Kurden nach tagelangen Gefechten zu Abzug aus Aleppo bereit

Nach tagelangen Gefechten gegen Regierungstruppen in Aleppo haben sich die kurdisch dominierten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) bereit erklärt, ihre Kämpfer aus der Großstadt abzuziehen. “Wir haben eine Einigung erzielt, die zu einer Waffenruhe geführt hat”, erklärten die SDF am Sonntag. Die Vereinbarung stelle “die Evakuierung der Märtyrer, Verwundeten, eingeschlossenen Zivilisten und Kämpfer aus den Stadtvierteln Ashrafieh und Sheikh Maqsoud” sicher.
Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass “Busse mit den letzten Mitgliedern der SDF” den Stadtteil Sheikh Maqsoud in Aleppo verlassen hätten und nun “in Richtung Nordosten Syriens fahren”. Zuvor hatte die syrische Armee ihren Einsatz in der letzten kurdischen Hochburg der Stadt für beendet erklärt. Laut Sana wurden kurdische Kämpfer mit Bussen aus Sheikh Maqsoud weggebracht. Kurdische Kämpfer dementierten dies jedoch zunächst und bezeichneten die Armee-Angaben über ein Ende der Kämpfe als “völlig falsch”.
Die kurdischen Einheiten seien weiterhin dabei, “einen gewaltsamen Angriff” abzuwehren, hieß es in einer Erklärung. In den Bussen befanden sich demnach Zivilisten, die “gewaltsam” an einen unbekannten Ort gebracht wurden.
Gefechte zwischen Regierungstruppen und SDF seit Dienstag
Truppen der islamistischen Übergangsregierung in Damaskus und kurdische Kämpfer lieferten sich seit Dienstag Gefechte in Aleppo. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld an der Gewalteskalation, bei der mehr als 20 Menschen getötet wurden. Nach Angaben von Gouverneur Assam al-Gharib flohen bis Samstag rund 155.000 Bewohner der betroffenen, überwiegend kurdischen Viertel Sheikh Maqsoud und Ashrafijeh in andere Stadtteile oder aufs Land.
Gemäß einem im März geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden eigentlich bis zum Jahresende 2025 in die syrische Zentralregierung und Armee integriert werden. Zudem hatten die kurdischen Kämpfer zugestimmt, sich aus den beiden Stadtvierteln in Aleppo zurückzuziehen. Beides wurde jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten nicht umgesetzt.
Seit der Machtübernahme der Islamisten in Damaskus hat die Sorge um die Rechte und die Sicherheit von Minderheiten in Syrien zugenommen. Der Regierung in Damaskus mit dem früheren Jihadisten Ahmed al-Sharaa an der Spitze wird vorgeworfen, Minderheiten wie Alawiten, Drusen und Kurden nicht ausreichend zu schützen.