Kritische Hitze in Wohnungen von Wiener Senioren gemessen

25.08.2026 • 18:46 Uhr

Ältere Menschen sind gesundheitlich von Hitze häufig besonders stark betroffen. In Österreich wurden heuer zum ersten Mal Temperaturen von über 41 Grad gemessen – was auch etliche Wohnungen stark aufgeheizt haben dürfte. Über den Sommer haben daher Greenpeace, die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und der Österreichische Seniorenrat die tatsächlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit in mehreren Wiener Wohnräumen prüfen lassen.

Für die Experten bestätigte sich ein alarmierender Trend. In allen untersuchten Wohnungen seien an mindestens 14 Tagen zwischen Mitte Juni und Mitte August mehr als 27 Grad gemessen worden – das ist die gesundheitlich kritische Temperaturschwelle. “Waren es unter 27 Grad, war die Luftfeuchtigkeit so hoch, dass es trotzdem sehr heiß geworden ist”, erklärte Professor Herbert Formayer von der BOKU bei einer Pressekonferenz am Dienstag. In der heißesten Wohnung seien an 26 Tagen über 30 Grad gemessen worden.

Wie heiß wird es in Wohnungen wirklich?

Insgesamt habe man zwölf Wiener Wohnungen von Seniorinnen und Senioren zwei Monate lang untersucht. Auch die Nächte hätten kaum Erleichterung gebracht: Laut den Ergebnissen sank in der Hälfte der Wohnungen in mindestens 25 Nächten die Temperatur nicht unter die kritischen 27 Grad. Städte seien “nicht für diese Hitze-Ereignisse, die wir jetzt erleben, gebaut worden”, so Formayer. Es sei schwer zu sagen, wie repräsentativ die Daten seien, da es nur wenige Messungen in Privaträumen gebe. Geht es nach dem Experten, sind aber die besonders heißen Wohnungen hier “ein bisschen unterrepräsentiert”.

Die drei wärmsten Wohnungen waren der Studie zufolge allesamt Nachkriegsbauten mit schlechter Isolierung. Auch zeige sich im unmittelbaren Umfeld der Gebäude ein “Versiegelungsgrad von ungefähr 70 Prozent Minimum”, so Marc Dengler von Greenpeace Österreich, der auf mehr Begrünung und eine Sanierungsoffensive pocht. “Mit einer umfassenden thermischen Sanierung der Fenster, der Außenfassade und des Dachs kann eine Temperaturreduktion von bis zu fünf Grad erreicht werden.”

Korosec fordert Sofortmaßnahmen und geförderte Klimaanlagen

Seniorenbund-Präsidentin Ingrid Korosec will nun Hitze-Maßnahmen bis zum nächsten Sommer, möglichst unbürokratisch. Sie begrüße den Ministerratsbeschluss vom 5. August zur Vereinfachung von Hitzeschutzmaßnahmen. Ziel des Pakets müsse nun sein, “dass das Kühlen im Sommer genauso rechtlich abgesichert wird, wie das Heizen im Winter.” Etwa fordert die Seniorenbund-Chefin verbindliche und österreichweit einheitliche Hitzeaktionspläne und Hitzeschutzstandards – noch heuer. Auch brauche es Klimaanlagen, “die relativ günstig sind”, so Korosec, und “natürlich müssen die auch bis zum nächsten Jahr gefördert werden”.

Aus Sicht von Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs (PVÖ), ist die Hitze auch in Pflegeheimen ein Problem: “Dort haben wir nicht einmal 20 Prozent an Häusern, die tatsächlich mit Kühlanlagen oder Klimaanlagen ausgestattet sind.” Empfehlungen des Sozialministeriums, wie bei Hitze in Pflegeheimen umzugehen sei, würden ihr nicht reichen. Gerade für vulnerable Gruppen brauche es “verbindliche Normen” und “bauliche Maßnahmen”, so Gerstorfer.