe: Verantwortung, Exzellenz und Inklusion.
Neues Konzept “möglichst schnell”
Mit Sandbichler befinde man sich derzeit in einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung. Zu deren Details wolle er nicht näher eingehen, so Fine. Man könne die neue Leitung des Museumsstandorts auf Schloss Ambras, das zum KHM-Museumsverband gehört, jedenfalls erst ausschreiben, sobald es mit Sandbichler “eine Lösung gibt”. Das von ihm gewünschte Konzept der Weiterentwicklung von Schloss Ambras werde dann mit der neuen Betriebsleitung und der neuen wissenschaftlichen Leitung erarbeitet. “Mein Wunsch ist, dass das möglichst schnell erfolgt”, betonte der KHM-Chef.
Fine sah jedenfalls viel Potenzial, das es wesentlich mehr auszuschöpfen gelte als bisher: Es solle ein “vielfältigeres Angebot für das Tiroler und internationale Publikum” geben. Es gehe darum, die Geschichte der Philippine Welser und des Erzherzog Ferdinand II. von Österreich “viel stärker erleben zu können”. Etwa mit einer möglichen Rekonstruktion der Gemächer Philippine Welsers. Das Schloss bei Innsbruck solle zudem “als Schloss mit großer historischer Bedeutung attraktiviert werden”. Derzeit habe Schloss Ambras rund 100.000 Besucher jährlich. “Ich glaube, es besteht das Potenzial, wesentlich mehr Besucher anzuziehen. Nicht zuletzt angesichts der florierenden Umgebung in Tirol”, machte Fine deutlich.
Alles Korallen
Den “Anfang” will man jedenfalls mit der Korallen-Ausstellung machen, die vom 26. Juni bis zum 31. Oktober laufen wird. Und die nicht gerade ganz ohne Zutun Sandbichlers entstanden ist, die diese vorgeschlagen hatte. “Ohne ihr Engagement wäre diese Ausstellung nicht entstanden”, war es Fine wichtig zu betonen. Kuratorin Katharina Seidl und Co-Kurator Pedro Frade vom Naturhistorischen Museum führten dann die Pressevertreter durch die Ausstellungsräume.
Diese spanne den Bogen “von antiken Erzählungen über frühneuzeitliche Wunderkammern bis zu aktuellen Fragen von Klimawandel und Artensterben.” Ausgangspunkt sei die Korallensammlung des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinands II. Rund 50 Objekte aus dem Ambraser Bestand werden ausgestellt und mischen sich mit ausgewählten Leihgaben und naturwissenschaftlichen Perspektiven.
Zu sehen gibt es vieles: Von Einblicken in die Unterwasserwelt über naturwissenschaftliche Exponate und Hands-on-Stationen aus dem Naturhistorischen Museum bis hin zum “Highlight”: Zwei berühmten “Korallenkabinette” Erzherzog Ferdinands II. Auch dem Entstehungsmythos wird nachgegangen: So erzählte etwa Ovid in seinen Metamorphosen, wie das abgeschlagene Haupt der Medusa Meerespflanzen zu Stein erstarren ließ – der Ursprung der Koralle. Der Mythos begegnet den Besuchern etwa im kostbaren Korallensäbel aus der Kunstkammer Ferdinands II. Ordentlich “gestreift” wird auch die Jetzt-Zeit: Etwa mit einer Videovorführung, in der Versuche zum Wiederaufbau von Korallenriffen gezeigt werden.
(S E R V I C E – Internet: )