Zverev zieht souverän ins Halbfinale der French Open ein

Der zweitgereihte Alexander Zverev hat in souveräner Manier das Halbfinale der Tennis-French-Open erreicht. Der in Folge des Turnierverlaufs nun als Titelfavorit geltende Deutsche besiegte am Dienstag im Viertelfinale den Spanier Rafael Jodar 7:6(3),6:1,6:3. Um den Einzug in das Finale geht es für Zverev gegen den Brasilianer Joao Fonseca oder den Tschechen Jakub Mensik. Ins erste Frauen-Halbfinale zogen die Russin Mirra Andrejewa und die Ukrainerin Marta Kostjuk ein.
Zverev hatte nur zu Beginn seine Probleme. Sein erst 19-jähriger Gegner überraschte ihn und ging 4:2 in Führung. Ab da nahm der Favorit aber das Heft in die Hand. Zverev erreichte das Tiebreak, in dem er derzeit schier unbezwingbar scheint. Mit der Satzführung im Rücken spielte sich der Weltranglistendritte in Titelform und ließ im ersten Duell mit dem Iberer fortan keinen Zweifel mehr am Sieger. Nach 2:25 Stunden war die Partie beendet. Und wieder sparte Zverev mit Jubel, den scheint er sich für seinen ersten Grand-Slam-Triumph aufheben zu wollen.
Dafür fehlen ihm noch zwei Siege. Schon zum fünften Mal befindet sich Zverev in Roland Garros in dieser Situation, von 2021 bis 2024 hatte er bereits Jahr für Jahr das Halbfinale des Pariser Major-Turniers erreicht. Ins Endspiel kam er nur vor zwei Jahren, da folgte dann eine Niederlage gegen Carlos Alcaraz in fünf Sätzen. Zu weit will Zverev aber gar nicht vorausblicken: “Ich will die Matches gewinnen, die vor mir liegen – das ist mein Ziel”, sagte Zverev. “Ich bin im Halbfinale – aber das ist es für jetzt.”
Weiterer emotionaler Sieg von Kostjuk
Madrid-Titelträgerin Kostjuk entschied das Duell mit ihrer Landsfrau Elina Switolina mit 6:3,2:6,6:2 für sich, und das an einem Tag weiterer russischer Angriffe auf deren Heimatland mit Todesopfern. Den Menschen in ihrer kriegsgebeutelten Heimat widmete Kostjuk dann auch den Sieg. “Wir hatten wieder eine sehr schwierige Nacht in der Ukraine, besonders in Kiew. So viele Menschen sind tot. Ich möchte dieses Match den ukrainischen Menschen widmen und ihrer Entschlossenheit”, sagte die 23-Jährige: “Slava Ukraini!” Dann wischte sie sich ein paar Tränen aus den Augen.
Von den Rängen im Stadion Philippe Chatrier gab es dafür tosenden und langen Applaus, auch ukrainische Flaggen waren zu sehen. Für Kostjuk ist es das erste Grand-Slam-Halbfinale, als erste Ukrainerin schaffte sie es bei diesem Grand Slam unter die letzten Vier. Sie hatte nach ihrem Auftaktmatch öffentlich gemacht, dass 100 Meter von ihrem Elternhaus eine Rakete ein Gebäude zerstört habe. Sie zeigte auf der Pressekonferenz ein Foto, das die Zerstörung zeigen soll. Sie versuche, wann immer es geht, “an die Schrecken des Alltagslebens der Menschen” in ihrer Heimat zu erinnern.
Pikanterweise trifft Kostjuk im Spiel ums Finale ausgerechnet auf eine Russin. Die 19-jährige Andrejewa hatte sich kurz zuvor gegen die Rumänin Sorana Cirstea mit 6:0,6:3 beeindruckend durchgesetzt und war zum zweiten Mal in ihrer Karriere in die Runde der besten Vier eingezogen. Auf den im Tennis eigentlich obligatorischen Handschlag am Netz verzichten ukrainische Profis, wenn sie auf Spieler und Spielerinnen aus Russland treffen.
Oberleitner nach Kampf im Doppel-Viertelfinale out
Eine weitere starke Leistung lieferte der Wiener Neil Oberleitner im Doppel. An der Seite des Tschechen Petr Nouza schied er gegen die italienische Nr-5-Paarung Simone Bolelli/Andrea Vavassori nach Auslassen von Matchbällen mit 7:6(7),1:6,6:7(12) aus. Die Partie dauerte 2:40 Stunden. Der 26-jährige Oberleitner wird sich nach seinem bisher wohl größten Erfolg in der Doppel-Weltrangliste in die Top 50 verbessern.